Kosmonauten starten Mondflug

Man setze ein paar Dutzend Leute an einen Tisch in einem außergewöhnlichen Ambiente: Sonntag feierte der "Kampagnentisch" in Flöha Premiere.

Flöha.

Alle Teppiche, die sie finden konnte, hatte Sylva-Michèle Sternkopf im Garten ihrer Villa Gückelsberg in Flöha ausgebreitet. Darauf ein Tisch mit Sträußen und Kerzen, dazu Kissen. Bereit für das "kosmische Dinner" - den ersten Kampagnentisch außerhalb Berlins. Ins Leben riefen ihn der Lebenskünstler Steven Lange aus Flöha und Gewürzhändler Richard Friedrich.

Die Idee kam ihnen in ihrer Berliner Zeit. In der WG wurde mit Freunden gekocht. "Warum nicht das Ganze größer aufziehen. Mit immer neuen Leuten, anderen Köchen, an stets neuen Orten?", erzählte Richard Friedrich, der sich mit seiner Firma "Direkt vom Feld" wieder in seiner Heimatstadt angesiedelt hat. Nach mehreren Auflagen in der Hauptstadt wollte Steven Lange die Veranstaltung in seine Heimat bringen. Mit Sylva-Michèle Sternkopf fand er die passende Partnerin fürs Projekt.

Gegen 17 Uhr fanden sich die 43Gäste vor der Villa ein. Einlass wurde nur in Abständen gewährt. Jeweils zwei "Kosmonauten" durften eintreten, wurden von Lange in Empfang genommen mit der Frage: "Was würde man tun, wenn man nur noch Zeit bis zum nächsten Vollmond hätte?" Diese sollte man sich im vernebelten Trauzimmer des Hauses beantworten, bevor es an den Tisch ging. Dort trafen sich die Gäste, darunter Künstler, Unternehmer und Lehrer. "Wir schaffen die Atmosphäre, geben Impulse, alles andere entsteht von allein", erklärte Lange. Diesen Raum könne man überall schaffen, ob in Berlin oder Flöha. Das dazugehörige vegane Vier-Gänge-Menü hatte sich die Olympiasiegerin im Kochen, Steffi Kerber-Reichel vom Trakehnerhof, ausgedacht und auf den Tisch gebracht. Vom "Traum in Gold" bis zur "Mondlandung" - alles stand im Zeichen dieser Vollmondnacht. Zwischen den Gängen lernten sich die Gäste kennen und lauschten Sänger Hannes Ohnesorge. Bis vier Uhr morgens genossen Besucher das besondere Flair des Abends.

Patricia Smolka (Foto), Lehrerin, hat sich sofort Karten für das Dinner reserviert, nachdem sie in der "Freien Presse" davon erfahren hatte. "Steven Lange war einer meiner Schüler. Ich finde es toll, dass er hier so etwas auf die Beine stellt", schwärmte die 58-jährige Falkenauerin. Allerdings habe sie gehofft, dass auch mehr ältere Menschen den Weg in die Villa Gückelsberg finden. Sie zeigte sich davon überzeugt, dass das Konzept des Dinners gerade hier in Flöha gut aufgehen könne, da es eine Lücke fülle und das kulturelle Angebot der Region bereichere. "Meine Erwartungen wurden vollkommen übertroffen. So vielen Menschen mit ihren unterschiedlichen Geschichten zu begegnen, ist wahnsinnig spannend." Außerdem freute sie sich zu erfahren, was ehemalige Schüler, von denen mehrere vor Ort waren, für Lebenswege eingeschlagen haben. Clement Guyot (Foto), Künstler, kam gerade vom Festival für urbane Kunst "Ibug" in Chemnitz, bei dem er seine Arbeiten präsentierte. Den 33-jährigen Franzosen hat es vor sechs Jahren der Liebe wegen nach Berlin verschlagen. Dort lernte er auch einen der Gastgeber des Abends, Steven Lange, bei einem gemeinsamen Werbedreh kennen. Zunächst arbeitete der studierte Biologe im Bereich Umwelt- und Abfallwirtschaft. "Ich habe aber gemerkt, dass das nichts für mich ist, und mich der Kunst verschrieben." Sein jetziges Kunststudium finanziert er unter anderem als Model. Mit Humor und Kritik an der Gesellschaft setzt er seine Kunst in Szene. So dient ihm beispielsweise ein Leichenwagen als mobile Kunstausstellung. An diesem Abend war eben dieser Wagen mit bunten Luftballons gefüllt, im Heck hing die Speisekarte des "kosmischen Dinners".

Janine Horn (Foto), Hebamme, wurde mit den Karten für das Dinner von ihrem Lebensgefährten Philipp Morgenstern überrascht. Er hatte über Facebook davon erfahren. "Wir freuen uns, mal wieder zusammen schick ausgehen zu können, und das in Flöha, wo wir wohnen". Dabei sei ihnen die Villa Gückelsberg bereits seit langem bekannt. Der 37-Jährige lebte einige Jahre in einem Nachbarhaus in einer WG. Außerdem haben sie die Sanierung der alten Fabrikantenvilla beim Tag der offenen Tür und dem Denkmaltag immer wieder verfolgt und auch Konzerte besucht, die dort stattgefunden haben. "Es ist toll, dass dieses schöne Objekt so vielseitig genutzt wird. Und für eine Veranstaltung wie diese ist es doch optimal. Was will man mehr?", waren sich die beiden einig und freuten sich im Laufe des Abends über viele nette Gespräche und interessante Momente.

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