Papier aus Kitas irritiert Oederaner Eltern

Bürgermeister stoppt Aktion zur Entbindung von der Schweigepflicht

Oederan.

Mit ihrer Unterschrift auf dem strittigen Schreiben sollten die Erziehungsberechtigten einer "Entbindung von der Schweigepflicht" zustimmen. Problematisch: Das Papier wurde den Eltern ohne ein Wort der Erklärung übergeben.

René Schneider zeigte sich verblüfft über die ihm vorgelegte Schweigepflichts-Entbindung: "Ich erhielt das Papier im Hort der Kita Buddelflink", erzählt der Vater und Stadtrat von den Freien Wählern. "Ich hatte den Eindruck, die Kita brauche das unterschriebene Papier unbedingt. Allerdings lagen weder eine Begründung noch eine Erklärung bei." Stattdessen sollten Eltern Angaben zu ihrem Kind machen und es genehmigen, dass die Einrichtung selbst Daten an die einzelnen Erzieher geben darf. "Das hielt ich für durchaus legitim", sagte René Schneider.

Völlig daneben findet er dagegen die Schweigepflichts-Befreiung für alle möglichen Berufsgruppen und Institutionen, zum Beispiel Ärzte, Heilpädagogen, Therapeuten und auch das Jugendamt. Sie alle sollten mit den von den Eltern freigegebenen Angaben versorgt werden können. "In dieser Breite und so pauschal finde ich das unverantwortlich", kritisierte René Schneider das städtische Vorgehen bereits im Rahmen der Bürgerfragestunde bei der Juni-Stadtratssitzung in Oederan. Genau dort hatte Oederans Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler) die Aktion nach der öffentlich geäußerten Kritik sofort gestoppt. "Es ist nicht in Ordnung, wie das gelaufen ist", sagte das Stadtoberhaupt - und forderte Aufklärung: "Wir müssen auswerten, was da genau passiert ist."

Noch in der Sitzung gab Hauptamtsleiter Kevin Thiele zu, dass die Ausgabe der Papiere "ohne Erklärung unglücklich" gelaufen sei. Nicht nur in der Kita "Buddelflink" seien Eltern mit dem Papier um ihre Unterschrift gebeten worden. "Ein paar Zettel sind noch in der Kindertagesstätte Pusteblume in den Umlauf gekommen", räumte Kevin Thiele auf "Freie Presse"-Anfrage ein. "Wir haben diesen Sachverhalt intern geklärt. Und es wird mit Beginn des neuen Schuljahres ein neues Formular nur an die Eltern herausgehen, bei denen es für die Kinder auch wirklich notwendig ist." Damit verbunden ist künftig auch die angemahnte Erklärung. "Damit wollen wir erreichen, dass die Eltern umfassend informiert sind", sagte der Hauptamtsleiter.

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