Keine Miete gezahlt: "Roma" wieder zu

Viele Betreiber haben in dem Restaurant am Markt in Oederan vergeblich ihr Glück gesucht, sogar ein Fernsehkoch wurde geholt. Die letzte Neueröffnung ist keine zehn Monate her - doch auch dieser Versuch ist jetzt gescheitert.

Oederan.

Das ging nicht lange gut. Keine zehn Monate nach der Wiedereröffnung des "Roma" am Markt in Oederan ist das Restaurant schon wieder geschlossen. Vor wenigen Tagen musste der Betreiber die Schlüssel für die Räumlichkeiten in bester Lage an die Stadtverwaltung übergeben. "Wir mussten handeln", sagt der Oederaner Hauptamtsleiter Kevin Thiele. "Es gab Mietrückstände in vierstelliger Höhe." Für die "Freie Presse" war es nicht möglich, Kontakt zum Betreiber herzustellen.

Die Stadt als Besitzer der Immobilie, zu der im Obergeschoss auch der Bürgersaal gehört, hatte im vergangenen Jahr kräftig investiert, um das Restaurant wieder zu einem beliebten Ausflugsziel zu machen. In den Kellerräumen wurde die Bowlingbahn umfassend saniert. Nach einem Wasserschaden war die Anlage lange Zeit nicht nutzbar, im Frühjahr 2018 waren die Umbaumaßnahmen abgeschlossen. Für den neuen Betreiber des "Roma" sollte das ein großer Trumpf werden. "Wir hoffen, dass sich schnell herumspricht, dass es in Oederan eine schöne Bowlingbahn gibt", sagte der Betreiber kurz nach der Eröffnung im Mai vergangenen Jahres.

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Gemeinsam mit einem Geschäftspartner wollte der Mazedonier, der nach eigenen Angaben seit mehr als 25 Jahren in der Gastronomie tätig ist, das Restaurant samt Bowlingbahn zu neuen Erfolgen führen. "Uns wurde gesagt, dass es in der Stadt viele zahlungskräftige Kunden gibt, also haben wir zugeschlagen", sagte er im Juni vergangenen Jahres. Er sei sich aber auch bewusst, dass es keine leichte Aufgabe werden würde, fügte er an.

Und er sollte Recht behalten. "Wir haben seit einigen Monaten keine Mietzahlungen mehr erhalten und sind mit dem Betreiber des Restaurants in Kontakt getreten, um eine Lösung zu finden", sagt Hauptamtsleiter Kevin Thiele. "Leider waren aber alle Bemühungen umsonst, Ende März mussten wir reagieren und die Schließung veranlassen." Von der Stadt hatte der Betreiber noch etwas Zeit erhalten, das Restaurant zu räumen. Jetzt soll eine Werbeaktion starten, um die Räumlichkeiten wieder vermietet zu bekommen. "Wir wollen über verschiedene Medien versuchen, einen neuen Betreiber zu finden", sagt Thiele. Die Bowlingbahn vorerst in Eigenregie und unabhängig vom Restaurant zu betreiben, sei keine Option. "Auch diese Idee hatten wir, mussten sie verwerfen. Denn es gibt nur einen Zugang zur Bowlingbahn, und der führt durch das Restaurant."

Thomas Kruse, Vorsitzender des Oederaner Gewerbevereins, zeigte sich sehr enttäuscht von der neuerlichen Schließung des Gasthofes am Markt. Er hatte sich vor sieben Jahren intensiv bemüht, dass die Betreiber des italienischen Restaurants "Amici" in Freiberg auch die Gaststätte in Oederan übernehmen. "Leider hat das auch nicht allzu lange angehalten", sagt Kruse. "Wir alle wissen nicht genau, warum die Betreiber immer wieder scheitern. Aber wir sollten jetzt nicht jammern, sondern versuchen, so schnell wie möglich wieder Leben in die Räume zu bekommen. Schließlich ist unser Markt das Tor zur Stadt."

Hauptamtsleiter Kevin Thiele sieht das genauso. Und er ist auch weiterhin bereit, den Betreibern des als "Hirsch" bekannt gewordenen Gasthauses unter die Arme zu greifen. "Die Stadt ist den Betreibern des Restaurants in den vergangenen Jahren bei der Höhe der Miete immer entgegengekommen", sagt er. "Auch das hat aber nichts genützt." Und so steht das "Roma" samt dem Biergarten auf dem Markt ausgerechnet zu Beginn der warmen Jahreszeit bis auf Weiteres leer.


Kommentar: Ohne Fleißkein Preis

Eigentlich sind die Voraussetzungen sehr gut. Der Markt in Oederan ist schick saniert. Die Bundesstraße führt direkt vorbei - das lockt auch mal spontane Besucher an oder sorgt dafür, dass Durchreisende noch einmal vorbeikommen wollen. Vor dem Restaurant am Markt ist genügend Platz für einen Biergarten. Im Keller des Hauses gibt es eine gerade erst sanierte Bowlingbahn. Ein Betreiber des ehemaligen "Hirsch" setzt sich also ins gemachte Nest.

Vielleicht ist das aber gerade das Problem. Denn entscheidend für den Erfolg einer Gaststätte sind eben in erster Linie gutes Essen, nette Bedienung, ordentliches Marketing. An all dem hat es in der Vergangenheit gefehlt. Stadtverwaltung und Gewerbeverein sind jetzt gefordert, einen Betreiber zu finden, der sein Handwerk komplett beherrscht.

Bewertung des Artikels: Ø 3.2 Sterne bei 5 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    5
    mathausmike
    10.04.2019

    @516315,Oederan ist kein Dorf,sondern eine Stadt!
    Siehe auch"Oederan/Wiki-pedia". (*_*)

  • 16
    1
    516315
    10.04.2019

    "gutes Essen, nette Bedienung, ordentliches Marketing" nützen aber alles nichts ohne Gäste.

    Ein Restaurant in so einem Dorf wirtschaftlich zu betreiben ist nur sehr schwer machbar. Man hat hohe Fixkosten, Personal finden ist auch nicht einfach.

    Man braucht mindestens einen Koch, eher zwei. Servicekräfte + Inhaber und Jemanden der die Bowlingbahn betreut. Da kommen inkl. Miete schnell Fixkosten von mindestens 20 T€ pro Monat zusammen, die müssen erstmal erwirtschaftet werden.



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