Landratsamt: Homeoffice nur selten möglich

Gros der 1500 Mitarbeiter arbeitet vor Ort in der Kreisbehörde

Freiberg.

Der überwiegende Teil der rund 1500 Mitarbeiter des mittelsächsischen Landratsamtes muss derzeit in der Kreisbehörde tätig sein - und kann kein Homeoffice nutzen. Das geht aus der Antwort von Kreissprecher André Kaiser auf eine Anfrage von "Freie Presse" hervor. Kaiser begründet die Anwesenheitspflicht für das Gros der Beschäftigten damit, dass "die Aufgabenerfüllung des Landratsamtes weiterhin sicherzustellen" ist. Mobiles Arbeiten und Telearbeit könnten nicht unter allen Umständen eingerichtet werden. "Und nicht jeder Bedienstete hat Interesse daran, zu Hause zu arbeiten", fügt Behördensprecher Kaiser hinzu. Die erforderliche Technik für das Arbeiten daheim werde vom Landratsamt gestellt. Wie viele Mitarbeiter derzeit von zu Hause aus agieren und Telearbeit nutzen, teilte das Landratsamt trotz Nachfrage nicht mit. Das unterliege Schwankungen, hieß es nur.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am 27. Januar eine Corona-Arbeitsschutzverordnung erlassen. Demnach haben Arbeitgeber eine bis zum 15. März befristete generelle Pflicht, Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder ähnlichen Tätigkeiten Homeoffice zu ermöglichen. In der Freiberger Stadtverwaltung beispielsweise wird Telearbeit laut Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) von annähernd 15 Prozent der Mitarbeiter genutzt. In der Kreisbehörde hängt die Entscheidung, ob ein Mitarbeiter zu Hause arbeiten darf, laut Kaiser von dessen Aufgaben, Verantwortungsfeld und den Bedingungen am Arbeitsplatz ab. "Manche Aufgaben können nur in den Dienststätten des Landratsamtes ausgeübt werden", so der Kreissprecher. Als ein Beispiel nennt er "die derzeitige Corona-Bewältigung durch das Gesundheitsamt", dessen Mitarbeiter beispielsweise die Kontakte von Covid-19-Infizierten nachverfolgen und die betroffenen Personen benachrichtigen. Der Winterdienst sei ebenfalls nicht im Homeoffice zu leisten. Auch wegen des Datenschutzes sei Homeoffice nicht immer möglich. Erschwerend kämen "die technischen Möglichkeiten im privaten Bereich" hinzu. Was Kaiser damit meint: Nicht jeder Mitarbeiter hat zu Hause eine schnelle Internetanbindung. Und er formuliert im Amtsdeutsch einen weiteren Grund für das eher verhaltene Nutzen von Telearbeit: "Die Einhaltung der Arbeitsstättenrichtlinie kann nicht in allen privaten Haushalten vorgehalten werden." Eine Voraussetzung ist laut dieser Richtlinie eine ausreichende Grundfläche des Arbeitsraumes. Bei Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen muss diese Fläche pro Arbeitsplatz mindestens acht bis zehn Quadratmeter umfassen - einschließlich der Möbel.

Über den Kontakt zu Bürgern in Pandemiezeiten sagt André Kaiser: "Generell beachtet das Landratsamt die aktuellen Regelungen zum Umgang mit Corona." Um die Kontakte zu minimieren, habe die Behörde für den Besucherverkehr geschlossen. Die Mitarbeiter seien per E-Mail und Telefon erreichbar, Termine im Amt gebe es nur in Ausnahmefällen. Für Zulassungsstelle und Führerscheinstelle müssten vorab Termine gebucht werden. Die Frage nach möglichen digitalen Beratungsangeboten für ratsuchende Bürger ließ der Sprecher der Kreisbehörde unbeantwortet.

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