Verband muss Defizit in Millionenhöhe loswerden

Müllentsorger mit Problemen - Mitglieder sollen Beträge zuschießen

Freiberg/Chemnitz.

Der Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC) benötigt von seinen Mitgliedern insgesamt 2,2 Millionen Euro mehr als bisher veranschlagt, um bis Jahresende zahlungsfähig zu bleiben. 958.100 Euro davon soll Chemnitz beisteuern, worüber am heutigen Mittwoch zu entscheiden haben. 946.000 Euro werden vom Kreis Mittelsachsen und 295.900 Euro vom Erzgebirgskreis erwartet.

Berechnet werden die Anteile nach der Anzahl der Einwohner, um deren Restabfälle sich der AWVC kümmert. Seit die Mülldeponie am Weißen Weg geschlossen und abgedichtet wurde, werden alle Abfälle aus den Restmülltonnen in der Stadt und den früheren Landkreisen Mittweida, Freiberg und Mittlerer Erzgebirgskreis in der Restabfallbehandlungsanlage neben der Deponie sortiert, getrocknet und zu Pellets gepresst, um zum Kraftwerk Jänschwalde gebracht und dort als Ersatzbrennstoffe (EBS) verbrannt zu werden. Dafür muss der AWVC zahlen - zuletzt immer mehr. Denn wegen der zunehmenden Produktion erneuerbarer Energien und wegen des Corona-bedingt gesunkenen Strombedarfs fährt das Braunkohlekraftwerk seine Kapazität zurück. Momentan sucht der AWVC Lagerplätze für Restmüll, weil das Kraftwerk nicht mehr alles abnimmt, sagte Chemnitz' Bürgermeister Miko Runkel, der AWVC-Verbandschef.

Andere Gründe für das Millionendefizit nennt ein Verbandsrat. So habe das seit den 1990er-Jahren für die Sanierung der Deponie Weißer Weg gesparte Geld wegen ausgebliebener Zinsen nicht gereicht, um die Kosten zu decken. Zudem wurde die Deponie-Abdichtung aufgrund der trockenen Witterung schneller abgeschlossen als erwartet - wodurch Rechnungen zeitiger fällig wurden. Und auch das Umsetzen von Blockheizkraftwerken auf der Deponie sei teurer geworden als geplant.

Laut Stadtverwaltung Chemnitz sind die Fehlbeträge beim AWVC seit Jahren gewachsen - von 700.000 Euro im Jahr 2016 auf voraussichtlich 8,2 Millionen 2019. Bis 2018 konnte dieses Minus aus Guthaben ausgeglichen werden, die aber nun aufgebraucht sind. 2019 musste der Verband einen Kredit aufnehmen, um Kosten zu decken. Bis Ende 2023 soll diese Überschuldung abgebaut werden. Dafür sollen die Mitglieder voraussichtlich 2021 und 2022 nochmals insgesamt 3,3Millionen Euro zahlen. Und auch eine neue Abfallgebührenkalkulation steht im Raum. Doch dafür fehlt ein Beschluss der Verbandsversammlung.

Für den Landkreis Mittelsachsen ist eine Gebührenerhöhung derzeit allerdings kein Thema. "Die Gebührenkalkulation des Landkreises umfasst die Jahre 2020 und 2021, sodass sich die Gremien des Landkreises voraussichtlich nach der Sommerpause 2021 diesem Thema zuwenden werden", betonte Kreissprecher André Kaiser am Dienstag. "Sprich: Wie sich die Gebühren dann entwickeln, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhersagen."

Den Beitrag aus Mittelsachsen über rund 946.000 Euro, um die Zahlungsfähigkeit des Verbandes zu erhalten, trennt Kaiser klar von Gebühren: Es handle sich um einen "Betrag, der durch den Kreis über eine Umlage aus seinem Haushalt getragen werden muss. Dies erfolgt aus der wirtschaftlichen Situation und unabhängig vom Gebühren". Das Thema stehe in einem der nächsten Ausschüsse der Kreisräte auf der Tagesordnung. (mib/grit)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.