Hinausposaunt: 60 Jahre Blech - und eine metallene Kugel

Im Zug der Turmsanierung an der Kirche in Erdmannsdorf soll ein Geheimnis gelüftet werden. Zuvor feiert der Posaunenchor Geburtstag. Und zwar mit einem großen Fest - trotz so mancher Sorgenfalte.

Erdmannsdorf.

Wie Efeu am Baum umrankt ein Gerüst den Turm der Erdmannsdorfer Trinitatiskirche fast bis zur Spitze. Die Bauarbeiten am Kirchturm sind weithin sichtbar. Pfarrer Uwe Winkler ist mit den Sanierungsarbeiten zufrieden. "Das geht zügig voran", stellt er fest. Winkler rechnet damit, dass der Turm bis zum Sommer fertig saniert ist. Dafür dient das Gerüst rund um den Turm. Sobald es die sicherheitstechnische Prüfung am 11. Mai überstanden hat, kann die Arbeit beginnen.

Während die Handwerker daran gehen, die Fassade neu zu verputzen und das Schieferdach zu reparieren, finden am Wochenende vom 12. bis 14. Mai die Jubiläumsfeiern rund um den Posaunenchor in der Kirche statt. Das Ensemble feiert sein 60-jähriges Bestehen. "Das ist eine wunderbare Sache. In dem Posaunenchor können die Menschen ihre Talente entfalten", sagt Pfarrer Winkler. Er freut sich auf das Jubiläum.


Die Arbeiten am Turm störten die Feiern dabei nicht, erklärt Klaus Hiller. Er leitet den Posaunenchor seit 43 Jahren. Da hat er schon einiges erlebt, so am Kirchentag in Leipzig 1978, als die Bläser in Zimmermannskleidung spielten. Ein weiterer Höhepunkt war der Deutsche Evangelische Kirchentag 1993 im Münchner Olympiastadion, mit zirka 10.000 Bläsern. Hiller erwartet die Feiern mit Freude, denn "dann werden wir Bläser uns im neuen Outfit präsentieren", sagt der Erdmannsdorfer.

Überraschendes blüht bei der Instandsetzung des Turms auch Pfarrer Winkler. Da das in Schieflage geratene Kreuz samt Kugel abmontiert wird, kann der Geistliche wohl bald einen Blick in die Kugel werfen. Doch darin ist nicht etwa die Zukunft zu lesen, sondern ein Stück Vergangenheit. Die Kugel enthält wahrscheinlich Zeitzeugen in Form alter Münzen und Dokumente aus der Zeit von 1893, als die Kirche geweiht wurde. "Wir sind gespannt, was genau wir in der Kugel finden. Dann wird sie neu befüllt", erklärt Winkler. Als neue Füllung dienen dann Zeitzeugnisse von heute. Wann das geschieht, ist noch offen.

Auch Klaus Hiller ist froh über die Sanierung des Turms. "Das ist ein Wahrzeichen hier und sorgt für Leben im Ort. Ich freue mich, dass der Turm bald in neuem Glanz und heller Farbe erstrahlen wird." Früher sagte man, so fährt er fort: "Die Kirche gehört in den Ort."

Doch wenn er an die Zukunft denkt, erscheint ihm die eher trüb. "Der Beruf zerstört die Vereinsarbeit", sagt der Leiter des Posaunenchors und ergänzt: "Die Leute fahren weit weg zur Arbeit. Früher haben sie im selben Ort gearbeitet und gelebt." Die Menschen hätten weniger Zeit, um sich abends noch in einem Verein zu engagieren, so Hiller. Außerdem mangele es an der Bereitschaft zur Bindung. Doch in die Gemeinschaft eines Vereins müsse man reinwachsen, "da kann man nicht ab und zu mitmachen, man muss von Anfang an dabei sein", ist der Erdmannsdorfer überzeugt.

Den Auftakt der Jubiläumsfeier zum 60-jährigen Bestehen gestaltet das Blechbläserquintett "C-Brass" aus Chemnitz am Freitag, 12. Mai, ab 19.30 Uhr. Die seit 17 Jahren praktizierenden Bläser versprechen eine Vielfalt der Töne zwischen Tuba, Trompete und Bariton. Tags darauf übernimmt der Posaunenchor. Unter dem Motto "Blech in Takt" bietet das Erdmannsdorfer Ensemble samt Verstärkung Kompositionen von Ohrwürmern bis Kirchlichem am Samstag, 13. Mai ab 17 Uhr. Der Festgottesdienst zum Abschluss findet am Sonntag, 14. Mai, ab 10 Uhr statt.


Sanierung des Turms der Trinitatiskirche kostet 400.000 Euro

Die Sanierung des Kirchturms der evangelisch-lutherischen Kirche in Erdmannsdorf bedarf eines Gerüsts. Dieses ist fast fertig gestellt. Dann können die Handwerker mit ihrer Arbeit an der maroden Fassade beginnen. Insgesamt 400.000 Euro kosten die Sanierungsarbeiten. Die evangelische Landeskirche steuert 100.000 Euro bei. 130.000 Euro stammen vom Denkmalschutz und auch der Bund fördert die Instandsetzung mit 70.000 Euro. Dabei sollen auch das Schieferdach und das schiefe Turmkreuz repariert werden. Auch die Schalllochverkleidungen an den Turmglocken wird verjüngt. Die Arbeiten sollen bis Sommer diesen Jahres andauern. Den Gottesdienst stören die Arbeiten nicht. Die Kirche wird normalerweise nur am Sonntag genutzt, wenn die Arbeiten ruhen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...