Familienherzen schlagen für Feuerwehr

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In Großwaltersdorf wird die Wehr nunmehr in dritter Generation von einem Ranft geleitet. Nach Großvater und Vater hat jetzt der Sohn das Ruder übernommen. Auch die Frauen engagieren sich.

Großwaltersdorf.

In den freiwilligen Feuerwehren der Region ist es sicherlich keine Seltenheit, dass in der Truppe verschiedene Generationen einer Familie aktiv sind. Doch die Großwaltersdorfer Wehr kann mit einer Besonderheit aufwarten. Denn seit 1970 trägt der Wehrleiter den Nachnamen Ranft. Siegfried hatte in der Zeit von 1970 bis 1995 das Kommando inne, ihm folgte sein Sohn Bernd. Dieser trug von 1995 bis 2020 als Chef die Verantwortung. Nunmehr ist Siegfrieds Enkel Dirk der neue Wehrleiter.

"Ich habe einst in der Eppendorfer Jugendfeuerwehr begonnen und trat 2001 in die aktive Truppe meines Heimatortes ein", sagt Dirk Ranft. Der 35-Jährige hat im Laufe der Jahre sämtliche Qualifikationen erworben, um den Posten des Wehrleiters ausüben zu dürfen. In den vergangenen Jahren mischte der Energieelektroniker bereits in der Leitung der Großwaltersdorfer Truppe mit und betätigt sich zudem aktuell als stellvertretender Gemeindewehrleiter. "Früher war ich noch 10 Jahre im Ortschaftsrat aktiv. Doch dieses Ehrenamt habe ich zugunsten der Feuerwehrtätigkeit abgegeben, weil mich diese Aufgabe zeitlich stark in Anspruch nimmt und mir kaum Zeit für weitere Hobbys lässt", sagt der verheiratete Vater eines Kindes.

Als sein mittlerweile verstorbener Großvater noch an der Spitze der Feuerwehr stand, wurde in Großwaltersdorf das Gerätehaus gebaut. Damals wurde zuvor nicht großartig über die Finanzierung, Ausschreibungen und Vergabe von Aufträgen debattiert. Denn die Bauarbeiter waren die Feuerwehrleute selbst. "Das Gebäude entstand in Eigenleistung. Da hat die Mannschaft viel gearbeitet, bis schließlich 1974 der Einzug folgen konnte", erinnert sich Bernd Ranft, der im gleichen Jahr Feuerwehrmann wurde.

Während seiner Amtszeit ging es für die Wehr nicht nur darum, Brände zu löschen. "Wir waren auch bei Hochwasserkatastrophen voll gefordert und leisteten in vielen Fällen technische Hilfeleistungen. Zudem wurde das Gerätehaus saniert", berichtet der 63- jährige Inhaber einer Fahrschule. Zudem ist die Truppe seit 1991 Gastgeber des traditionellen Osterfeuers. Diese Veranstaltung ist im Eppendorfer Ortsteil fester Bestandteil des Veranstaltungskalender und erfreut sich unter der Bevölkerung größter Beliebtheit. 1997 schaffte die Großwaltersdorfer Feuerwehr eine eigene Fahne an, um die Kameradschaft auch optisch zu unterstreichen.

Nach der Wende sei es eine große Herausforderung gewesen, die bestehenden Strukturen den neuen Dienstvorschriften und Gesetzen anzupassen. Dass Bernd Ranft nun das Wehrleiter-Amt abgibt, sei keine kurzfristige Entscheidung gewesen. "Nach 25 Jahren an der Spitze ist es jetzt an der Zeit, die Aufgabe in jüngere Hände zu geben", sagt der bisherige Chef. Er habe sich während seiner Amtszeit immer auf seine Kameradinnen und Kameraden verlassen können. "Wenn es in der Truppe nicht funktioniert, wirst du auch als Wehrleiter scheitern", macht er deutlich. Nicht zuletzt konnte der Großwaltersdorfer dieses Ehrenamt ein Vierteljahrhundert ausführen, da ihm mit Ehepartnerin Marina eine starke Frau zur Seite steht. Sie ist nunmehr ebenfalls seit 25 Jahren bei der Ortsfeuerwehr.

Dass der Nachfolger nun wieder aus der Familie komme, habe sich so ergeben und sei keinesfalls geplant gewesen. "Wichtig sind die persönliche Eignung und die vorhandene fachliche Qualifikation", macht Bernd Ranft deutlich. Sein Sohn Dirk sieht in der weiteren Mitgliedergewinnung eine Hauptaufgabe seiner Tätigkeit. Zwar gehören von 48 Mitgliedern immerhin 27 der aktiven Truppe an. Doch durch Wegzug oder veränderter Interessenlagen gingen der Großwaltersdorfer Wehr in der Vergangenheit einige gute Leute verloren.

Während die technische Ausstattung der Truppe unter anderem wegen des modern bestückten Fuhrparks durchaus sehr gut sei, fehle es akut an Nachwuchs. "Technik allein kann kein Feuer löschen. Wir benötigen dazu auch das erforderliche Personal", sagt Dirk Ranft. Jetzt sei es aus seiner Sicht zunächst extrem wichtig, dass man die Corona-Pandemie bald in den Griff bekommt, damit auch wieder die regelmäßigen Ausbildungsdienste der Brandschützer stattfinden können. "Wir müssen diesbezüglich ständig am Ball bleiben. So stellt uns zum Beispiel der wachsende Markt an Elektrofahrzeugen irgend wann im Einsatzfall vor ganz neue Herausforderungen, denen wir gewachsen sein müssen", macht der neue Chef auf einen künftigen Schwerpunkt aufmerksam.

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