Sternstunde mit Mönchen und Mädchen

Premiere beim Augustusburger Musiksommer: Erstmals fand das Konzert am Abend und im Freien statt. Der Aufwand dafür hat sich gelohnt.

Augustusburg.

Keine Sterne am Abendhimmel - dafür aber eine Sternstunde beim Augustusburger Musiksommer gab es am Freitag für etwa 400 begeisterte Zuhörer bei den "Balladen unter Sternen". Eine laue Sommernacht unter rauschenden Lindenbäumen im Park vor der Augustusburger Stadtkirche St. Petri verlieh den romantisch-verträumten Balladen von Chopin, Liszt und Schumann eine perfekte Kulisse.

Ein Klavierkonzert unter freiem Himmel sei für ihn eine weitere Premiere innerhalb der Musiksommerpremiere, sagte Pascal Kaufmann, der Leiter des Musiksommers und Solist am Piano. Erleichtert schilderte er nach dem Konzert, dass sowohl der Transport des Schimmel-Flügels aus der schmalen Seitentür der Kirche als auch die technische Herausforderung bei dieser Open-Air-Veranstaltung geglückt seien. Weder der aufkommende Wind noch herabfallende Blätter beeinträchtigten das virtuose und gefühlvolle Spiel des 26-jährigen Kirchenmusikers.


Auch für Jörg Einert war es eine Premiere. Der Augustusburger glänzte in seiner Sprechrolle melodramatischer Klavierstücke. Als Schlossführer, in seinem Musikkabinett und als Standesbeamter ist er Auftritte vor Publikum gewohnt. Als Schauspieler betrat er neues Terrain. "Das letzte Mal habe ich Gedichte in meiner Schulzeit rezitiert", sagte der 51-jährige augenzwinkernd. Aber er sei eben immer offen für Neues und Partituren lesen wäre für ihn als Kirchenmusiker kein Problem, so Einert. Am Vormittag hatte er noch als "Brunnenmeister" eine Trauung im Schloss vollzogen. Am Abend ließ er traurige Mönche weinen, tapfere Helden sterben und junge Mädchen lieben.

Die Zuschauer honorierten den außergewöhnlichen Dialog aus Musik und Wort mit herzlichem Beifall. Für die Flöhaer Annemarie (74) und Ferdinand (79) Bauernfeind war es ein einmaliger Abend: "Die Musik hat uns sehr berührt, wir sind begeistert", sagten sie übereinstimmend. Auch für Familie Wießner aus Braunsdorf hat sich der Abend in Augustusburg gelohnt. "Es war eine wunderbare Idee, das Konzert im Freien zu machen", lobte der 70-jährige Ulrich Wießner. Überrascht habe ihn der moderate Eintrittspreis von 5 Euro. Anja Pigorsch-Mitsch (48) aus Grünhainichen konnte sich dem Lob nur anschließen: "Musik, Wetter, die einmalige Atmosphäre - es hat einfach alles gepasst. Hoffentlich bleibt uns diese Konzertreihe erhalten." Beeindruckt war sie auch von der stimmigen Ausleuchtung zur Musik. Der 18-jährige Georg Graebner, den Pascal Kaufmann bei einem Schulkonzert in Zschopau als Techniker kennengelernt hat, war für die Licht- und Tontechnik verantwortlich. Eine schwerwiegende Aufgabe für den Schüler, immerhin musste bei hochsommerlicher Temperatur etwa eine Tonne an technischer Ausrüstung bewegt werden.

Das Schlusskonzert des Musiksommers findet am 3. August in der Stadtkirche Augustusburg statt. Trompete und Orgel erklingen zu Werken von Bach und Mozart. Beginn ist 15 und 17 Uhr. Eintritt 5, ermäßigt 3 Euro.


Bruderhilfe im Musiksommer

Markus Kaufmann (28) hat am Sonnabend das 5. Bach-Concerto mit zwei Werken von Johann Sebastian Bach als Solist an der historischen Renkewitz-Orgel sowie am Cembalo im Zusammenspiel mit einem Streichquintett interpretiert.

Die etwa 320 Zuhörer in der Augustusburger Schlosskirche applaudierten den Musikern begeistert.

Als Domorganist und Intendant des Quedlinburger Musiksommers ergeben sich viele Parallelen zur beruflichen Laufbahn seines zwei Jahre jüngeren Bruders Pascal, dem Leiter des Augustusburger Musiksommers. Gemeinsam entdeckten die Brüder frühzeitig die Welt der Musik, ohne durch das familiäre Umfeld vorbelastet zu sein. Die Eltern sind Maschinenbauingenieure und spielen kein Instrument. "Vielleicht haben wir deshalb auch einen anderen, bodenständigen Blickwinkel zur Musik", sagt Markus Kaufmann. Nach dem Besuch der Musikschule in Lichtenstein studierte er Kirchenmusik an der Musikhochschule "Carl Maria von Weber" in Dresden. Als Solist konzertierte er unter anderem mit dem Sächsischen Sinfonieorchester Chemnitz und dem Festivalorchester Quedlinburg. Dass er seinen Bruder Pascal zum Augustusburger Musiksommer unterstütze, sei für ihn selbstverständlich, denn sie würden sich sehr gut ergänzen. (anpö)

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