Neues Leben für eine alte Bäckerei

Im vergangenen Herbst schloss die Bäckerei Kühne in Eppendorf. Die jetzigen Hausbesitzer wollen im Laden einen Imbiss eröffnen.

Eppendorf.

Mit trauriger Miene stand in diesen Tagen eine gestandene Eppendorferin vor dem Haus, in dem im vergangenen Jahr noch ein Bäcker seine frischen Waren herstellte und anbot. "Das ist traurig, dass wieder ein Geschäft in Eppendorf geschlossen hat. Zuletzt hat ja auch eine weitere Gaststätte zu gemacht", schüttelte die Seniorin den Kopf. Gemeint ist die Ebersbacher Tenne, die im Oberdorf zur Einkehr einlud. Zu Jahresende gingen dort die Lichter aus, weil dem Wirt der Mietvertrag gekündigt wurde.

Die Bierhähne in den Gaststätten "Zur Einkehr" sowie der "Alten Ziegelei" wurden schon längst abgebaut, der Ofen der Pizzeria an der Borstendorfer Straße (ehemals Tagescafé Würzner) ist seit gefühlten Ewigkeiten kalt. Der Inhaber der Bäckerei Kühne entschied sich im Oktober vergangenen Jahres, seine Türen für immer zu verschließen und zu seinen Kindern nach Österreich überzusiedeln.

Doch jetzt gibt es für die ausgedünnte Eppendorfer Gewerbelandschaft offenbar einen Lichtblick. Denn in das Haus der ehemaligen Bäckerei, dass sich in unmittelbarer Nähe zur alten Schule an der Borstendorfer Straße befindet, soll wieder Leben einziehen. Das Ehepaar Uwe und Ines Mehner hat die Immobilie erworben und möchte sie gewerblich nutzen.

"Ich hatte zwar als Schüler mal den Berufswunsch Bäcker und absolvierte deshalb beim Kühne-Bäcker mal ein Schulpraktikum. Aber deshalb werden wir künftig keine Brötchen, Brote oder Kuchen backen", sagt Uwe Mehner. Es sei aber fest geplant, den schon von der Bäckerei Kühne betriebenen Imbiss wieder aufleben zu lassen. "Dafür wollen wir auch die Köchin einstellen, die hier zuletzt die Speisen zubereitet hat", erklärt der 41-Jährige. Es sei angedacht, von Montag bis Freitag einen kleinen Mittagstisch mit dem bekannten Stammessen anzubieten. Der Plan besagt weiter, dass in der leergeräumtem Backstube ein Gastraum für knapp 50 Personen entstehen soll, der für unterschiedliche Veranstaltungen gemietet werden kann. Auch die Einrichtung eines kleinen Eiscafés mit Sitzgelegenheiten im Garten des Grundstücks sei Bestandteil des Unternehmenskonzepts.

"Dieses Vorhaben ist keine fixe Idee. Vielmehr haben wir schon seit Jahren mit dem Gedanken gespielt, ein solches Projekt anzupacken, und hatten uns auch schon Häuser angeschaut. Aber bisher hatte es einfach noch nicht gepasst", sagt der gelernte Fleischer. Nun arbeite er daran, die notwendigen Umbauten durchzuführen. So müssen zum Beispiel neue sanitäre Einrichtungen entstehen. Einiges passiert dabei in Eigenleistungen, vieles wird durch Fachfirmen erledigt.

Wann alles fertig ist, sei noch unklar. "Wir wollen aber zunächst den Imbissbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen. Das soll durchaus noch im ersten Quartal passieren", lautet die positive Nachricht des Eppendorfer Ehepaars. Dass der Plan aufgehen kann, würden schon erste Buchungsanfragen untermauern. Auch die Rahmenbedingungen würden aus Mehners Sicht stimmen. "Das Haus ist zentral gelegen, verfügt über einen behindertengerechten Eingang und zahlreiche Parkplätze in unmittelbarere Nähe", zählt der Familienvater auf.

Bürgermeister Axel Röthling (SPD) freut sich über die private Initiative. "Es ist für das Ortszentrum sehr wichtig, dass dieses Gebäude nicht lange leersteht. Den Mehners traue ich zu, dass sie ihr Vorhaben zielgerichtet verfolgen, und wünsche ihnen bei der Umsetzung dieses Vorhabens sehr viel Glück", sagt das Gemeindeoberhaupt.


Geschichte eines Hauses

Das Gebäude wird seit über einem Jahrhundert gewerblich genutzt. So gründete Richard Keinert 1840 eine Bäckerei, von 1901 bis 1938 wurde diese von Reinhard Kluge betrieben. Danach übernahm Johannes Kluge.

Von 1952 bis 1963 war Heinz Winkler der Eigentümer und die folgenden 22Jahre Rolf Langheinrich. Vom 1.September 1988 bis zum 31. Januar 1990 war Uwe Seifert der Chef.

Im Juni 1990 übernahm Mike Kühne die Bäckerei, erweiterte sie reichlich zwei Jahre später um einen Imbiss. Am 31. Oktober 2018 schloss er. Ende 2018 erwarben Uwe und Ines Mehner aus Eppendorf das Objekt. (kbe)

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