Eine Quelle der Gerüchte

In Falkenau kocht eine Diskussion über die Trinkwasserqualität hoch. Das Thema ist nicht neu, und Flöhas OB warnt vor Gerüchten und Panikmache.

Falkenau.

Es war beinahe so, als würde ein Wasserhahn geöffnet: Als Alexander Peukert kürzlich im Falkenauer Ortschaftsrat sagte, dass ihm der Chlorgeruch des Trinkwassers aufgefallen sei, entwickelte sich eine Diskussion, an deren Ende das Trinkwasser in Falkenau ungenießbar und wegen des angeblich zu hohen Nitratgehalts gesundheitlich bedenklich war.

Ulrich Pötzsch, technischer Geschäftsleiter des zuständigen Zweckverbandes ZWA in Hainichen, weist die Vorwürfe zurück und sagt, dass das Trinkwasser in Falkenau den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entspricht. Weder das Gesundheitsamt noch die Landesuntersuchungsanstalt oder eigene Prüfungen haben Pötzsch zufolge Verstöße gegen die Trinkwasserverordnung festgestellt. Der Nitratgehalt lag bei 18 Proben, die im Zeitraum Januar 2014 bis Oktober 2015 in der Kindertagesstätte an der Plauer Straße in Falkenau entnommen wurden, zwischen 25 und 31 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert für Nitrat ist in der Deutschen Trinkwasserverordnung und der EU-Trinkwasserrichtlinie gleichermaßen mit 50 Milligramm pro Liter festgelegt.


Aufgefrischte alte Diskussion

Die Diskussion um die Qualität des Trinkwassers in Falkenau ist indes nicht neu. Vor zehn Jahren hat das Wasser aus dem Thiemendorfer Quellgebiet schon einmal für Diskussionsstoff gesorgt. Auch damals waren es der Chlorgeruch und der hohe Nitratgehalt, der die Bürger beunruhigte. Hartnäckig hielt sich das Gerücht eines gehäuften Auftretens von Magen-Darm-Infektionen. Das Gesundheitsamt hatte das jedoch anhand von Statistiken widerlegt. Am Ende gelang es den Behörden und dem Zweckverband ZWA, den Falkenauer Gemeinderat anhand verschiedener Laboruntersuchungen und Prüfberichte davon zu überzeugen, dass die Trinkwasserqualität in Falkenau gut ist. Der Nitratgehalt lag damals bei 39 Milligramm pro Liter. Der Chlorgeruch war einem kurzzeitigen Defekt an der Dosieranlage geschuldet. Chlor ist im Trinkwasser bis zu einer Konzentration von 0,3 Milligramm pro Liter zulässig. Verwendet wird das Gas von fast allen Versorgern zur Desinfektion des Wassers.

Dosieranlage funktioniert

Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha (Linke) warnt vor einer erneuten Trinkwasser-Diskussion. Im Stadtrat am vergangenen Donnerstag verwahrte er sich gegen die Behauptung, das Falkenauer Trinkwasser sei ungesund. Das sei unverantwortlich. Geschäftsleiter Ulrich Pötzsch sagt: "Die Nitratwerte sind für Grundwasser nicht überhöht."

Den von Alexander Peukert kritisierten Chlorgeruch kann er sich nicht erklären, rät aber in so einem Fall den Bereitschaftsdienst anzurufen. Dann werde sofort eine Prüfung veranlasst. "Eine Befragung in Falkenau hat keine Wahrnehmung von Chlorgerüchen oder Geschmacksauffälligkeiten ergeben", sagt er. Die automatische Dosieranlage arbeite einwandfrei. Gechlort werde mit einer Menge von 0,2 Milligramm pro Liter und auch nur dann, wenn Wasser ins Netz eingespeist wird.

Die Mehrzahl der etwa 125.000 Einwohner im ZWA-Verbandsgebiet wird mit Trinkwasser aus Talsperren versorgt (Fernwasser), nur etwa ein Viertel bezieht Trinkwasser aus örtlichen Wasserwerken, wie der Thiemendorfer Quelle. Die ist neben der Grundversorgung ein wichtiger Bestandteil der Trinkwasserversorgung im Havariefall ist, so Ulrich Pötzsch.


Quellgebiet mit guter Wasserqualität

Das Thiemendorfer Quellgebiet ist ein lang gezogenes Areal nahe Breitenau. Die Quellköpfe in dieser Trinkwasserschutzzone liegen in einer Tiefe von bis zu 7 Metern. Aus dem Quellgebiet werden 1360 Einwohner versorgt. Der erhöhte Nitratgehalt ist vermutlich auf die landwirtschaftliche Nutzung der umliegenden Flächen zurückzuführen. Die meisten Einwohner im Versorgungsgebiet des ZWA werden mit Talsperren-Fernwasser versorgt. Hier liegt der Nitratgehalt bei 17 bis 23 Milligramm pro Liter.

Nitrat gelangt ins Trinkwasser vor allem durch intensives Düngen oder das Ausbringen von Gülle. Nitrate können im Körper in Nitrit umgewandelt werden. Das reagiert zu Nitrosaminen, die als stark krebserregend gelten. Bei Säuglingen besteht zudem die Gefahr von Atemstörungen, weil Nitrit den Sauerstofftransport stört.

Chlor riecht unangenehm, gilt aber in geringer Konzentration nicht als gesundheitsschädlich. (mbe)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    maxmeiner
    01.12.2015

    Chlor an sich ist geruchsneutral, daß man es riechen kann, dazu gehört ein Indikator - in Freibädern oder öffentlichen Bädern allgemein ist es - Urin! Je stärker der Geruch, um so höher die Konzentration. Also ist die Sorge nicht ganz unberechtigt. Gemäß DVGW (Trinkwasserverordnung) hat selbiges klar, gerunchsneutral, geschmacksneutral und farblos zu sein. Die Versorger sprechen die Grenzwerte für die Einspeisung an, wichtig sind aber die Werte an der Entnahmestelle, was wiederum die Frage nach dem Zustand des Rohrnetzes aufwirft.



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