Talsperre Euba: Reicht das Geld?

400.000 Euro sind derzeit für die Sicherungsarbeiten im Haushalt eingestellt. Es gibt jedoch Zweifel, ob diese Summe reicht. Dabei droht ein Totalversagen der Anlage.

Chemnitz.

Es war eine Grundsatzentscheidung der Chemnitzer Stadträte: Mit großer Mehrheit stimmten sie am 10. Februar für die Sanierung der Talsperre Euba. Zunächst soll die Staumauer saniert werden, danach ist die Erneuerung der gesamten Anlage geplant, bevor sich ein Naherholungszentrum auf dem Areal etablieren soll. Doch schon die Umsetzung des ersten Schrittes scheint schwierig zu werden.

Obwohl selbst die Stadtverwaltung in der von ihr erarbeiteten Beschlussvorlage die Sanierung der Mauer favorisierte und Kosten von 1,5 Millionen Euro veranschlagt hatte, wurde die Summe bislang nicht in den Haushaltsentwurf 2021/22 eingestellt.

Warum - darauf gibt es keine konkrete Antwort aus dem Rathaus. Die Umsetzung des Vorhabens sei von den vorhandenen Mitteln abhängig, heißt es. Stattdessen will das Baudezernat 400.000 Euro aufwenden, die im Topf für Ausgaben für wasserbauliche Anlagen zur Verfügung stehen. Diese Summe, so die Stadt, sei für die dringend nötige Sicherung und speziell für die Verhinderung des Zwangseinstaus von Wasser erforderlich. 2021 sollen die Planungen erfolgen und 2022 umgesetzt werden.

Die Staumauer ist aufgrund poröser Steine durchlässig, bei starken Regenfällen und Schneeschmelze droht Gefahr, dass sich Wasser unkontrolliert anstaut. Die Landesdirektion als Prüfbehörde fordert Sofortmaßnahmen, im Sicherheitsbericht für die Anlage wird die Sicherung ausdrücklich erwähnt. Selbst die Verwaltung betont in der Vorlage, dass zur Herstellung der Hochwassersicherheit bedeutende Arbeiten nötig werden. Es drohe ein "Totalversagen der Anlage".

Dass die 400.000 Euro zur Sanierung der Mauer reichen, bezweifelt der Eubaer Ortsvorsteher Thomas Groß. Er habe mit Experten über die Sicherung gesprochen, so Groß. "Für die Abdichtung der Mauer braucht man eine Million Euro." Er will nun das Gespräch mit der Stadt suchen. Vielleicht könne man einen Teil des Geldes, das eigentlich für die Kulturhauptstadt verwenden werden soll, nutzen, hofft er.

Für Stadtrat und Wasserbauingenieur Bernhard Herrmann hat die Stadt Chemnitz wegen der Sicherheitsmängel die Pflicht, unverzüglich zu handeln. Auch er ist skeptisch, ob die 400.000 Euro reichen. "Der Beginn der Arbeiten Mitte 2022 ist realistisch", sagt er dennoch. Aus seiner Sicht müsste der Betrag für die Planung und die Arbeiten, die bis Ende 2022 - und damit im Rahmen des Haushaltes - ausgeführt werden können, erst einmal reichen. Danach müsste dann weiteres Geld zugeschossen werden. (hfn)

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11 Kommentare
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  • 3
    0
    Tauchsieder
    20.02.2021

    Man lege sich entspannt zurück und lauscht den wehmütigen Stimmen aus dem Stadtrat. Und dies ist erst der Anfang, aber man wollte es so. Eine gewisses Schmunzeln lässt sich bei mir nicht verbergen. Da wird man noch staunen und man sollte da jetzt schon mal diesen und jenen Cent dafür beiseite legen. Das kommt dabei raus, wenn man schlauer wie die LTV sein wollte.