Künstlerinnen weben einen Teppich voller Wünsche

Hinter den alten Mauern der Schauweberei in Braunsdorf soll Neues entstehen. Neben der Kunst steht auch die Forschung im Mittelpunkt.

Braunsdorf.

Ganzheitlich und mit jeder Menge Publikumsbeteiligung soll die Arbeit der Künstler sein für die Ausstellung "Im Garten der Fäden". Darüber waren sich die Kuratorinnen Eva Howitz und Lena Seik schnell einig. Denn nicht nur Besucher der Schauweberei sollen sich an der entstehenden Kunst beteiligen; es werden auch verschiedene Medien und Handwerke genutzt. "Grundlage für all die Arbeiten ist das umfangreiche Musterarchiv der Schauweberei", sagt Eva Howitz.

Den gesamten September über arbeiten Simone Mende, Cornelia Zabinski, Marthe Howitz, Tristan Schulze und der Künstler Lichtblau in der einstigen Textilfabrik. Sie haben sich eine Künstlerresidenz geschaffen, in der sie aus den Gegebenheiten der Weberei neue Kunst entstehen lassen. Cornelia Zabinski und Simone Mende haben ein Konzept entwickelt, aus den Wünschen der Leute einen Teppich zu weben. "Die Besucher sollen auf kleine Papprollen ihre Wünsche schreiben und dann mit einem Wollfaden umwickeln. Die Spulen weben wir dann zu einem Teppich", erklärt Simone Mende das Vorhaben. Gezeigt werden soll das fertige Kunstwerk zur Ausstellungseröffnung des Projektes am 5. Oktober. Dafür waren bereits am Samstag in Lichtenwalde und am Sonntag im Museum zum Tag des offenen Denkmals Bürger eingeladen, ihre Wünsche aufzuschreiben - mit Erfolg.


Mehr Performance hingegen hat Marthe Howitz geplant. Sie will aus alten Mustervorlagen Partituren schreiben und dadurch die Museumskulisse vertonen. Ihre Instrumente sollen die alten Web-, Spul- und Druckmaschinen sein. Bei ihrer Aufführung im Oktober, wenn auch Tag des traditionellen Handwerks gefeiert wird, will sie aber nicht allein aktiv sein. "Es wird keine Aufführung, bei der ich den Leuten etwas vorspiele. Die Besucher sollen selbst Klänge erzeugen", sagt sie.

Digital wird es bei Künstler Tristan Schulze zugehen. Er will die traditionsreichen Muster der ehemaligen Weberei in die Moderne holen und diese mit künstlicher Intelligenz verbinden. An kleinen Bildschirmen sollen neue Muster entstehen. Das Aussehen bestimmen die Besucher, die die künstliche Intelligenz mit neuen Vorlagen füttern.

Der Künstler Lichtblau hingegen arbeitet traditionell. Er wird drucken. Der gebürtige Niederwiesaer erarbeitet mit Schülern der Volkskunstschule Oederan neue Druckschablonen, die die Umgebung in neue Muster verwandeln sollen. Im Fokus: Die grüne Pflanzenwelt rund um die Schauweberei. "Die Umgebung rund um die Weberei voller toller Pflanzen. Daraus kann ich und die Schüler hervorragend neue Muster schaffen, die sich mit dem Druckhandwerk verbinden lassen", sagt Lichtblau.

"Das Konzept der Ausstellung ist im Austausch entstanden. Wir haben immer über alle Ideen gesprochen", erklärt Eva Howitz. Neben der Kunst soll auch weiter zur Geschichte der Weberei geforscht und das Archiv aufgearbeitet werden.

"Hier haben so viele angesehene Architekten und Textildesigner gearbeitet, das ist beeindruckend. Während der DDR-Zeit soll hier auch Stoff für das Möbelhaus Ikea gefertigt worden sein. In dieser Sache recherchieren wir aber noch", sagt Lena Seik. Mit der Arbeit der Kuratorinnen soll die Weberei in Braunsdorf als historischer Ort noch präsenter werden.

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