Flöhastrand -beliebt bei Alt und Jung

Seit mehr als 50 Jahren bewirtschaften Anne und Günter Gottsmann einen Garten in der Anlage. Heike Dudschig ist seit 2017 dabei. Wohl fühlen sich alle.

Flöha.

Raik Otto zeigt auf einen Garten, dem man sofort ansieht, dass hier lange keine Harke zum Einsatz kam. "Diese Parzelle haben wir vor ein paar Tagen mit einem neuen Stromanschluss versehen, der neue Pachtvertrag ist unterschrieben. Es dauert nicht mehr lange, bis hier wieder Leben einzieht", sagte der Flöhaer.

Ohnehin kann der 28-Jährige, der seit Mai vergangenen Jahres Vorsitzender der Kleingartenvereins "Am Flöhastrand" ist, mit der Auslastung sehr zufrieden sein. "Unsere Anlage zählt 280 Gärten, davon stehen nur sechs leer. In diesem Jahr wurden 15Parzellen neu vergeben", sagt Otto, der selbst ebenfalls einen kleinen Garten bewirtschaftet. Der Kleingartenverein hat in diesem Jahr Grund zum Feiern, denn ihn gibt es seit nunmehr 90 Jahren.

Anne Gottsmann und ihr Mann Günter Gottsmann zählen zu den alteingesessenen "Flöhasträndlern". Sie zogen Anfang der 60er-Jahre nach Flöha und bewarben sich um einen Garten in der Anlage. "Im Herbst 1962 schauten wir uns die wenigen leerstehenden Gärten an. Schließlich fiel die Wahl dann auf das Stück Erde, das wir noch heute nutzen, auch wenn es damals völlig mit Unkraut überzogen war. Als Ablöse musste wir weniger als 100Mark zahlen, andere Gärten waren teurer", erinnert sich Anne Gottsmann.

Schließlich wurde aufgeräumt, Beete wurden angelegt, später ein Brunnen gegraben. In den folgenden Jahren wurde der rund 210Quadratmeter große Garten intensiv bewirtschaftet, das Obst von vielen Bäumen geerntet. "Damals mussten wir ja noch samstags arbeiten. Im Sommer ging es dann praktisch aus dem Betrieb jeden Tag sofort hierher" blickt Günter Gottsmann zurück.

Natürlich war die kleine Scholle auch stets Verpflichtung. Der Garten musste in Ordnung gehalten werden. "Wir haben es aber die gesamten 56 Jahre nicht bereut, damals diese Entscheidung getroffen zu haben", ist sich das Paar sicher. Der Komfort hielt sich in den Anfangsjahren in Grenzen. "Bei uns lag zum Beispiel noch kein Strom an. Deshalb wurde zum Beispiel für die Essen-Zubereitung ein Spirituskocher verwendet", sagt Anne Gottsmann. Sie wollen ihren Garten auch künftig nutzen, schließlich schmecken nach wie vor die selbst angebauten Gurken und Tomaten viel besser als die aus dem Supermarkt.

Heike Dudschig ist mit ihrer Familie ein jüngeres Vereinsmitglied. Sie besitzt erst seit Sommer 2017 einen Garten. Dass ihre Eltern am Flöhastrand ebenfalls ihr Kleinod bewirtschaften, habe nicht unbedingt zur Entscheidung beigetragen. "In erster Linie haben wir uns den Garten angeschafft, damit unsere beiden Kindern anschaulich verfolgen können, was man alles tun muss, bevor die Früchte reifen", sagt die zweifache Mutter.

Im Garten sei es möglich, den gesamten Weg von der Aussaat bis zur Ernte hautnah zu verfolgen. Dabei stehen beim Nachwuchs insbesondere Erdbeeren hoch im Kurs. Nach der Übernahme des Gartens wurden zum Beispiel Beete angelegt, dabei aber nichts übers Knie gebrochen. "Wir verfügen über einen kleinen Bungalow mit Küchenecke und gestalten alles nach und nach. Es gibt konkrete Pläne, wie wir unseren Garten weiter gestalten wollen, schließlich möchten wir ihn langfristig nutzen", sagt Heike Dudschig. Dabei müssen sie sich wie die anderen Vereinsmitglieder aber an die Satzung halten. "Darin ist zum Beispiel geregelt, zu welchen Zeiten Rasen gemäht werden darf. Zudem steht darin, dass die Errichtung von Gartenteichen durch den Vorstand genehmigt und der Außenzaun auf Kosten des Pächters instand zu halten ist", sagt Raik Otto.

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