Ihre Werkstatt ist voll Fantasie

Die Volkskunstschule Oederan feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Die "Freie Presse" stellt einige Künstler und Kursleiter vor. Heute: Sybille Glöß.

Oederan.

Ganz oben, in der hintersten Ecke des einstigen Spitals, treffen sich die jüngsten Kursteilnehmer der Volkskunstschule. Es sind die "Kleinen Künstler" im Alter von zwei bis fünf Jahren, die hier spielerisch unter der Anleitung von Sybille Glöß ihre ersten "künstlerischen" Schritte machen. "Sie lernen verschiedene Materialien kennen, versuchen sich erstmals mit Pinsel und Farben, arbeiten mit Filzwolle oder Styropor", sagt Sybille Glöß, die seit 2011 in der Volkskunstschule angestellt und für die Frühförderung zuständig ist und noch weitere Kurse leitet.

Sechs- bis Achtjährige kommen in ihre "Fantasiewerkstatt", Kinder ab acht Jahren können im Kurs "Mit Nadel und Faden" schöpferisch tätig werden. Immer geht es der Mutter von drei Söhnen darum, Kreativität und Begeisterung zu wecken, erste künstlerische Grundlagen zu schaffen. "Kinder sind offen und ehrlich, lassen sich super begeistern, probieren sich gern aus. Ich möchte ihnen gern all das zeigen, was bei uns in der Volkskunstschule möglich ist. Vielleicht wollen sie ja später einmal einen der Kurse belegen." Sybille Glöß, 46 Jahre, wuchs im damaligen Karl-Marx-Stadt auf. In ihrem Elternhaus wurde immer geklöppelt und genäht, oder es wurden Brettchen gebrannt. Nicht zuletzt um die schmale Haushaltskasse aufzubessern, erzählt sie. "Am schönsten war für mich schlechtes Wetter, dann konnte man basteln oder sich mit Handarbeiten die Zeit vertreiben." Langweilig war es dem Mädchen aber nie. Sybille rezitierte und sang in der Singakademie bei Peter Müller-Sybel auch Solopartien, was wiederum zur Musikschule und Auftritten im Musical "Wasserkristall" von Reinhard Lakomy führte. Ihren Traum vom Schauspiel- und Gesangsstudium musste Sybille Glöß indes begraben. "Angeblich wegen fehlender Charaktereigenschaften", sagt sie mit einem sanften Lächeln. "Man bekniete mich regelmäßig an der Schule: Ich sollte Lehrerin werden." Stattdessen lernte sie Damenmaßschneiderin in der PGH "Elegant" in Karl-Marx-Stadt, schulte nach deren Schließung in den 1990er-Jahren, als die Stadt wieder Chemnitz hieß, zur Bürokauffrau um, wurde dann vor rund 15 Jahren eine der ersten Tagesmütter in Memmendorf, wohin die inzwischen gegründete Familie 2001 gezogen war, und bildete sich zur Gemeindepädagogin fort. Als solche arbeitete sie in der Kirchgemeinde Niederwiesa, eine Zeit lang nebenher zum Job bei der Volkskunstschule, wo es ja keine Vollzeitstellen gibt.

Auch in dem alten Haus in Memmendorf trifft man allerorten auf Sybille Glöß' Kreativität. Sie arbeitet mit Wolle und Papier, bastelt Puppen und entwirft Kleidungsstücke, und sie hat eine Bibelserie für Kinder gestaltet.

Derzeit bestimmen aber vor allem die Veranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen der Volkskunstschule ihren Alltag. Sie hat die Exponate für eine Ausstellung von Kinderarbeiten in der Galerie Einhorn in Dresden ausgewählt, arbeitete an der Sonderausstellung mit, die am Sonnabend im Oederaner Museum eröffnet worden ist. Sie wird bei der Aktion "Kunst offen" dabei sein, eine Sommerwerkstat leiten und ... Sybille Glöß ist angekommen. "Die Volkskunstschule", sagt sie, "die Volkskunstschule ist ganz meins."

Mehr Beiträge zum Jubiläum der Volkskunstschule Oederan finden Sie im Internet. www.freiepresse.de/vks

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