Rosskopf und Partner baut Eis, das auch bei Hitze nicht schmilzt

Spezialaufträge wie der Gletscherraum im Archäologiemuseum in Chemnitz sind Alltag für die Firma aus Hennersdorf, die bald eine Neuigkeit präsentiert.

Hennersdorf.

Es war ein sehr spezieller Auftrag, sagt Andre Uhlig. Uhlig ist Tischlermeister, seit 2002 arbeitet er bei der Rosskopf und Partner AG in Hennersdorf und als ihm die Anfrage auf den Tisch flatterte, ob er nicht ein großes Stück Gletschereis bauen könne, dachte sich Uhlig: Warum nicht. Das Unternehmen Rosskopf und Partner ist auf solche speziellen Aufträge ausgerichtet. Der Mineralwerkstoff, der in den Hennersdorfer Werkstätten verarbeitet wird, bietet in Farbe, Form und Verarbeitung unendlich viele Möglichkeiten. Das Material besteht aus Polyester und Acryl sowie Farbpigmenten, ist aber kein Kunststoff. Es lässt sich ähnlich wie Holz bearbeiten, dazu aber thermisch verformen, Einzelteile werden derart maßgenau verbunden und poliert, dass eine hochwertige Oberfläche ohne Spalt entsteht.

Deshalb kann der 32 Jahre alte Uhlig auch sagen: "Eigentlich geht immer alles." Selbst die Illusion von Gletschereis ist machbar. Die Anfrage kam von einem Unternehmen aus der Schweiz, das mit dem Innenausbau des Staatlichen Museums für Archäologie in Chemnitz (smac) beauftragt war und einen Gletscherraum gestalten sollte. Raumhohe kantig-schroffe Eisplatten waren gefragt. "Das war schon sehr speziell", sagt Andre Uhlig, zumal die Eisplatten plastisch wirken sollten. "Besonders knifflig war es, die abstrakte Installation aus 2,60 Meter hohen Platten in einem komplett leeren Raum mit unverputzten Wänden und ohne Bezugspunkte zu errichten", sagt der Tischlermeister. Wie immer bei derart speziellen Aufträgen sucht man sich den Rat von Kollegen, sagt er, und überlegt, was man vielleicht schon Ähnliches gebaut hat.

Die zwölf Millimeter dicken Mineralwerkstoffplatten wurden auf spezielle Stahlgestelle montiert. Insgesamt 65 Quadratmeter Mineralwerkstoffplatten wurden verbaut. Der plastische Eindruck und die schroffen Abbruchkanten entstanden dank mehrerer Platten, die versetzt übereinander montiert wurden. Die weißen Mineralwerkstoffplatten sind transluzent, das heißt: teilweise lichtdurchlässig, wie etwa menschliche Haut oder Blätter es sind. So entsteht mittels hinter den Platten befindlicher Lichtquellen der Eis-Effekt.

Der Gletscherraum im smac war ein besonderer Auftrag, sagt Christin Bergmann, die bei Rosskopf und Partner Vorstand für Finanzen und Controlling ist. Wobei besondere Aufträge, wie schon gesagt, beinahe Alltagsgeschäft sind. Für das King Abdulaziz Center im saudi-arabischen Dhahran hat Rosskopf und Partner Wandverkleidungen und Möbel aus Mineralwerkstoff geliefert. Seit 2013 haben Monteure auf dieser internationalen Großbaustelle inmitten der saudi-arabischen Ölfelder gearbeitet.

Solche Projekte sind ein wichtiges Aushängeschild für das Unternehmen, das seit 1991 einen Produktionsstandort in Hennersdorf betreibt und sich hier auf die Verarbeitung von Mineralwerkstoff spezialisiert hat. Etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt die Rosskopf und Partner AG in Hennersdorf, noch einmal so viele sind es in Obermehler in Thüringen, dem Hauptsitz, wo vorrangig Quarz- und Naturstein sowie Porzellankeramik verarbeitet wird. Den Gesamtumsatz der AG beziffert Christin Bergmann mit rund 19 Millionen Euro, etwa die Hälfte davon wird in Hennersdorf erwirtschaftet. Bereits 1984 hat Firmengründer und Vorstand Helmut Roßkopf als gelernter Schreiner begonnen, Mineralwerkstoffe zu bearbeiten. Mehr als 30 Jahre Erfahrung haben dem Betrieb einen Wissensvorsprung verschafft, der Christin Bergmann heute behaupten lässt, dass es weltweit nur wenige Mitbewerber gibt.

Auf der Fachmesse Architect@ Work Anfang Dezember in Stuttgart wollen die Hennersdorfer eine neue Innovation vorstellen. "Wir werden unseren Mineralwerkstoff mit anderen Werkstoffen wie Holz oder Metall kombinieren", sagt Christin Bergmann. Details möchte sie noch nicht verraten, aber eine Überraschung garantiert sie.

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