Freizeitspaß mit Verfallsdatum

Schluss mit Rabatten bei Eintritt und Nahverkehr: Der Tourismusverband Erzgebirge stellt zum Ende des Jahres die Erzgebirgscard ein. Neues EU-Recht würde den Verkauf erschweren.

Augustusburg/Oederan.

Helmar Haupt ist sauer. "Wir haben das Angebot der Erzgebirgscard jedes Jahr genutzt, weil wir bequem mit Bus und Bahn unsere Ziele im Erzgebirge erreichen konnten", sagt der "Freie Presse"-Leser aus Augustusburg. "Nun wird das Angebot zum Jahresende eingestellt. Wo bleibt da die Tourismusförderung?"

Die Vier-Tageskarte (Motto: 100-mal Freizeitspaß erleben) etwa ermöglicht es einem Erwachsenen zum Preis von 37 Euro, an vier frei wählbaren Tagen im Jahr je einen Ausflug zu unternehmen. Für Kinder von 6 bis 14 Jahren kostet dieses Angebot 23 Euro. "Der Tagesausflug etwa mit Erzgebirgsbahn, Dampfzug nach Oberwiesenthal und Fichtelberg-Schwebebahn schlug so mit 9,25 Euro pro Erwachsenem zu Buche", erklärt Helmar Haupt. Auch Warmbad und das August-Horch-Museum Zwickau habe er besucht. Seine Frau und er kauften jährlich je eine Card. Für ein Enkelkind bis sechs Jahre gibt es die Zwergencard gratis.

Nicht nur Ziele im Erzgebirge können mit dieser Kaufkarte kostengünstig angesteuert werden. Freien Eintritt gibt es damit auch im Museum in Oederan, im Augustusburger Freizeitzentrum und im Schloss Lichtenwalde. Im Schlossmuseum Augustusburg ermöglicht die Card ebenfalls einen Gratis-Besuch. Und bei der Drahtseilbahn Augustusburg gibt es gegen Vorlage der Karte eine freie Berg- und Talfahrt.

"Der Vorstand des Tourismusverbandes Erzgebirge hat nach eingehender Diskussion entschieden, die Erzgebirgscard zum 31. Dezember 2018 einzustellen", bestätigt Doreen Burgold, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Verband. "Nach 15 Jahren Projektlaufzeit ist das für alle Beteiligten eine sehr schwere Entscheidung. Der Verkauf der Karte funktioniert nur mit den zahlreichen Verkaufsstellen." Circa 150 Partner bieten die Karte an, darunter Touristinformationen, Fremdenverkehrsämter, Akzeptanzstellen und Hotels.

Hintergrund der Einstellung ist das am 1.Juli 2018 in Kraft getretene neue EU-Pauschalreiserecht. "Dies besagt, dass bei Kombination von mindestens zwei verschiedenen Reiseleistungen eine Pauschalreise vorliegt", so Burgold. "Die Erzgebirgscard kombiniert die kostenfreien Eintrittsleistungen mit einer Transportleistung in Form der kostenfreien Nutzung des ÖPNV. Damit ist die Erzgebirgscard automatisch ein Pauschalangebot." Dies wäre nur zu umgehen, würde man den ÖPNV als Leistung herausstreichen. "Das würde jedoch aus Gastsicht einen enormen Rückschritt bedeuten und die Attraktivität der Karte erheblich senken", so der Verband.

Die Erzgebirgscard verstoße nicht gegen das EU-Pauschalreiserecht. Doch dieses mache den Verkauf schwieriger und bürokratischer. So müsste der Veranstalter, also der Tourismusverband, pro Card auch einen Sicherungsschein sowie ein Formular ausgeben. Um rechtskonform zu arbeiten, bekamen alle Verkaufsstellen Ende Juni die entsprechenden Papiere. "Jedoch haben uns viele Partner bereits signalisiert, dass sie die Karte nicht mehr verkaufen wollen", so Burgold. Gründe seien der mit der Richtlinie verbundene Mehraufwand sowie eine gefühlte rechtliche Unsicherheit infolge des neuen Reiserechts. Es zeichne sich ab, dass der Kartenverkauf stark rückläufig sein werde und damit die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist, sagt Doreen Burgold.

"Wir finden die Einstellung sehr schade", sagt Sonja Reupert von der Stadtinformation Oederan, die die Card auch verkauft. "Leute werden erst aufmerksam, wenn etwas verschwindet."

2017 konnten 5321 Erzgebirgscards an die Frau und den Mann gebracht werden. Bürger nutzten diese 32.602 Mal. Für den Tourismusverband bringt die Einstellung keine finanziellen Einbußen. "Die Einnahmen aus dem Projekt und die Ausgaben, unter anderem für den Systembetrieb, die Freizeitführer und Marketingmaßnahmen gleichen sich aus", sagt die Pressesprecherin. "Die Einstellung des Projektes Erzgebirgscard hat somit auf unsere wirtschaftliche Gesamtsituation keinen Einfluss."

Bislang hat der Verband nach eigenen Angaben nur seine Partner über das Aus der Card informiert. Deren Nutzer erfuhren bis gestern Nachmittag auf der Homepage lediglich, dass ihre Karten nur bis 31. Dezember 2018 gültig seien. "Aus unserer Sicht ist dies als Erstinformation für den Endkunden ausreichend", meint Doreen Burgold.

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