Hohenfichte: Ist der Zug hier abgefahren?

Der alte Bahnhof verfällt und wird mehr und mehr zu einer Gefahrenquelle. Von den Umbauplänen der Besitzer des Gebäudes ist nichts zu spüren. Das will man so nicht hinnehmen.

Hohenfichte.

Den Mietern des großen Wohnblocks, der an der Bahnhofstraße in Hohenfichte steht, bietet sich kein schöner Anblick. Denn sie schauen Tag für Tag unweigerlich auf das Gebäude des ehemaligen Bahnhofes, oder besser gesagt darauf, was davon übrig geblieben ist. "Was ist nur aus unserem Bahnhof geworden? Es ist schon vorgekommen, dass Holzbalken oder Stücke des Daches auf die Straße gefallen sind und wir das weggeräumt haben", erzählt eine Rentnerin und schüttelt den Kopf.

Tatsächlich hat der Zahn der Zeit dem Gebäude arg zugesetzt. Teile der Dachkonstruktion sind bereits eingefallen, insgesamt stellt der Bau eine Gefährdung dar, da er unmittelbar an Straße und Bahnsteig grenzt. Fensterscheiben wurden im Laufe der Zeit eingeschlagen, Türen vernagelt.

Zu seiner jüngsten öffentlichen Sitzung hat sich der Gemeinderat Leubsdorf wieder einmal intensiv mit dem Gebäude beschäftigt. Wie Bürgermeister Dirk Fröhlich (CDU) mitteilte, ist das Bauwerk im Jahr 2017 von zwei Privatpersonen aus Berlin gekauft worden. "Damals hatten sie Umbaupläne in Aussicht gestellt, haben diese aber nicht angepackt", sagte das Gemeindeoberhaupt. Derzeit weiß niemand im Dorf, wie es weitergehen soll. Eine schriftliche Anfrage der "Freien Presse" an die Besitzer, die über die Gemeinde übermittelt wurden, blieb unbeantwortet.

Zunächst diskutierte der Gemeinderat die Abgabe eines Kaufangebots für die Immobilie, um so handlungsfähig zu werden. Doch diese Idee wurde letztlich verworfen. "Die Besitzer haben angekündigt, sich mit uns noch einmal an einen Tisch zu setzen und ihre Pläne zu erläutern. Wir werden jedoch darauf dringen, dass dieses Gespräch zeitnah stattfindet. Außerdem werden wir zu diesem Termin das Landratsamt Mittelsachsen mit einladen. Schließlich steht das Haus unmittelbar an einer Kreisstraße", erläuterte der Bürgermeister.

Sicherlich sei es für einen Investor nicht einfach zu investieren, da der Bahnhof Hohenfichte unter Denkmalschutz steht. Das allerdings stößt nicht nur bei Bürgermeister Dirk Fröhlich auf Verwunderung: "Der Bahnhof in Leubsdorf ist baugleich und steht nur ganz wenige Kilometer entfernt - der hat jedoch diesen Status nicht."

Das Leubsdorfer Gebäude befindet sich ebenfalls in Privatbesitz, ist aber in einem deutlich besseren Zustand. Beide Bauwerk stehen an der Bahnstrecke Flöha-Reitzenhain. Diese wurde im Februar 1875 in Betrieb genommen und führte zeitweise sogar bis ins tschechische Komotau. Seit einigen Jahren verkehren die Züge bis Chemnitz und enden in Marienberg. Die Strecke wird seit 2001 von der Erzgebirgsbahn betrieben. Züge fahren regelmäßig, somit ist auch ständig Publikumsverkehr. Um den Bahnsteig zu erreichen, muss man unweigerlich an dem verfallenden Gebäude vorbei.

Der Zustand des Bahnhofs ist auch seit langer Zeit ein Dauerthema im Ortschaftsrat Hohenfichte. "Wir müssen jetzt einen gewissen Druck aufbauen. Sonst vergeht wieder sehr viel Zeit, ohne dass etwas passiert. Ich werde auf jeden Fall dran bleiben", sagte Ortsvorsteherin Gabriele Uhlig auf Anfrage der "Freien Presse".

Sie sieht nicht nur akute Gefahren, wenn Personen unbefugt ins Innere des ehemaligen Bahnhofes eindringen sollten. "Wenn etwas runterfällt, kann es schnell passieren, dass Reisende auf dem Bahnsteig verletzt werden. Dieser Zustand muss sich möglichst schnell ändern", fordert Uhlig. In Hohenfichte will man sich gar nicht ausmalen, was alles passieren könnte, wenn es im Winter viel schneien sollte. Einer dicken Schneedecke hält das kaputte Dach nicht mehr stand.

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