Forscher tüfteln an Alternative

Algen rücken Arznei im Abwasser zu Leibe

Freiberg.

Chemiker und Mineralogen der TU Bergakademie sowie Umwelttechniker der TU Dresden forschen gemeinsam an einem wirtschaftlichen Verfahren, um Arzneimittelrückstände, Weichmacher und weitere für Mensch und Tier schädliche Substanzen aus dem Abwasser zu beseitigen. Das dreijährige Forschungsvorhaben wird von der Sächsischen Aufbaubank mit 730.000 Euro gefördert, teilt Madlen Domaschke, Pressesprecherin der Freiberger Uni, mit.

Konkret gehe es um endokrin wirkende Chemikalien - kurz EDC. "Das sind Substanzen, die das hormonelle System von Menschen und Tieren beeinflussen sowie Veränderungen in der Reproduktionsbiologie bewirken", heißt es in der Pressemitteilung. EDC würden mit erhöhtem Krebsrisiko und nicht mehr rückgängig zu machenden Fehlentwicklungen, insbesondere während der embryonalen und kindlichen Entwicklung, in Zusammenhang gebracht.

Auch der Mensch kommt demnach auf vielen Wegen mit EDC in Berührung: über Kunststoffe in Lebensmittelverpackungen und Wasserleitungen, über Agrarchemikalien als Rückstände in Lebensmitteln sowie über Medikamentenrückstände in Abwässern aus Haushalten und Krankenhäusern. Da die EDC in kommunalen Kläranlagen nur unzureichend aus dem Abwasser entfernt werden, gelangten sie auf Umwegen ins Grundwasser oder würden durch Klärschlamm in den Boden eingebracht.

"Wir forschen an einer kostengünstigen und gleichzeitig effektiven Alternative zur Eliminierung von EDC, also den endokrin wirkenden Chemikalien, die für Mensch und Tier gesundheitsschädlich sind und Krebs verursachen können", erklärt Professor Martin Bertau von der Bergakademie: "In unserem Verfahren verwenden wir den natürlich vorkommenden Rohstoff Alginit. Dieser soll die EDC im Abwasser adsorbieren und kann durch Wiederaufbereitung mehrfach verwendet werden." (bk)

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