Gegen den blauen Dunst an Haltestellen

In Wartebereichen von Bus und Bahn soll nicht mehr geraucht werden. Das ist das Ziel einer neuen Kampagne. Doch darf der Verkehrsbetrieb die Zigarette verbieten?

Chemnitz.

Auf dem Boden der Haltestelle liegen ungezählte Kippen, zwischen den Fahrgastunterständen an der Theaterstraße steht ein Mann und raucht eine Zigarette - ein normales Bild an einer Haltestelle in Chemnitz. Geht es nach dem städtischen Nahverkehrsunternehmen CVAG, soll dieses Bild irgendwann verschwinden.

Mit dem Betreiber der meisten Fahrgastunterstände in der Stadt, der Firma Ströer, hat die CVAG eine Aktion gegen den Griff zum Glimmstengel entwickelt. Dabei soll insbesondere unter den Fahrgastunterständen nicht mehr geraucht werden, erklärte CVAG-Vorstand Jens Meiwald.

Am Mittwoch ist an der Haltestelle Theaterstraße die Kampagne "Frischhaltestelle" gestartet worden. An einem Fahrgastunterstand wurde ein Aufkleber mit dieser Bezeichnung angebracht. Hinzu kommen Sprüche wie "Ohne Stummel auf dem Boden sieht es hier irgendwie nach Haltestelle aus." Sie sollen für eine rauchfreie Haltestelle werben. Weitere fünf der am stärksten frequentieren Haltestellen der Stadt werden ebenfalls als "Frischhaltestelle" markiert, etwa die Zentralhaltestelle.

Doch auch an allen anderen der 500 Fahrgastunterständen soll das Rauchen künftig unterbleiben. Sie werden mit einem kleinen Aufkleber ausgerüstet. "Danke, dass Sie hier nicht rauchen", heißt es dort in Deutsch und Englisch. Man erhoffe sich, dass Raucher mehr Rücksicht auf Nichtraucher nehmen, sagte Jens Meiwald. Kunden sagten immer wieder, dass sie sich von Rauchern belästigt fühlten, so Meiwald. "Sie fordern uns auf, das Rauchen an den Haltestellen zu verbieten."

Jedoch sei den Initiatoren bewusst, dass es kaum Möglichkeiten gibt, das Rauchen im öffentlichen Raum zu sanktionieren, so Meiwald. Anders als etwa in Restaurants, wo Rauchen untersagt ist, darf im öffentlichen Raum die Zigarette angezündet werden. "Wir hoffen auf Rücksicht und Einsicht der Raucher", sagt CVAG-Sprecher Stefan Tschök.

Dass die CVAG mit der Kampagne einen Nerv ihrer Nutzer trifft, zeigte sich am Mittwoch vor Ort. Noch während Jens Maiwald die Aktion an der Haltestelle Theaterstraße vorstellte, kam von einer Bahnnutzerin eine erste lautstarke Zustimmung.

Kein Rauch mehr an Haltestellen, "das wäre herrlich", rief sie. Doch sie mahnte, die Aktion, die die CVAG 8000 Euro kostet, auf alle Haltestellen der Stadt auszuweiten, "in Hutholz wäre sie auch nötig", sagte die Frau, bevor sie in eine Bahn stieg.

Chemnitz nehme mit der Aktion eine Vorreiterrolle ein, sagte Maria Garbe, Niederlassungsleiterin der Firma Ströer für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. "Die Stadt ist eine der wenigen der Region, die sich darum bemüht, dass an Haltestellen nicht mehr geraucht wird."

"Die Aktion finde ich hervorragend, es sind ja viele Kinder mit Bus und Bahn unterwegs", sagte ein Fahrgast, der selbst nicht raucht.

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