Licht und Schatten in der Turmgalerie

Der Vorsitzende des Galerievereins, Uwe Schwarz, spricht im Interview über Ausstellungspläne für das laufende Jahr

Augustusburg.

Die Turmgalerie im Schloss Augustusburg geht ihrem 20-jährigen Bestehen entgegen und erinnert mit der ersten Ausstellung des Jahres an fünf verstorbene Vereinsmitglieder. Das Umfeld für eine kleine vereinsgeführte Kunstgalerie wird zunehmend schwieriger. Vor diesem Hintergrund hat Dietmar Hösel mit dem Vorsitzenden des Turmgalerie-Vereins über die Bilanz des vergangenen Jahres, die Vorhaben und über Visionen gesprochen.

Freie Presse: Die erste Ausstellung des Jahres in der Turmgalerie wird am Sonnabend eröffnet. Wie sind die Aussichten für die kleine Vereinsgalerie?

Uwe Schwarz: Unsere erste Ausstellung erinnert an fünf verstorbene Vereinsmitglieder - an Steffen Bauer, Ursula Grimm, Gottfried Grünert, Steffen Melzer und Lutz Lipkowski. Danach wird der Chemnitzer Künstler Osmar Osten ausstellen. Er wird dabei ein neues Buch vorstellen, das er mit einer Designerin gemacht hat. Er hat alte Schnitte kombiniert mit seinen Sachen. Da gibt es zur Vernissage eine Buchpräsentation. Dann kommt Karl Heinz Jacob, ein großer Zeichner und Maler, der inzwischen verstorben ist. Wir zeigen Fotografien von Horst Kistner, und zum Ende des Jahres wollen wir uns mit Franz Kafka beschäftigen.

Wieso Kafka?

Kafka ist immer interessant. Es gibt die Burg als großen Bezug, die Ausstellung soll "Vermessung des Landes" heißen. Viele Künstler beschäftigt sich mit Kafka, jeder kann sich dazu mit seiner Idee bewerben. Und vielleicht gelingt es uns ja, für die Vernissage die Franz Kafka Band aus Prag zu engagieren.

Wie sieht die Galerie-Bilanz des vergangenen Jahres aus?

Eine Bilanz ist schwierig. Wir haben noch keine Abrechnung von der Schlossverwaltung, aber ich denke, dass es ein erfolgreiches Jahr war. Der tschechische Künstler Todor Stojanov wurde sehr gut angenommen. Er konnte sogar erstaunlich viele Bilder verkaufen. Parallel zur Ausstellung gab es eine Lesung mit Reinhold Lindner. Das war ein neues Format für uns. Wir hatten italienisches Flair mit Mauro Hüller, Ilaria Demozzi und Vladan Petrovic. Mit ihnen waren wir auch privat viel unterwegs und haben ihnen unsere erzgebirgische Landschaft gezeigt. Wir hatten eine Fotoschau als Referenz an die Fotografenmeistertradition in der Bergstadt. Fotograf Ingolf Steinert präsentierte sich als Nachfolger und Bewahrer dieser Tradition in Augustusburg. Und wir hatten die Ausstellung der einstigen Fördergruppe Malerei/Grafik.

Und Ihre persönliche Bilanz?

Es wird immer schwieriger, die 132 Stufen hinauf in den Galerieraum zu überwinden. Eine Sisyphusarbeit. Man wird ja auch immer älter. Aber es macht natürlich noch Spaß nach 19 Jahren Galeriearbeit, weil es immer interessante und abwechslungsreiche Ausstellungen sind.

Das klingt aber ein kleines bisschen müde ...

Die Welt ringsum ist anders und schneller geworden. Wir als Turmgalerie sind Teil einer überholten, alten, ja einer idealistischen Form. Im ländlichen Raum ist es schwierig ohne großartige Resonanzfaktoren. Ich glaube nicht, dass wir für unseren Verein großartig mit Nachwuchs rechnen können. Es gibt zwar hier einige Schulen. Aber junge, interessierte Menschen bleiben häufig nicht in der Region. Damit wird es für die Galeriearbeit kaum Nachfolger geben. Das wäre aber ein Wunsch von mir.

Wie ist die Kooperation mit den Schulen gelaufen?

Das ist wieder eingeschlafen. Es war unglücklich, weil der Kulturraum etwas Ähnliches gemacht hat. Deshalb ist die Sparkassenstiftung als Förderer ausgestiegen, weil die festgestellt haben: Das gibt es ja schon. Dabei war das Projekt gut angelaufen, die jungen Leute waren motiviert, die Resonanz war gut, vor allem bei Tschechen-Ausstellung. Eigentlich schade ...

Welche Aktivitäten gibt es aktuell im Verein Turmgalerie?

Wir wollten diesen Monat nach Nicaragua fahren. Geplant war eine gemeinsame Aktion Wandmalerei mit Jugendlichen und Holzskulpturen vor Ort. Es sollten ein Wandbild gestaltet werden und Holzskulpturen entstehen. Aber auf Grund der angespannten politischen Lage vor Ort, haben wir die Reise nicht angetreten. Bei unserem Kalender machen inzwischen fünf Künstler aus dem Verein mit. Wir hatten erstmals eine Ausstellung der Originalbilder in der Stadt, das ist eine sinnvolle Erweiterung, glaube ich. Mit dem inzwischen vierten Kalender haben wir eine gewisse Breite erreicht. Aber es bleibt interessant, immer neue Facetten, Stile, Landschafen abzubilden.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Schloss?

Die ist gut. Kurz gesagt: Wenn dort interessante Ausstellungen stattfinden, dann ist bei uns auch mehr Betrieb. Das merkt man direkt am Drehkreuz.

Was plant der Künstler Uwe Schwarz?

Wieder mehr künstlerisch tätig zu sein. Eigene Objekte, an Symposien teilnehmen. Ich habe viele Motive im Kopf, aber das sind alles Sachen, die Zeit brauchen. Und man muss ja bei allen eigenen Vorstellungen immer auch Kompromisse eingehen. Schön wäre, wenn das Projekt Utopia nicht einschläft und wir da wieder anknüpfen.

In welche Richtung soll das Projekt Utopia gehen?

Für mich bedeutet es, dass nicht alles mit Kapital und Kommerz zu handhaben ist. Da kommt das bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel. Das würde einen neuen Menschen schaffen, der nicht manipulierbar ist. Dabei würde ich mir mehr Wagemut wünschen. Aber noch wichtiger als das Grundeinkommen, ist die bestmögliche Bildung für alle. So könnte ich mir eine Utopie vorstellen. Und am Ende das Alter, dass die Alten nicht weggeschoben werden in Pflegeanstalten, die wiederum nur kommerzialisiert funktionieren. Ich wünsche mir, dass Menschen gut und sinnerfüllt altern dürfen und sich dabei immer noch einbringen können. regi


Eine besondere Galerie mit Hürden und Reizen

Die Turmgalerie in Augustusburg wird vom gleichnamigen Verein betrieben, der aktuell 24 Mitglieder zählt. 1999 hatten Uwe Schwarz, der Maler Karsten Mittag, der Künstler Lichtblau sowie Tonio Schulze die Galerieräume im Turm von der Schlossverwaltung per Mietvertrag übernommen, der Galerieverein wurde kurz darauf gegründet. Uwe Schwarz leitet ihn. Die Turmgalerie ist ein sehr spezieller Ausstellungsraum. Eine steile Treppe, ein Drehkreuz, unbeheizte Räume und vorgeschriebene Öffnungszeiten sind keine idealen Voraussetzungen für einen regelmäßigen Publikumsverkehr. Der Charme des alten Gemäuers und die herrliche Aussicht in alle Himmelsrichtungen sind dagegen der besondere Reiz.

Die aktuelle Ausstellung hat den Titel "In Memoriam" und erinnert an fünf verstorbene Vereinsmitglieder: Steffen Bauer, Ursula Grimm, Gottfried Grünert, Steffen Melzer und Lutz Lipkowski. "Künstler bleiben. So bitter es ist, wenn der Tod ihr Leben auslöscht - sie hinterlassen ihre Werke", schreibt Reinhold Lindner zur Ausstellung. Der Autor aus Augustusburg ist selbst Vereinsmitglied. Die Künstler kehren also zurück mit ihren Werken an einen Ort, an dem es ihnen immer gut gefallen hat. (regi)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...