"Unser Problem ist Schönerstadt"

Langenstriegis bei Frankenberg kämpft gegen das Indische Springkraut. Ganz los- geworden ist der Ort die Pflanze aber bisher nicht. Wegen der Nachbarn aus Oederan?

Schönerstadt/Langenstriegis.

Herbst 2018. Im Erzgebirge und dessen Vorland hat sich das Indische Springkraut ausgebreitet. In der gesamten Region? Nein, ein kleines Dorf leistet seit Jahren Widerstand. Einen Zaubertrank hat man zwar nicht, aber im Frankenberger Ortsteil Langenstriegis packen fast alle Einwohner mit an, wenn es um die Bekämpfung dieser einst zur Zierde eingeführten Pflanzen geht.

Wie schädlich die sind, zeigen einige Schlagzeilen, die in der "Freien Presse" zu lesen waren. 2007 hieß es "Problempflanzen greifen an", drei Jahre später ging es darum, dass der Freistaat Anwohner für die Ufersicherung zahlen lassen will. Und vor einigen Wochen meldete Zschopau, dass dort die Behörden vor der auch als Drüsiges Springkraut bekannten Gefahr kapitulieren. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen bestätigte laut Sachbearbeiterin Britta Andreas die Ausbreitung. Das brachte wiederum den Langenstriegiser Ortsvorsteher Achim Thimann ins Spiel. Man sei gegen die Gefahr von außen zwar nicht immun, habe sie aber im Griff. Und Thimann kann sich auf seine Leute verlassen. Seine große Stütze ist sein Stellvertreter Jörn Mittenzwei.

Der zog schon 2004 in den Kampf gegen diese Neophyten, die seltsamen Pflanzen, die sich am Ufer der Kleinen Striegis im Dorf ausbreiteten und eigentlich schön anzusehen sind. "Wenn das oben blüht, haben sich unten aber schon Samen gebildet", warnt der heute 74-Jährige. "Dann ist es eigentlich schon zu spät." Die Gefahr, die vom Springkraut ausgehe, sei vor allem die Aufweichung der Uferbereiche. "Das Kraut lässt sich ganz leicht herausziehen. Das ist nicht gut. "Jedes kleine Hochwasser nimmt die Pflanzen mit und damit auch Erde vom Ufer."

Mittenzwei war im Berufsleben für Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) zuständig, betreute später auch die Bürgerarbeit: "Mit den Leuten konnten wir etwas gegen die Pflanzen tun, da hilft ja auch nur Handarbeit." Zudem wandte er sich an das Umweltamt der Stadt Chemnitz, bekam Info-Material und viele Tipps. Mittenzwei gestaltete Aushänge, verschickte Postwurfsendungen im Ort, sprach die Einwohner direkt an und bat um Mithilfe. Das macht der Ortschaftsrat bis heute so. "Ohne die Langenstriegiser selbst geht es nicht", sagt Mittenzwei, der sich auch als Rentner noch immer in der Verantwortung sieht.

Drei Mal im Jahr wird nun das Bachbett abgegangen, das Springkraut herausgerissen und später entsorgt. "Die Pflanzen dürfen nicht einfach auf den Kompost", warnt der Langenstriegiser. "Dort würden die Samen schnell wieder austreiben." So habe man in den ersten Jahren das Springkraut auf einer Betonfläche verdorren lassen und dann in Plastiksäcken entsorgt. Seit einiger Zeit hilft der Bauhof der Stadt Frankenberg. Mitarbeiter bringen die Pflanzen zur Heißkompostierung, das Springkraut wird also mit Dampf unschädlich gemacht.

Doch warum wird Langenstriegis das Springkraut nicht komplett los? "Unser Problem ist Schönerstadt", sagt Mittenzwei. Im Oederaner Ortsteil könne sich die Pflanze flussaufwärts immer noch ausbreiten, vor allem in einem Streifen an der Ortsgrenze, für den keine Kommune verantwortlich sein will. "Unser Bauhof entfernt schon ab und an wilde Pflanzen", versicherte Oederans Bauamtsleiterin Petra Wolf. Vom Einsatzwillen der Langenstriegiser zeigte sie sich beeindruckt: "Das ist wirklich stark." Flussabwärts in Hainichen-Berthelsdorf habe das Springkraut laut Mittenzwei dann schon wieder leichtes Spiel, allerdings auch in den anderen Frankenberger Ortsteilen.

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