Paar erfüllt sich Traum vom Landleben

Max und Adrienne Sieber sanieren eine alte Mühle an der Flöha. Der 174 Jahre alte Bau bot einige teils teure Überraschungen. Fördermittel sind deshalb sehr hilfreich - bedeuten aber auch viel Bürokratie.

Grünhainichen.

Etwas mehr als acht Monate ist es her, dass Max und Adrienne Sieber den Kaufvertrag für die 1842 gebaute Schneidmühle "Emil Krug" unterschrieben haben. Und schon jetzt ist das 14.500 Quadratmeter große Areal samt Nebengebäude in der Nähe der Grünperga-Papierfabrik kaum noch wiederzuerkennen. Etliche Bäume sind verschwunden. Der gesamte Garten wurde entrümpelt. Viel Erde wurde bewegt - etwa für den Bau einer vollbiologischen Kläranlage und den neuen Abfluss des benachbarten rund 6000 Quadratmeter großen Teiches. Geblieben ist eine offene freundliche Wiese hinter dem Wohnhaus, das mittlerweile komplett entkernt wurde und derzeit ein neues Dach bekommt.

Rund fünf Jahre haben der gebürtige Grünhainichener (29) und seine Frau (37) gesucht, bis sie den passenden Platz gefunden hatten. Und schnell sei die Landromantik verflogen gewesen, als sich das Paar durch den nötigen Antragsdschungel kämpfen musste. Der angrenzende Forst, die Einleitung des Abwassers in den benachbarten Bach - das alles verkompliziere das Genehmigungsverfahren. "Ich hatte eine Liste mit 15 Behördennummern, die ich auch täglich gebraucht habe", scherzt Sieber.

Derzeit wohnen der selbstständige Bühnenbauer und die Verkäuferin am Chemnitzer Kaßberg. Statt 55 Quadratmetern in einer Wohnung leben die beiden künftig auf etwa doppelt so viel Wohnfläche - samt Keller, Dachboden und Flur hat das Haus gar 220 Quadratmeter. Die Lage der Mühle in Grünhainichen sei für die beiden der perfekte Kompromiss: Abgeschieden, aber trotzdem gut angebunden an Straße, Bahnhof und den Ortskern.

Mittelpunkt des Hauses soll ein Schmuckstück werden, auf das sich die Hausbesitzer besonders freuen: Ein komplett neuer Kachelofen samt Ofenbank und Backröhre. "Das ist eben unser Ding", so Max Sieber. Doch wer bei Kachelöfen an altertümliche Technik denke, der irre, wie der gelernte Schmied erklärt: "Die Steuerung wird komplett elektronisch sein, um auch das letzte bisschen Energie aus jedem Holzscheit zu holen." Der rund eineinhalb Tonnen schwere Ofen versorgt das Paar per Pufferspeicher und Solarunterstützung auch mit Warmwasser. Und auch eine Niedertemperatur-Wandheizung in den übrigen Räumen wird von der zentralen Wärmequelle versorgt.

"Einmal morgens anheizen reicht, danach gibt der Ofen 16 Stunden lang Wärme ab." Bei dem Projekt bekomme auch der Ofensetzer leuchtende Augen, berichtet Max Sieber und lacht.

Die Mühle der Siebers ist eines von insgesamt acht privaten Wohnungsbauprojekten, die im vergangenen April für die Leader-Förderung ausgewählt worden sind. Die insgesamt 19,6 Millionen Euro aus dem EU-Fördertopf für den ländlichen Raum werden in regelmäßigen Projektaufrufen noch bis 2020 an kommunale und private Bewerber vergeben. Über die Vergabe entscheidet ein Gremium aus Unternehmen, Privatleuten und Bürgermeistern der Region, erklärt Andrea Pötzscher, Regionalmanagerin beim für die Verteilung zuständigen "Verein Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal". Berücksichtigt werden allein Gebäude, die vor 1945 erbaut worden sind.

Für Max und Adrienne Sieber sind die maximal verfügbaren 30 Prozent Fördermittel eine willkommene Hilfe. Sie bedeuten aber auch mehr Arbeit. "Wichtig ist zu wissen, dass man alles vorfinanzieren muss", erklärt der 29-Jährige. Erst nach Einreichen der Rechnungen gibt es das Geld. "Die genaue Kostenkalkulation mussten wir außerdem abgegeben, noch bevor wir die erste Tapete von der Wand hatten. Das ist schwer abzuschätzen", so Max Sieber.

Und so kam es schließlich, dass beim Trockenlegen der Fundamente klar wurde: Der unterkellerte Anbau des Hauses würde die Baumaßnahme nicht überleben. Ein komplett neuer Anbau samt Keller und Fundament musste her. Geschätzte Zusatzkosten: 25.000 Euro.

Bis das Paar tatsächlich in der einstigen Mühle wohnt, wird es wohl noch bis Ende 2017 dauern. In den nächsten Monaten soll das Haus zunächst "wasserdicht von unten und oben" werden, wie Max Sieber es formuliert. Das Dach ist bald fertig. Und auch neue Fenster folgen in diesem Monat. Den Innenausbau stemmen Max und Adrienne Sieber dann komplett selbst - so schnell, wie es die beiden eben schaffen.

www.floeha-zschopautal.de

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