Landratsamt prüft Fahrschein für Ärmere

Mittelsachsens Kreistag hat mit knapper Mehrheit einem Antrag der Linksfraktion zugestimmt. Wird es ein Ticket für sozial Bedürftige geben?

Niederwiesa/Augustusburg.

Bedürftige in Mittelsachsen sollen verbilligt mit Bus und Bahn fahren können: Die Linken haben mit ihrem Vorschlag für ein Sozialticket im Landkreis eine erste Hürde genommen. Der Kreistag hat mit knapper Mehrheit für den Antrag der zwölfköpfigen Fraktion gestimmt. Damit beauftragt er das Landratsamt, die Einführung des Tickets für Bedürftige zu prüfen, darunter die Finanzierbarkeit.

Die Kreisverwaltung hatte Bedenken. In einer ablehnenden Stellungnahme verwiesen Landrat Matthias Damm (CDU) ebenso wie sein Stellvertreter Lothar Beier zur Kreistagssitzung beispielsweise auf die umfangreichen Tarifprodukte, Aufwand und Kosten. Da gleichlautende Anträge aus dem Erzgebirgskreis und dem Kreis Zwickau vorliegen, die zum Gebiet des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) gehören,war die Stellungnahme mit dem VMS abgestimmt.

Die Kreisräte folgten allerdings mehrheitlich den Argumenten der Befürworter. So warb Linke-Fraktionschef Gottfried Jubelt, sozial Schwache nicht vom öffentlichen Nahverkehr abzukoppeln, weil sie nicht genügend Geld für Fahrscheine hätten. Der Augustusburger verwies auf ähnliche, teilweise genehmigte Vorstöße quer durchs Bundesgebiet, die auf Initiativen verschiedener Parteien zurückgingen.

Unterstützung gab es vor allem von SPD/Grüne. "Nahverkehr muss im ländlichen Raum bezahlbar bleiben", so Grüne-Kreisrat Sebastian Walter. Der ländliche Raum sei wegen seiner zahlreichen Tarifzonen und Mehrkosten gegenüber Großstädten ohnehin benachteiligt, kritisierte der Verkehrswissenschaftler aus Niederwiesa. Walter fordert eine realistische Kalkulation: Die jetzigen Angaben gingen davon aus, dass alle Leistungsberechtigten Anträge stellen. In Dresden etwa nutze aber nicht einmal jeder dritte Anspruchsberechtigte das Sozialticket.

Im Gegenzug für die jährlichen Millionen-Zahlungen des Kreises an den mit dem Nahverkehr beauftragten Verkehrsverbund Mittelsachsen forderte der Kreisrat eine verlässliche Datengrundlage und eine vertiefende Untersuchung zum Sozialticket ein. "Es wird doch nicht in Größenordnungen Geld überwiesen, um zu erfahren, was angeblich alles nicht geht."

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