Spinnerei Gückelsberg: Kreis fordert Sicherung der Ruine

Der private Eigentümer soll Auflagen der Bau- aufsicht erfüllen. Ob das Spekulationsobjekt damit sicher wird, ist ungewiss.

Flöha.

Die Landkreisverwaltung erhöht den Druck auf den Eigentümer der alten Baumwollspinnerei in Gückelsberg. Wie der Flöhaer Oberbürgermeister Volker Holuscha (Linke) jüngst im Technischen Ausschuss des Stadtrates informierte, gibt es eine Reihe von Auflagen zur Sicherung der Industriebrache.

So muss zum Beispiel bis Ende nächster Woche das Tor zum früheren Fabrikgelände dauerhaft verschlossen, der untere Teil einer Feuertreppe entfernt und mehrere lose Bauteile zur Straße beseitigt werden. Bis zum 28. Februar hat der Eigentümer den Auflagen zufolge Zeit, das frühere Küchenhaus abzureißen und die Abbruchteile fachgerecht zu entsorgen, heißt es im Schreiben der Bauaufsicht des Landkreises an den Eigentümer. Eine Anfrage an die Landkreisverwaltung zu den Auflagen und möglichen Konsequenzen blieb am Montag unbeantwortet.

Die frühere Baumwollspinnerei am Fabrikweg in Gückelsberg ist ein Sorgenkind der Stadt Flöha. Die Industriebrache befindet sich seit 2005 in Privatbesitz und wird aktuell als Teil eines Paketes mit verschiedenen Immobilien vermarktet. Der Eigentümer hat bislang die Forderungen der Stadt erfüllt und das Gebäude wiederholt gesichert. Doch wurden in der Vergangenheit immer wieder Fenster und Türen aufgebrochen, weil sich Fremde Zugang zum Gebäude verschafft haben. Wiederholt musste die Feuerwehr ausrücken, um Brände zu löschen. Die alte Spinnerei ist ein Einsatzschwerpunkt der Feuerwehr. Zuletzt brannte im Sommer 2017 ein Nebengebäude. Der Fabrikweg musste in der Folge tagelang gesperrt werden. Im vergangenen Jahr hatte Flöhas OB in einem Brief an den Beigeordneten des Landkreises, Lothar Beier, auf die insgesamt problematische Situation hingewiesen und mit Nachdruck ein Eingreifen des Landkreises gefordert.

Sylva Michèle Sternkopf, die 2005 die benachbarte Villa Gückelsberg gekauft und saniert hat, sagt, dass trotz Verbots immer wieder Kinder in der Ruine spielen würden. Die Schneelast der vergangenen Tage habe wieder ein Stück Dach einbrechen lassen.

Die Villa Gückelsberg ist nicht nur Sitz der Agentur Dr. Sternkopf Media Group, sondern ist auch das repräsentative Trauzimmer der Stadt Flöha. Mehr als 100 Hochzeiten finden hier jährlich statt - Tendenz steigend. "Das sind jeweils zwischen 30 und 50 Gäste", rechnet Sylva Michèle Sternkopf. "In der Summe also bis zu 5000 Besucher im Jahr." Alle müssen auf dem Weg zur Hochzeit an der bröckelnden Ruine vorbei. "Da höre ich natürlich häufig die Frage, was denn das ist", sagt Sylva Michèle Sternkopf. Sie weiß, dass es keine schnelle Lösung für das im Verfall begriffene Sorgenkind gibt. "Aber vielleicht könnten sich ja mehrere Käufer finden?" Sie selbst habe für einen Teil des Areals ein Kaufangebot abgegeben - allerdings erfolglos.

Die Stadt Flöha hat im Integrierten Stadtentwicklungskonzept bis 2030 das Stadtumbaugebiet Flöha nach Gückelsberg ausgedehnt. Es schließt jetzt die Baumwollspinnerei mit ein. Das eröffnet zumindest Möglichkeiten für Fördermittel. Kaufen würde die Stadt das Areal wohl nur zu einem symbolischen Preis. Im Konzept zur Stadtentwicklung sind die Beseitigung der denkmalgeschützten Industriebrache und die Renaturierung oder Revitalisierung der Fläche vorgesehen.

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