Ohne Wasser, merkt Euch das ...

Die Menschen stöhnen wegen der anhaltenden Hitze - noch heißere Tage sind angekündigt. Reicht das Wasser?

Flöha.

Die Sorgen sind unbegründet. Auch wenn die Trockenheit weiter anhält, ist die Trinkwasserversorgung nicht in Gefahr. Dieses Signal kommt vom Wasserzweckverband und den Talsperren. Die Welt wird ohne Wasser kein leeres Fass, wie es der Wasserträger in der gleichnamigen Oper Cherubinis besingt. So sind beispielsweise im Mittleren Erzgebirge die Talsperren Saidenbach und die beiden Neunzehnhainer Stauanlagen über Stollen und Rohrleitungen miteinander verbunden. Damit wird sichergestellt, dass auch jetzt ausreichend Rohwasser in guter Qualität fürs Trinkwasser geliefert werden kann. Doch läuft das Wasser wirklich überall?

Gegossen werden müssen Pflanzen gerade bei Hitze und Trockenheit. In der Gärtnerei Lange in Augustusburg sind beide Regenwasserspeicher mit insgesamt 130 Kubikmeter Fassungsvermögen leer. "Wir müssen jetzt auf Trinkwasser zurückgreifen", sagt Inhaberin Karin Weißbach. Das sei teuer, aber unvermeidlich. Gegossen werde nach Bedarf. Mehr Aufwand müssten die Gärtner für die Pflegegräber betreiben. Reicht normalerweise eine Pflegetour pro Woche, so sind es derzeit drei. Karin Weißbachs Gießtipp für Gärtner: früh oder abends und dann reichlich wässern. "Das Wasser sollte die Wurzelspitzen der Pflanzen erreichen. Ein oder zwei Zentimeter tief ist definitiv zu wenig", sagt die Floristmeisterin.

Niedrige Wasserstände in den Flüssen bereiten den Anglern Sorgen. "Wegen des wenigen Wassers ist die Strömungsgeschwindigkeit deutlich gesunken. Der Sauerstoffgehalt des Wassers hat rapide abgenommen", sagt Ulrich Meyer. An manchen Stellen hätten sich in der Flöha und der Zschopau große Pfützen gebildet. "Ab und an schwächen ein paar Bäume die Sonneneinstrahlung ab", sagt der Gewässerwart des Angelsportvereins Flöha. Er bange zum Beispiel um den Bestand von Bachforellen und Äschen. "Für die wird es ab einer Wassertemperatur von 25 Grad Celsius kritisch. Bisher habe ich aber noch keine toten Fische gesichtet", sagt Meyer.

Seit Jahrzehnten ist der Flöhaer leidenschaftlicher Angler. Im Moment mache es keinen Spaß. "Durch die Hitze und den Sauerstoffmangel sind die Fische derzeit kaum zur Nahrungsaufnahme bereit, die Angelei ist wenig erfolgreich."

An der Kirchenbrücke in Flöha ist der Pegel der Flöha extrem gesunken. Da haben die Graureiher jetzt leichtes Spiel, sie können sich nach Lust und Laune im flachen Wasser bedienen.

Wasser benötigt der Bauhof der Stadt Flöha nicht nur fürs Gießen der Pflanzkübel im Stadtgebiet, sondern auch für die Kehrmaschinen. Die brauchen sauberes Wasser, weshalb derzeit nur Leitungswasser infrage kommt. Die Stadt arbeitet daran, einen früher genutzten Brunnen an der Alten Baumwolle zu reaktivieren. "Einige technische Einbauten sind dafür noch erforderlich", sagt Stanimir Enew aus der Bauverwaltung. Zum Gießen nutzt der Bauhof ebenfalls Brunnenwasser aus einem anderen Brunnen, der demnächst stillgelegt wird. Etwa 1000 Liter Gießwasser werden derzeit täglich verbraucht. Bäume werden nicht gegossen.

Auf dem Trockenen sitzt bislang auch der Schlosspark Lichtenwalde nicht: Auch dort durchläuft das Nass für Wasserspiele und Brunnen einen Kreislauf. "Das Wasser kommt aus einem Hochbehälter oberhalb des Schlossparks, fließt durch die Brunnen und anschließend zurück in die Zschopau, aus der das Wasser wiederum in den Hochbehälter gepumpt wird", sagt Maria Schneider, bei den Schlossbetrieben zuständig fürs Marketing. "Der Behälter muss stets gefüllt sein, da er gleichzeitig als Löschteich dient."

Trotzdem setzt die Trockenheit dem Park und seinen Pflanzen zu. "In diesem Jahr hat es die Witterungmit dem kleinen Gärtnerteam des Schlossparks nicht wirklich gut gemeint", sagt Gästeführerin Katharina Müller. "Schon vor dem Wechsel zur Sommerbepflanzung war es über Wochen viel zu trocken. Täglich müssen die Rabatten und Pflanzschalen intensiv gewässert werden." Besonders angetan seien die Besucher von der Farbenpracht am Konzertplatz: Angelonie, Madagaskar-Immergrün, Sonnenhut, Ziersalbei, Pelargonien, Purpurglöckchen und vieles andere mehr wechseln im Rund der Rabatte am Bassin, beschreibt die Gästeführerin.

Auch unter der Erdoberfläche setzt sich die Trockenheit fort. Das Quellgebiet Thiemendorf, aus dem zum Beispiel Falkenau mit Trinkwasser versorgt wird, liefert normalerweise bis zu 500 Kubikmeter pro Tag. Derzeit sind es nur noch 190Kubikmeter, sagt der Technik-Chef des Wasser-Zweckverbandes ZWA, Ulrich Pötzsch. Weil der maximale tägliche Trinkwasserbedarf in Falkenau 130Kubikmeter beträgt, gibt es keinen Anlass zur Sorge. Und wenn doch, kann Falkenau von Flöha aus mit Talsperrentrinkwasser versorgt werden. Die Umstellung sei technisch unkompliziert, erläutert Pötzsch.

Für das Stadtgrün stellt Oederans Bauhof-Leiter Steffen Kempe schon seit mehr als einem Monat täglich bis Mittag zwei Mitarbeiter ab, die die Straßenbäume und die Sommeranpflanzungen bewässern. "Ob die Bäume den Sommer überleben, sehen wir erst im kommenden Jahr", sagt der Fachmann. Viele Blätter seien bereits gelb geworden. "Erstaunlich, wie gut sich aber die Bepflanzung gehalten hat." Und auch in Sachen Wasserwelten wundert sich Kempe: "Das Wasser kommt vom Hetzbach. Es reicht gerade noch so." (mit dahl, ka, ar)


Chemnitz verbietet die Wasserentnahme, Mittelsachsen und das Erzgebirge vorerst nicht

Vor genau einer Woche hat die Stadt

Chemnitz ein Schöpfverbot erlassen: Weder aus Flüssen noch aus Bächen darf Wasser entnommen werden, um damit beispielsweise angrenzende Gärten zu gießen. Selbst das Abschöpfen mit Eimern ist derzeit untersagt. Die Chemnitz führt momentan halb so viel Wasser wie normal, ist in der Stadt nur noch 27 Zentimeter tief. Auch die Zwönitz ist kaum mehr als ein Rinnsal. Wer gegen das Schöpf- und Pumpverbot verstößt, kann mit einem Bußgeld zwischen 1000 und 50.000 Euro belangt werden.

Eine Wassersperre ist im Landkreis Mittelsachsen nicht nötig und auch nicht in Planung, hieß es gestern auf Anfrage aus dem Landratsamt. Die Lage sei zweifelsfrei angespannt. Daher appelliere man an die Bürger, bei der unmittelbaren Nutzung der Gewässer sensibel zu sein.

Die Erzgebirger müssen aktuell mit keinen Strafen rechnen, wenn sie größere Wassermengen aus Flüssen entnehmen, so Pressesprecher Stefan Pechfelder. Verschärft sich aber die Situation, könnte das Landratsamt künftig auch die Nutzung durch Anlieger einschränken. (dy, ka, saho)

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