Krasse Dürre, kärgliche Ernte

Trotz der Trockenheit halten sich die Landwirte der Region über Wasser. Ein harter Kampf: Dass die Kühe in den Stall müssen, ist in Leubsdorf inzwischen nicht mehr ausgeschlossen. Denn das Futter wird knapp.

Leubsdorf.

"Wenn ich mich in diesen Tagen mit älteren Kollegen unterhalte, dann sagen die alle: So eine krasse Dürre wie jetzt haben sie noch nicht erlebt." Thomas Wirth zeigt sich beeindruckt von der "außerordentlichen" Wetterlage. "2003 war es auch relativ trocken. Aber das ist kein Vergleich zu heute", sagt der Landwirt. Laut der Internetpräsenz werden in seinem Unternehmen über 1400 Hektar Nutzfläche bewirtschaftet, verteilt auf die acht Gemarkungen Augustusburg, Borstendorf, Breitenau, Eppendorf, Grünberg, Hohenfichte, Leubsdorf und Metzdorf.

Tatsächlich musste die Agro-Produkt GmbH in diesem Jahr bereits Verluste hinnehmen, insbesondere beim Grünlandaufwuchs. "Schon der zweite Schnitt bei Kleegras fiel geringer aus. Der dritte bringt so gut wie keinen Ertrag", bedauert Thomas Wirth. Eigentlich gleicht der Anbau sowohl von Gras als auch von Mais Wetterschwankungen aus: In eher feuchten Jahren gedeiht der Klee besser, selbst in trockeneren wird der Mais schön gelb und dick. Dieses Jahr gilt das nicht.

"Ich habe es noch nie erlebt, dass der Mais von der Trockenheit betroffen war", sagt der Landwirt und spricht über erste Anzeichen von Wassermangel. "Wenn es nicht bald regnet, hat das drastische Folgen für die Futtergrundlage." Denn nachdem die Rinder die Weiden schon ganz schön abgefressen haben und dort mangels Niederschlags nichts nachwächst, müssten sie in den Stall. "Was wir dort zufüttern, verringert aber unsere Vorräte", erklärt Wirth. Zum Tierbestand des Unternehmens gehören 1450 Kühe, 1200 Kälber und Jungrinder zur eigenen Nachzucht.

Generell seien die diesjährigen Erträge im Pflanzenbau eher durchwachsen. Der Raps habe die Wetterkapriolen zwar "gut weggesteckt" und einen "unerwartet hohen Ertrag" erbracht. Das genaue Gegenteil musste der Leubsdorfer aber bei der Wintergerste feststellen. "Diese Ernte ist bei uns arg bescheiden ausgefallen", sagt Thomas Wirth.

Und damit nicht genug: Die große Feuergefahr verursacht zusätzlichen Aufwand bei der Feldarbeit, zum Beispiel durch Brandschutzvorkehrungen beim Mähdrusch. "Wir haben jetzt immer zusätzlich einen Traktor mit einem Grubber auf dem Feld", erklärt der Landwirt die angespannte Lage. Sollte sich tatsächlich einmal etwas entzünden, wird der Brandherd schnell mit Erde eingegrenzt, damit sich die Flammen nicht ausbreiten können. "Außerdem steht bei uns immer ein Fass Wasser bereit." Auf lange Sicht hilft aber nur eins gegen die Trockenheit: Regen.


Was tun Arbeitgeber?

Bäckerei Möbius Oederan: In einer Bäckerei gehören hohe Temperaturen zum täglichen Brot. Dennoch lässt Mathias Möbius seine Belegschaft

in diesen heißen Tagen nicht auf dem Trockenen sitzen: "Wir stellen unseren Mitarbeitern in Oederan und auch in den Filialen bei sommerlichen Temperaturen kostenlos Mineralwasser zur Verfügung", sagt der Geschäftsführer. "In diesem Sommer haben wir dafür bereits circa 4000 Liter eingekauft." Zum Unternehmen gehören laut Internetpräsenz 52 Filialen in 23sächsischen Städten.

Landratsamt: Mit rund 1500 Vollzeitstellen gehört die Behörde zu den größten Arbeitgebern im Kreis. Um der größten Hitze zu entgehen, gebe es im Landratsamt eine flexible Arbeitszeitregelung, sagt André Kaiser. "Der Arbeitsbeginn ist ab 6.30 Uhr in den frühen Morgenstunden möglich." Dabei werde darauf geachtet, so der Pressesprecher weiter, dass die

Fachbereiche zu den Öffnungszeiten entsprechend besetzt seien. Den

Mitarbeitern werde in den Teeküchen zudem Trinkwasser zur Verfügung

gestellt, und durch Innen-Jalousien und Tischventilatoren könne der Wärme begegnet werden. Nicht zuletzt könnten die Beschäftigten auch ihre Kleidung der Witterung anpassen:

"Eine verbindliche Kleiderordnung existiert im Landratsamt mit Ausnahme von Arbeitsschutzkleidung nicht."

TU Bergakademie Freiberg: Auch an der Hochschule mit rund 1800 Beschäftigten gibt es eine Gleitzeitregelung. Laut Sprecherin Luisa Rischer ist der früheste Beginn 6.30 Uhr. Die Mitarbeiter könnten ihre Arbeitszeit je nach Arbeitsanfall individuell verlagern, wenn dabei die Funktion der einzelnen Bereiche gesichert bleibe.

MPT Präzisionsteile Mittweida:

Einen kühlen Kopf müssen auch 250Mitarbeiter der Firma trotz der Hitze bewahren. "Die Produktion muss laufen", sagt Personalchef Meik Hahn. Besonders heiß sei es derzeit in der Gießerei. "Die Produktionshallen werden über Nacht ordentlich

gelüftet", berichtet Hahn. Kostenloses Wasser bekämen die Mitarbeiter

sowieso das ganze Jahr über. "Jetzt haben wir das Getränkesortiment aber noch erweitert." Gleitzeit sei in der Fertigung jedoch nicht möglich.

In den Genuss kämen nur die Büroangestellten. Zudem gebe es in den

Verwaltungsgebäuden Klimaanlagen. "Die stellen wir aber nur im Flur an, sonst wäre die Erkältungsgefahr in den Büros zu groß", so der Personalchef. Wer seine Bürotür offen lässt, hat auch etwas Kühle. (ug/dahl/jan)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...