Für einen Startschuss bis ans andere Ende der Welt

Familie Geilert hat sich dem Ausdauerdreikampf verschrieben. Doch das wird bei der Reise nach Australien nicht die einzige Herausforderung sein.

Erdmannsdorf.

Ob Familie Geilert im Urlaub wohl Zeit für den Liegestuhl haben wird? Falls doch, dann wird es bei einem kurzen Probesitzen bleiben. Am Montag starten Steffi und Bernd Geilert sowie ihr Sohn Moritz Geilert und seine Freundin Mandy Rosenfeld nach Australien, wo die Geilerts am 24. November beim Triathlon 70.3 in Sydney starten. Es ist nach Bahrain und Brasilien der dritte große internationale Triathlonwettkampf, den die Familie bestreitet.

Obwohl alle drei gut vorbereitet sind, schauen sie kurz vor der Abreise mit Sorge nach Australien. Denn die katastrophalen Buschbrände an der Ostküste bedrohen inzwischen auch die Metropole Sydney. Im Bundesstaat New South Wales wurde der Notstand ausgerufen, Schulen geschlossen und zahlreiche Menschen evakuiert. "Es kann natürlich passieren, dass der Wettkampf abgesagt wird", sagt Steffi Geilert, die sich von den TV-Bildern betroffen zeigt.

Ein 70.3-Triathlon umfasst die Hälfte der Distanzen eines Ironman-Wettkampfes - also 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und ein Halbmarathon über 21,1 Kilometer. Die Summe dieser drei Distanzen ergibt exakt 70,3 Meilen, deshalb der Name Triathlon 70.3. Es gibt eine weltweite Serie mit etwa 90 Wettkämpfen. Im Vorjahr wurde der deutsche Triathlon-Held Jan Frodeno Gesamtsieger und damit Weltmeister.

Zehn Wochen lang haben sich Steffi (58) und Bernd Geilert (62) mit einem Trainingsplan auf den sportlichen Höhepunkt vorbereitet. Immer wieder Schwimmen, Radfahren, Laufen - lange und kurze Distanzen, schnelles oder langsames Tempo. Gerade jetzt, in der kalten und dunklen Jahreszeit, kostet es mitunter Überwindung, die Laufschuhe zu schnüren oder aufs Fahrrad zu steigen. Wie ihr Sohn Moritz trainiert, weiß Steffi Geilert nicht. "Der braucht mit seinen 31 Jahren nicht so viele Trainingsumfänge", sagt die Mutter schmunzelnd. Moritz' Freundin Mandy Rosenfeld wird zwar nicht beim Wettkampf starten, aber sie sei eine unverzichtbare Betreuerin, sagt Steffi Geilert, die als Bauleiterin in einem Architektur- und Planungsbüro arbeitet.

Während die 1,9 Kilometer Schwimmen zum Auftakt des Ausdauerdreikampfes für die ehemalige Leistungsschwimmerin ein leichtes Spiel sind, sei dieser Abschnitt für ihren Mann die schwierigste Einheit. Steffi Geilert fürchtet sich eigentlich nur vor einem technischen Defekt am Fahrrad. "Ich kann einen Schlauch wechseln, aber ich würde dabei wohl sehr viel Zeit verlieren", sagt sie. Apropos Zeit: Eine konkrete Zielstellung gibt ebenso wenig wie einen internen Familienwettstreit. Moritz Geilert dürfte sowieso als erster ins Ziel laufen, schätzt seine Mutter. Der Rest wird sich zeigen. "Wir sind zwar ehrgeizig, aber nicht verbissen", sagt Steffi Geilert. Sechseinhalb Stunden Wettkampfzeit peilt sie an. Die Sieger dürften nach etwa 3:30 Stunden ins Ziel kommen.

Seit 2016 hat sich die seit jeher sportliche Familie dem Triathlon verschrieben. Der Hamburg-Triathlon steht seither alljährlich im Wettkampfkalender und die internationale Premiere war 2017 in Bahrain. Der Wüstenstaat wird von einer sportbegeisterten Königsfamilie geführt, deren Engagement indes kritisch gesehen wird, weil Menschenrechtsverletzungen in Bahrain zum politischen Alltag gehören. Im Vorjahr startete Familie Geilert in Rio de Janeiro, wo Moritz Geilert am Wettkampftag seinen 30. Geburtstag feierte. "Wir wollen immer einen Wettkampf mit einem interessanten Reiseziel verbinden", sagt Steffi Geilert.

Abseits des sportlichen Wettkampfes gibt es für die zwei Wochen Australien auch schon ein paar Programmpunkte. Neben der Millionenmetropole Sydney wollen die Geilerts als passionierte Bergsteiger die Blue Mountains erkunden und vielleicht auch einen Koala-Bären sehen. Denn das possierliche Beuteltier hat Mitschuld am aktuellen Reiseziel. "Ich hatte vor ein paar Jahren beruflich im Leipziger Zoo beim Bau des Koala-Hauses zu tun und will seither einen Koala in freier Natur sehen", sagt sie. Spätestens mit dieser Zielstellung steht fest, dass der Liegestuhl verwaist bleiben wird.

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