Die Radsport-Experten und ihr Amateur

"Freie Presse"-Redakteur Thomas Reibetanz will 2020 beim Mountainbikerennen starten. Der Weg dahin wird dokumentiert. Teil 5: Das Team steht.

Flöha.

Das Projekt "In einem Jahr zum Heavy 24" schreitet voran. Nach ersten längeren Radtouren ins Büro auf dem E-Bike bin ich mittlerweile nur noch mit Muskelkraft unterwegs, habe mit dem Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen das erste Mountainbikerennen meines Lebens bestritten und seit Mitte Juni knapp 1500 Kilometer abgespult. Und ich kann allen, die ihren bewegungsfaulen Schweinehund besiegen wollen, sagen: Radfahren macht Sinn. Nach den ersten zwei Monaten habe ich schon sichtbar an Gewicht verloren, fühle mich fitter.

Der Vorteil des Radfahrens ist: Man merkt die Fortschritte sehr schnell. Da ich auf dem Weg ins Büro nur wenige Strecken zur Auswahl habe, fahre ich sehr oft die gleichen Wege. Zum Beispiel über den Rand des "Chemnitzer Kessels" von Flöha hoch und über Euba wieder runter. Das war anfangs kein Spaß, und ich habe nach jedem neuerlichen Bezwingen des Anstiegs nach einem Sauerstoffzelt Ausschau gehalten - vergeblich. Mittlerweile radle ich eben diesen Anstieg gedankenversunken hinauf und wundere mich dann, dass ich schon oben bin. Trainingseffekt nennt man das.


Davon, fit für die Teilnahme am 24-Stunden-Marathon zu sein, bin ich aber trotzdem noch so weit entfernt wie meine Beinhaare von einem Rasierer - obwohl meine Teamkollegen, mit denen ich das "Heavy" im kommenden Jahr fahren will, noch immer darauf bestehen, dass Radfahrer blanke Beine haben müssen. Und wo wir einmal bei den Teamkollegen sind, sollen die im Rahmen dieser Serie auch einmal vorgestellt werden. Denn es sind nicht irgendwelche Hobbyradler, mit denen ich den Höhepunkt des Projektes im kommenden Jahr angehen will und darf.

Zum Viererteam gehören neben mir auch Torsten Fischer und Eric Rudolph aus Freiberg sowie Tobias Kempa aus Brand-Erbisdorf. Eric und Tobias sind dabei die Heavy-24-Experten. In diesem Jahr konnten sie beim Rennen am Stausee Oberrabenstein bei den Zweierteams Platz zwei belegen. Von Samstagmittag bis Sonntagmittag wechselten sie sich aller zwei Runden ab, Jeder von ihnen fuhr 30 Runden und legte so fast 300 Kilometer zurück. Beide fahren zudem bei etlichen Mountainbikerennen in ganz Europa mit, bei den meisten über die längsten Distanzen. "Dass wir dieses Mal mit einem Viererteam an den Start gehen, ist mal etwas anderes", sagt Tobias Kempa. "Mal sehen, ob dieser Rhythmus auch passt." Geplant ist aktuell, dass jeder von uns immer nur eine Runde fährt, danach drei Runden pausiert. Das bedeutet: Etwa 23 Minuten Vollgas, dann eine reichliche Stunde Pause, dann wieder Vollgas. 24 Stunden lang.

Dass ich der Bremsklotz sein könnte, lassen die drei Jungs in meinem Team übrigens nicht gelten. Sie wollen dabei helfen, dass ich bis zum kommenden Jahr fit genug bin, um auch gute Zeiten zu fahren. Gemeinsame Trainingseinheiten sind bereits geplant. Bei denen wird auch Torsten Fischer mit uns ins Gelände gehen. Der 40-Jährige fährt bereits seit 1991 bei verschiedenen Rennen mit, konnte bei der Deutschen Mountainbike-Meisterschaft der Amateure bis auf Rang sechs vorfahren und zahlreiche Wettkämpfe gewinnen. "Die Nachtfahrten überlassen wir den zwei Verrückten", sagt er zum Heavy 24. Das wäre schön - wir werden wohl aber nicht drumherum kommen, auch mit der Lampe auf dem Helm durch den dunklen Wald zu rasen.

Außerdem gehört schon eine beachtliche Zahl an Betreuern zu unserem Team. Drei Freunde wollen sich vor Ort um die Logistik kümmern, unsere Freundinnen um uns. Dazu haben wir mit Andreas und Volker Hoblik aus Brand-Erbisdorf - dort betreiben sie einen Fahrradladen - echte Experten an unserer Seite. Von ihnen kommt übrigens auch das Fahrrad, mit dem ich das Heavy 24 angehen werde. Doch dazu später mehr. Erst einmal stehen die nächsten Trainingseinheiten an. Und hier wird es sogar prominent. Denn nach meinem spektakulären Sturz auf der Steilabfahrt beim Erzgebirgs- Bike-Marathon muss professionelle Hilfe her. Und die kommt von Ex-Trial-Weltmeister Marco Hösel persönlich. Zudem ist eine Einheit mit einem bekannten Ex-Profisportler geplant. Bleiben Sie gespannt.

Alle Texte der Serie "In einem Jahr zum Heavy 24" gibt es im Internet: www.freiepresse.de/heavy24


24 Stunden im Sattel

Das Heavy 24 ist ein jährlich stattfindendes Geländerennen für Mountainbikefahrer rund um den Stausee Oberrabenstein. Ziel für jeden Einzelstarter oder jedes Team (Zweier, Vierer oder Achter) ist es, innerhalb von 24 Stunden so viele knapp 10 Kilometer lange Runden wie möglich zu fahren. Ende Juni dieses Jahres fand das Rennen zum 13. Mal statt. Der Sieger im Einzelwettbewerb schaffte dabei 54, das beste Zweierteam 62, das beste Viererteam 66 und das beste Achterteam 70 Runden. (tre)

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