Kita "Kunterbunt": Kleine Forscher am Hochbeet

Die Einrichtung in Gahlenz hat eine besondere Zertifizierung erhalten. Dabei geht es um Physik, Chemie, Biologie - und einen Riesentomatenstrauch.

Gahlenz.

Der zweijährige Alexander ist hoch konzentriert. Mit der quietschtürkisenen Kindergießkanne steht er im ebenso quietschtürkisenen Pullover am Hochbeet der Gahlenzer Kindertagesstätte "Kunterbunt" und wässert einen Strauch. "Er ist so groß, dass wir ihn mit einem Besen stützen mussten", sagt Kerstin Erler, Leiterin der Kita "Kunterbunt". "Das habe ich auch noch nicht erlebt", fügt sie lachend hinzu.

Die Gahlenzer Kita ist jetzt zertifiziert worden. "Haus der kleinen Forscher" steht auf der Plakette, mit der sie sich als dritte Oederaner Einrichtung neben den Kitas "Sonnenland" und "Buddelfink" fortan schmücken darf. Weil Wissensvermittlung dort zum Alltag gehört. Die Arbeit am Hochbeet ist nur eine von vielen Aktivitäten, die darauf zielen, den Forschergeist der Kinder zu wecken. Denn beim Gärtnern ergeben sich viele Fragen: Durch welches Wunder wächst ein Strauch eigentlich? Was kann man mit Tomaten alles machen? Spielerisch führt das "Kunterbunt"-Team seine Schützlinge so an das Thema Biologie heran. Genauso gehören Chemie oder Physik dazu. Jedoch nicht mittels farbloser Formen, sondern durch die praktische Erfahrung.

Genau das ist das Ziel von "Haus der kleinen Forscher" - einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für eine bessere Bildung von Kindern im Kita- und Grundschulalter in Naturwissenschaft, Mathematik und Technik engagiert. Sie bietet Pädagogen Fortbildungen an, in denen sie lernen, den kindlichen Entdeckergeist anzuregen. Das Hochbeet, das seit zwei Jahren in der Kita "Kunterbunt" aufgestellt ist und seitdem das absolute Highlight ist, bietet neben einer reichen Ernte an Kartoffeln, Kürbissen, Zwiebeln und Tomaten auch jede Menge Möglichkeiten dafür. Kerstin Erler: "Wenn es raus ans Beet geht, nehmen wir die Lupe mit." Dann wird erst einmal beobachtet. "Wenn einer der Kleinen etwas findet, stehen sofort alle anderen um ihn herum", sagt sie. Wichtig ist, den Kindern etwas beizubringen, indem man sie anregt, Dinge zu hinterfragen. Wie: Was isst der kleine Käfer auf der Kartoffelpflanze eigentlich? "Das geschieht, ohne dass wir sie drängen würden. Es reicht die Freude am Entdecken."

Kerstin Erler war jetzt zur ersten Fortbildungsveranstaltung der Initiative "Haus der kleinen Forscher" in Freiberg. "Wir Erzieher haben gemeinsam Experimente umgesetzt mit den Materialien vor Ort", berichtet sie. Die probierte sie, zurück in Gahlenz, gleich mit ihren Schützlingen aus. So versuchte sich die Truppe kürzlich in Chemie und bastelte eine "Brausebombe". "Man nehme eine leere Brausetabletten-Dose, Backpulver, Natron, Brause, Wasser - und schaue, wann der Deckel abploppt." Aus dem Experiment ergeben sich ganz viele "Warum"-Fragen.

Kerstin Erler wünscht sich, dass die Jungen und Mädchen die einfachen Dinge, die sie in der Kita für sich entdecken, mit nach Hause nehmen. Es müssen nicht immer Smartphone, Computer oder Nintendo sein. "Bei uns haben sie dafür ohnehin keine Zeit", sagt Kerstin Erler. Denn: Wer braucht schon ein Smartphone, wenn er ein Hochbeet mit Käfern, Kartoffeln und Kürbissen haben kann?

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