Vom Dorfladen ins Volkshaus

Nach der Wahl von Thilo Walther zum neuen Ortsvorsteher fragen sich die Falkenauer, wie es mit dem Einkaufsmarkt im Ort weitergeht.

Falkenau.

Thilo Walther (57) will nach seiner Wahl zum neuen Ortsvorsteher in Falkenau trotz der neuen Aufgabe Vorstandsvorsitzender der Dorfladengenossenschaft bleiben. "Ich werde meine Stundenzahl reduzieren, was dem Dorfladen betriebswirtschaftlich zugute kommt", sagte Thilo Walter, der am Donnerstagabend per Losentscheid zum neuen Ortsvorsteher gekürt wurde, am gestrigen Freitag.

Er löst damit Martin Müller ab, der von 1990 an Bürgermeister und seit dem Zusammenschluss von Falkenau und Flöha 2011 Ortsvorsteher war und der ebenfalls für eine weitere Amtszeit kandidiert hatte. In zwei Wahlgängen hatten beide Kandidaten jeweils drei Stimmen erhalten. Deshalb musste im dritten Anlauf das Los entscheiden, das Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha aus der Spendendose für die Ortspyramide zog, die kurzerhand zur Lostrommel erklärt worden war.

Die Wahlperiode des Ortsvorstehers beträgt fünf Jahre. Grundsätzlich ist der Ortsvorsteherposten ein Ehrenamt, das jedoch vergütet wird. Die Höhe der Entschädigung ist gesetzlich festgelegt und orientiert sich an den Beträgen für ehrenamtliche Bürgermeister, deren Höhe sich wiederum an der Einwohnerzahl der Gemeinde bemisst. Die Entschädigungssätze hat der Freistaat 2018 deutlich angehoben, um das Ehrenamt zu stärken. Falkenau zählt etwa 1900 Einwohner.

Wäre Falkenau eigenständig, würde ein ehrenamtlicher Bürgermeister monatlich 2293 Euro Aufwandsentschädigung erhalten. Weil es das nicht ist, bekommt ein Ortsvorsteher 25 Prozent der Vergütung des ehrenamtlichen Bürgermeisters. Für Falkenau heißt das konkret: monatlich 573,25 Euro. Dazu kommen Sitzungsgelder für Stadt- und Ortschaftsrats- sowie Ausschusssitzungen, die Walther aber als gewählter Stadt- und Ortschaftsrat sowieso bekommt.

Der scheidende Ortsvorsteher Martin Müller war der erste Gratulant nach dem Losentscheid. Ortschaftsrat Andreas Kluge schlug vor, Müller zum stellvertretenden Ortsvorsteher zu machen. Darüber muss der Ortschaftsrat in einer der nächsten Sitzungen entscheiden. Thilo Walther sagte gestern, dass es am Montag eine Beratung bei OB Volker Holuscha geben werde, wo das Wechsel-Prozedere abgestimmt werden soll. Fest steht, dass er weiterhin Dienstagnachmittag für Bürgeranliegen im Volkshaus erreichbar sein wird. Er freue sich auf die neue Aufgabe, für ein konkretes Programm sei es zu früh. "Wir haben in Falkenau viel Positives erreicht, aber wir haben auch einiges zu tun", sagte Thilo Walther und lobte die Arbeit seines Vorgängers. Einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Ortsvorsteher sieht er darin, das oft angespannte Verhältnis zwischen der Stadt Flöha und dem Ortsteil Falkenau zu entkrampfen.

Theoretisch könnte mit der Wahl von Thilo Walther zum Ortsvorsteher ein Kandidat der CDU-Wahlliste in den Ortschaftsrat nachrücken. Da Walther aber zur Kommunalwahl am 26. Mai der einzige CDU-Kandidat für den Falkenauer Ortschaftsrat war, gibt es keinen Nachrücker und Walter bleibt als Ortsvorsteher zugleich Ortschaftsrat.


Fürs Protokoll: Es gibt keinen Schreiber mehr

Der Falkenauer Ortschaftsrat hat ein Protokollproblem. Bislang hatte Cornelie Sell die Protokolle der Ortschaftsratssitzungen verfasst. Aber sie hat den Sprung in den neuen Ortschaftsrat nicht geschafft, und eine Anfrage, ob sie trotzdem weiterhin die Sitzungen protokollieren will, sei unbeantwortet geblieben, sagte der scheidende Ortsvorsteher Martin Müller am Donnerstagabend. Unter den sechs neuen Ortschaftsräten hat sich bislang kein Protokollführer gefunden. Deshalb forderte Müller, dass die Stadt Flöha einen Verwaltungsangestellten oder eine Verwaltungsangestellte als Protokollant oder Protokollantin zu den Sitzungen des Ortschaftsrates nach Falkenau schickt. Er stellte einen entsprechenden Beschlussantrag zur Abstimmung im Ortschaftsrat.

Das war der Augenblick, als sich Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha als Gast der Sitzung zu Wort meldete. Er wies darauf hin, dass die Protokoll-Aufgabe pro Sitzung mit 20Euro vergütet werde, dass das Protokoll laut Sächsischer Gemeindeordnung Aufgabe des Ortschaftsrates und nicht der Stadtverwaltung sei und dass der Falkenauer Ortschaftsrat über ein jährliches Budget von 2500 Euro verfüge, wovon im Vorjahr nur 860 Euro verwendet worden seien. Die Stadtverwaltung werde jedenfalls keinen Angestellten als Protokollführer nach Falkenau entsenden.

Daraufhin wurde die Protokoll-Beschlussvorlage zurückgezogen. (mbe)

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