Rathaus duldet an Straßen keine Wucher-Hecken mehr

Der Unmut über gestutzte Hecken an der Feldstraße in Flöha ist unvermeidlich. Die Stadt korrigiert aber nur vergangene Fehler.

Flöha.

Heidelinde Geyer trauert um ihre Hecke. Seit 1997 ist sie ungestört an der Feldstraße in Plaue gewachsen. Etwa 2,50 Meter hoch, bot die Tuja-Hecke nicht nur einen perfekten Sichtschutz, sondern war auch Nistplatz für Vögel und Rückzugsort für andere Lebewesen. Jetzt sieht die Hecke erbärmlich aus, nachdem sie zur Straße hin auf Anordnung der Stadtverwaltung gestutzt werden musste und nun nur noch die kahlen Pflanzenstämme präsentiert. Heidelinde Geyer hat für die Aufforderung zum Heckenschnitt kein Verständnis und klagt: Flöha will eine grüne Stadt sein und wird jetzt zu einer Stadt der verstümmelten Hecken.

Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha kennt die Hecken an der Feldstraße in Plaue, und er hat nicht nur mit Heidelinde Geyer persönlich gesprochen. Die Stadt Flöha hat 2016 ihre Straßenreinigungssatzung überarbeitet und dabei auch die Anliegerpflichten konkretisiert. Eine dieser Pflichten ist das Zurückschneiden von Hecken oder Bäumen, wenn sie zu weit in den Straßenraum hineinragen.

Die Straßenverkehrsordnung und das Sächsische Straßengesetz legen die Sicherheitsräume für Fahrbahnen und Gehwege fest, die sogenannten Lichtraumprofile. Für die Stadt gibt es keine Spielräume, sagt der OB. Holuscha räumt ein, dass die Stadtverwaltung in der Vergangenheit bei der Durchsetzung der Vorgaben nicht immer ausreichend konsequent gewesen sei. Das ist jetzt anders. Allein in diesem Jahr wurden etwa 50 Grundstückseigentümer angeschrieben und zum Hecken- oder Baumschnitt aufgefordert. Wie die Leiterin der zuständigen Verkehrsbehörde im Rathaus, Katrin Jope, sagt, seien nicht nur Privatpersonen, sondern auch Behörden oder Institutionen betroffen. "Wir machen da keine Ausnahme", sagt sie. Erst kürzlich hat sie eine Firma mit dem Heckenschnitt beauftragt, weil der Grundstückseigentümer nicht reagiert hat. Dafür bekommt er dann die Rechnung für die Arbeiten.

Im September 2018 wurden die gesetzlichen Regelungen zu Lichtraumprofilen im Stadtanzeiger und auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht. Vorausgegangen war eine Diskussion dazu im Technischen Ausschuss. Anlass waren auch wiederholte Klagen über Sichtbehinderungen durch wuchernde Hecken - zum Beispiel an der Einmündung der Wiesenstraße auf die Straße der Einheit in Falkenau.

Heidelinde Geyer hatte, nachdem die Aufforderung der Stadt zum Heckenschnitt Ende Februar im Briefkasten lag, die Hoffnung, dass der Stadtrat das Thema noch einmal behandelt. Sie hatte sich deshalb an den OB gewandt. Doch Volker Holuscha sieht keinen Handlungsspielraum für die Stadt. Auch die Nachbarn von Heidelinde Geyer entlang der Feldstraße sind inzwischen aufgefordert worden, die Sicherheitsabstände zwischen Straßenbord und Hecke zu gewährleisten. Es gab weitere Gespräche, sagt der OB und verweist darauf, dass es eine Alternative zum radikalen Heckenschnitt gibt: Die Neupflanzung mit Einhaltung der geforderten Abstände zur Straße.

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