Memmendorf im Ausnahmezustand

Besucherströme und kein Ende: Am Samstag hatte die Agrargenossenschaft zum Kartoffelfest geladen. Dass der Wetterbericht komplett daneben lag, war für die Veranstalter ein Sechser im Lotto.

Memmendorf.

Bevor die Besucher auch nur die Schale einer einzigen Kartoffel zu Gesicht bekommen haben, gab es vor allem eines zu sehen: Autos über Autos. Im Kreisverkehr nahe der Agrargenossenschaft in Memmendorf kamen die Pkw, wenn überhaupt, nur noch im Schneckentempo voran, die Straße Zum Goldenen Stern hinauf zur B 173 war mehr als einen Kilometer weit zur Staufalle geworden, die Parkplätze waren hoffnungslos überfüllt: Der Besucherandrang beim diesjährigen Kartoffelfest war überwältigend.

"Wir müssen gar nicht erst versuchen, die Besucher zu zählen", sagte Maxim Steinhardt, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Memmendorf gegen Mittag. "Es sind auf jeden Fall sehr viele." Dabei wirkte der Chef gleichzeitig glücklich und angespannt. Denn die Veranstaltung sollte noch bis zum Nachmittag andauern, und der Besucherstrom riss zu keiner Minute ab. "Die Organisation, vor allem die Parkplatzsituation, ist schon eine große Aufgabe", sagte Steinhardt. "Aber nicht zuletzt durch die große Hilfe der Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr hat alles geklappt."

Den vielen Helfern und Einweisern war es auch zu verdanken, dass schließlich dann doch jeder sein Auto abstellen und sich auf der weiträumigen Veranstaltungsfläche umsehen konnte. Und dort gab es an jeder Ecke etwas zu entdecken. In erster Linie natürlich Kartoffeln. Einen regelrechten Ansturm gab es auf die neue Sorte namens "Wendy", die es zum Probierpreis gab.

Schon kurz vor 12 Uhr mittags mussten die Damen am Kartoffelstand allerdings das "Ausverkauft"-Schild raushängen. "Ab dem 4. Oktober gibt es die aber wieder bei uns auf dem Hof", trösteten sie die zahlreichen Besucher. Die entschieden sich dann spontan für eine der anderen beliebten Kartoffelsorten aus Memmendorf.

Wodurch Volker Spillner weiterhin alle Hände voll zu tun hatte. Der Mitarbeiter der Agrargenossenschaft war gemeinsam mit einigen Kollegen für den Kartoffel-Nachschub zuständig. "Wie oft ich heute mit dem Gabelstapler hin- und hergefahren bin? Keine Ahnung. Aber bei dem Wetter macht das doch richtig Spaß", sagte der 55-Jährige.

Tatsächlich: Wer auf den Wetterbericht gehört und Regenschirm oder Windjacke eingepackt hatte, konnte beides im Auto lassen. Zum Kartoffelfest schien die Sonne und sorgte für fast sommerliche Temperaturen.

Von denen bekam Julia Steinhardt allerdings nicht allzu viel mit, denn die junge Frau war im "Innendienst" eingesetzt. Die Tochter des Geschäftsführers studiert eigentlich. Zum Kartoffelfest werden aber alle Hände gebraucht, und so half auch die 27-Jährige kräftig mit. Im Landmarkt füllte sie den ganzen Tag lang die Regale wieder auf. "Und damit hatte ich ordentlich zu tun, denn die Schlange am Eingang wurde eigentlich zu keinem Zeitpunkt kürzer", sagte sie.

Das gleiche Bild bot sich in und an der Landfleischerei. Die Memmendorfer Produkte wurden den Mitarbeitern an diesem Tag förmlich aus den Händen gerissen.

Doch die Besucher des Kartoffelfestes konnten noch viel mehr erleben als nur einen Einkaufsbummel. Hüpfburg, Bierstände, Streichelzoo, Traktor-Rundfahrten, Blasmusik, Bastelstraße, verschiedene Verkaufsstände mit Lebensmitteln und Handarbeiterzeugnissen - zwei Stunden waren auf dem Kartoffelfest schnell um. "Das hat schon was von Volksfest hier", sagte auch Besucherin Irmgard Knäbel aus Freiberg. "Wir sind zum ersten Mal hier und waren zunächst einmal regelrecht erschrocken, wie viele Menschen gekommen sind", sagte die 68-Jährige, die mit Kindern und Enkeln angereist war. "Anfangs hatten wir Bedenken, ob das auch was für die Kleinen ist. Jetzt wollen wir so langsam nach Hause, und die Kinder wollen noch hier bleiben."

Andere Besucher sind schon mehrmals beim Fest gewesen und wussten, was sie erwartet. "Wir sind gleich zum Beginn 9 Uhr gekommen", erzählten Erika und Peter Kreisel aus Chemnitz. "Unsere Einkäufe haben wir erledigt, jetzt wird gebummelt."


Kernkompetenz Knolle: Agrargenossenschaft Memmendorf ist Spezialist für den Kartoffelanbau

Die Agrargenossenschaft Memmendorf wurde 1991 gegründet, etwa 100 Menschen stehen hier in Lohn und Brot. Der Landmarkt besteht seit 18 Jahren und beschäftigt sechs Mitarbeiter. Von der Agrargenossenschaft kommen Kartoffeln, Fleisch- und Wurstkonserven sowie Honig und Futtergetreide. Etwa 50 weitere Lieferanten, viele davon aus der Region, bereichern das Sortiment. Die Landfleischerei mit gut 30 Mitarbeitern hat Filialen in Memmendorf. Freiberg und Oederan. Rinder, Kälber und Lämmer werden im eigenen Schlachthaus geschlachtet und zerlegt und in der Fleischerei verarbeitet. Schweinehälften werden zugekauft.

Kernprodukt der Genossenschaft ist die Kartoffel. Auf etwa 20 Hektar Anbaufläche wachsen neun verschiedene Sorten. 480 Tonnen Kartoffeln wurden in diesem Jahr geerntet und im eigenen modernen Lagerhaus mit automatischer Lüftung eingelagert. Die Kartoffeln werden ausschließlich direkt vermarktet. (mbe)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...