Erneute Debatte um Konzertlautstärke

In Eigeninitiative sorgen junge Leute in Oederan und Eppendorf dafür, dass es Konzerte und Partys für die Jugend gibt. Doch die Feiern stoßen immer wieder auf Kritik von Anwohnern. In Eppendorf gibt es jetzt einen Kompromiss.

Eppendorf/Oederan.

Die Lautstärke beim Musikfestival "Berlin meets E-Town" war in der jüngsten Sitzung des Eppendorfer Gemeinderates erneut Thema. In den vergangenen Jahren - auch damals, als es noch ein Rockfestival am Freibad gab - beklagten sich Anwohner immer wieder über die Ruhestörung am Festivalwochenende.

Im August soll nun die nächste Auflage des Festivals, bei dem seit einigen Jahren in erster Linie elektronische Musik gespielt wird, stattfinden. Im Rückblick auf das vergangene Jahr bemängelte Gemeinderat Torsten Martin (Freie Wähler), dass auch noch am Sonntag während des Badbetriebs die Bässe aus den Boxen dröhnten. "Ich plädiere dafür, dass am Sonntag auch während des Abbaus die Musik ausbleibt, um die Ruhe der Badbesucher nicht zu stören. Außerdem sollte man sich überlegen, ob es tatsächlich notwendig ist, am Samstag das Festival bei überschaubarer Besucher-Resonanz über 14 Sunden laufen zu lassen. Das sieht übrigens auch der Ältestenrat so", sagte Martin, der sich aber wie alle anderen Räte nicht grundsätzlich gegen das Festival aussprach.

Bürgermeister Axel Röthling (SPD) versprach, dass man gemeinsam mit den Veranstaltern versuchen werde, einen Kompromiss zu finden. Und wie es aussieht, ist das bereits gelungen: Laura Kaden, die "Berlin meets E-Town" aus der Taufe gehoben hat und auch in diesem Jahr wieder organisiert, sagte der "Freien Presse": "Wir werden das Festival am Samstag erst 14 Uhr statt wie bisher 12 Uhr starten. Und am Sonntag werden wir beim Abbau darauf achten, dass es nicht zu laut wird." An den genehmigten Zeiten in der Nacht - am Freitag und Samstag darf es bis 2 Uhr lauter sein - werde man aber nichts ändern. "Das sollte an zwei Tagen im Jahr doch mal zu verkraften sein", sagt Kaden. Sie sieht das Festival mit bis zu 120 Gästen als Erfolg und Bereicherung für die Kulturlandschaft des Ortes. Mit Anwohnerbeschwerden habe Kaden in den vergangenen Jahren eher weniger zu tun gehabt. "Zu uns sind nur ein oder zwei Leute gekommen, mit denen wir dann aber gut reden konnten", sagte sie. "Ansonsten hat sich niemand beschwert."

In Oederan gab es im vergangenen Jahr ähnliche Probleme wegen des "Insect Lounge"-Festivals im Ortsteil Börnichen. Auch dort wird es Freitag- und Samstagabend während der Konzerte mal lauter, die Beschwerde dazu kam von einem Anwohner aus dem 1,5 Kilometer entfernten Oederaner Ortskern. Daraufhin wurde beim Festival im vergangenen Jahr die Lautstärke gemessen. Mit dem Ergebnis, dass die Grenzwerte zu keiner Zeit überschritten wurden. "Auch wir haben im vergangenen Jahr die Lautstärke gemessen und werden das in diesem Jahr wieder tun", sagte Laura Kaden aus Eppendorf. "Mit den Ergebnissen kann man aber nicht wirklich etwas anfangen. Es hängt ja immer auch davon ab, wie gerade der Wind steht", so die Organisatorin von "Berlin meets E-Town".


Kommentar: Nur zwei Tage

Es geht bei den Festivals in Oederan und Eppendorf nicht um das große Geld. Da kommt keine Agentur, lässt es zwei Tage lang krachen und verschwindet dann wieder. In beiden Orten bieten engagierte Einheimische der Jugend zwei Tage im Jahr mal etwas besonderes. Und nicht nur das: Die Organisatoren stellen sich der Kritik, nehmen an den Sitzungen der jeweiligen Stadt- oder Gemeinderäte teil, zeigen Präsenz, gehen Kompromisse ein. Allein deswegen sollten die Anwohner, die sich immer wieder über den Lärm beschweren, auch mal Nachsicht walten lassen. Dass das Argument "Sie waren doch auch mal jung" nicht wirklich zieht, weil die Musik heutzutage oftmals nicht mehr viel mit Musik zu tun hat, mag ja stimmen. Aber lieber mal zwei Tage lang komische Klänge ertragen als eine gelangweilte Jugend, die dauernd Blödsinn baut.

3Kommentare
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  • 0
    1
    Interessierte
    10.02.2020

    Und wenn man nun die Lautstärke zügelt ?

  • 2
    1
    Pedaleur
    10.02.2020

    "Dass das Argument "Sie waren doch auch mal jung" nicht wirklich zieht, weil die Musik heutzutage oftmals nicht mehr viel mit Musik zu tun hat, mag ja stimmen."

    Aha, was soll uns dieser Satz sagen? Dass die ewige Oldies- und Schlager- 3- Akkord- Dauerbeschallung die einzige wahre Musik ist?
    Zu keiner Zeit gab es mehr muskalische Facetten als heute. Vom Singer-/ Songwriter und Independent über technisch und melodisch brilliante Produktionen im elektronischen Bereich bis sogar Max Raabe oder zum Babylon Berlin Soundtrack. Und gerade dieser Satz in Verbindung mit dem Insect Lounge lässt mich tatsächlich staunend zurück!
    Gestern wurde im Radio das Lieblingsstück des The Who- Gitarristen Pete Townshend vorgestellt. Es mich die Schultern zucken, auch im Vergleich zu seiner eigenen Musik. Und es war von Marvin Gaye...

  • 5
    4
    sachsenjunge
    08.02.2020

    Unsere Bevölkerung altert und ist an vielen Stellen nicht kinder-, jugend- und familienfreundlich.



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