Satellit lenkt Mähdrescher auf dem Feld

Die "Freie Presse" begleitet übers Jahr Landwirte in der Region. Das 1990 gegründete Familienunternehmen Böttger aus Oederan bietet neben dem Verkauf nicht nur Wartung an, sondern auch Schulungen für Fahrer und Monteure.

Oederan/Leubsdorf.

Der rote Mähdrescher Baujahr 1963 wartet auf seine Restaurierung. Doch Nico Böttger bleibt derzeit wenig Muse für sein Hobby, die Restaurierung des Oldtimers. Der Geschäftsführer des Oederaner Unternehmens D.Böttger Agrartechnik und Service GmbH hat alle Hände voll zu tun: Wartungsarbeiten und Spezialreparaturen an Landmaschinen und Winterdienstfahrzeugen stehen im Auftragsbuch. Sechs Mechaniker und drei Meister arbeiten in der 700 Quadratmeter großen Werkstatt - unter anderem am Austausch von Verschleißteilen wie Keilriemen und Häckslermessern.

Die Kunden kommen aus ganz Mittelsachsen. Nico Böttger ist froh, dass sich die Auftragslage seit Dezember spürbar verbessert hat. Klassische Winterarbeiten an Maschinen gibt es nicht mehr. "Durch die schwierige finanzielle Lage und aufgebrauchte Rücklagen warten viele Landwirte bis zum Frühjahr, schieben Wartungsarbeiten so lange es geht vor sich her", sagt Nico Böttger.

Die Digitalisierung spielt auch in der Landwirtschaft eine immer größere Rolle. Prozesse werden automatisiert: Mittels Sensortechnik wird der Zustand von Pflanzen und Tieren ermittelt. Ortungssysteme kommen zur Anwendung. Mit intelligenten Lösungen wird zielgenauer gewirtschaftet - zum Nutzen der Umwelt, der Nutztiere und der Verbraucher.

Auch für die Landwirte der Agroprodukt Leubsdorf ist die moderne Technik unentbehrlich geworden. Im Zuge des Neubaus der Milchviehanlage wurde vergangenes Jahr ein Futtermischwagen angeschafft. Die für die Kühe berechneten Futter- rationen werden nun genau vorgelegt. Es gibt weniger Nährstoffverluste vom Silo bis in den Trog und weniger Schwankungen in der Zusammensetzung. "Kühe mögen Kontinuität. Und das wirkt sich positiv auf die Milchleistung aus", sagt Thomas Wirth (30), einer der drei Geschäftsführer der Agroprodukt. Den Futtermischwagen haben die Leubsdorfer in Oederan gekauft.

Nico Böttger bietet in den Wintermonaten zusätzlich Schulungen für Fahrer, Monteure und Betriebsleiter an, die auch gut nachgefragt werden. Brauchte man früher für die Steuerung von Landmaschinen neben der Fachausbildung lediglich eine Fahrerlaubnis, erfordern Hightech-Maschinen heute ein hohes fachliches Wissen, angefangen bei der Ausbringung von Pflanzenschutz per GPS-Steuerung bis hin zum GPS-gesteuerten Mähdrescher. "Der Beruf des Landwirtes wird viel zu wenig geschätzt. Er muss zum einen die modernen Maschinen mit intelligenter Technik professionell bedienen und zum anderen den bürokratischen Aufwand beherrschen." Das "Bauer sucht Frau"-Klischee in Gummistiefeln und Mistforke vermittle einen vollkommen falschen Eindruck, sagt der 41-jährige Diplombetriebswirt. Er hoffe zusammen mit den Landwirten auf endlich faire Preise für Agrarprodukte und damit auf die nötige Anerkennung für diesen Berufsstand.

Der zweifache Vater weiß, wovon er spricht. Funkgesteuerte Traktoren, die untereinander kommunizieren und Fehlfunktionen sofort automatisch an die Zentrale weitergeben, gehören zum Lieferumfang der Land- und Agrartechnik. Mähdrescher, die akkurat parallel zum Feld fahren, und Futtermischwagen, die gleichbleibend präzise die Futtermenge zusammenstellen, lassen den Laien staunen. Nur selbstständig fahrende Landmaschinen gibt es noch nicht. Die sind in Deutschland verkehrsrechtlich nicht zugelassen. Aber Hightech hat auch ihren Preis: Der Wert eines Traktors mit 400 PS, Funksteuerung und Parallelfahr- system kann dann schnell mal die 240.000-Euro-Marke übersteigen.

Den Leubsdorfer Landwirten fällt es in diesem Jahr schwer, zusätzliche Investitionen zu tätigen. Die Milchviehanlage mit 1120 Kühen steht im Mittelpunkt der Planung. "Wir müssen uns schon sehr gut überlegen, in welche Reparaturen oder Neu- anschaffungen wir investieren", sagt Thomas Wirth, gelernter Landwirt und Bachelor für Agrarmanagement. Mähdrescher und Traktoren müssen optimal laufen, darauf konzentriere man sich. Generalüberholungen müssen warten, denn da kostet eine Anhängerüberholung bis zu 10.000 Euro. "Daraus ist in den vergangenen zwei Jahren nichts geworden, weil einfach keine finanziellen Reserven da sind", begründet Wirth die Entscheidung.


Der Familienbetrieb und die Genossenschaft in Zahlen

Die D. Böttger Agrartechnik und Service GmbH wurde 1990 von Detlef Böttger in Breitenau gegründet. Seit 2007 ist Sohn Nico Böttger ebenfalls Geschäftsführer. 2015 wurde nicht nur das 25-jährige Jubiläum der Firma, sondern auch der Umzug in einen modernen Neubau in das Gewerbegebiet Oederan gefeiert.

Das Familienunternehmen beschäftigt 21 Mitarbeiter. Neben Landwirten reicht der Kundenstamm vom Hobbygärtner bis zum landwirtschaftlichen Großbetrieb.

In modernen Werkstatt der Oederaner steht ein Lager von zirka 17.000Ersatzteilen zur Verfügung.

1993 wurde die Agroprodukt GmbH Leubsdorf gegründet. Im Unternehmen arbeiten 56 Beschäftigte und fünf Lehrlinge. Der Landwirtschaftsbetrieb ist ein Gemischtbetrieb mit dem Schwerpunkt Milcherzeugung. Grobfutter und Getreide wird aus eigenem Anbau gefüttert. Neben der Milchviehanlage mit zwei Ställen für 1642 Kühe und 300 Kälber gibt es eine Jungrinderaufzucht.

In der eigenen Biogasanlage der Leubsdorfer wird Strom für den Verkauf und die Gewinnung von Wärmeenergie für das Sozialgebäude erzeugt. Eine weitere Biogasanlage ist seit Dezember am neuen Standort ans Netz gegangen. (anpö)


Region soll mit EU-Fördermitteln zukunftsfähig werden

18 Kommunen aus dem Landkreis Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis mit 113.000 Einwohnern vereint der Verein zur Entwicklung der Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal. Das sind Augustusburg, Börnichen, Deutschneudorf, Eppendorf, Flöha, Frankenberg, Gornau, Großolbersdorf, Grünhainichen, Heidersdorf, Leubsdorf, Marienberg, Niederwiesa, Oederan, Olbernhau, Pfaffroda, Pockau-Lengefeld und Zschopau.

Mit Fördermitteln der Europäischen Union soll die ländlich geprägte Region in der Förderperiode 2014 bis 2020 lebenswerter und zukunftsfähig gestaltet werden. Der Verein wurde 2013 gegründet. (anpö)


Umsatz geht zurück

Die rund 5600 in den Handwerksrollen eingetragenen Landmaschinenfachbetriebe machten mit ihren knapp 44.000 Mitarbeitern 2015 einen Umsatz von rund 9,1 Milliarden Euro. Nach vier Jahren mit positiver Entwicklung war dies ein Umsatzminus von 2 Prozent.

Für das Jahr 2016 rechnet der Bundesverband Land-Bau-Technik für das Landtechnik-Handwerk und den Landtechnik-Handel mit einem Umsatzrückgang in ähnlicher Größenordnung. (Auszug aus dem Situationsbericht 2016/17 des Deutschen Bauernverbandes-DBV.)

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