Vom Paddeln und Treibenlassen in Flöha

Den Sommer verbringt man in Mittelsachsen am besten in der Natur. "Freie Presse" hat für Sie die schönsten Aktivitäten getestet. Heute: Kanufahren

Flöha/Plaue.

Gerade mussten wir die Boote wenden, weil das Wasser zu niedrig geworden war. Rund 500 Meter vor unserem Ziel, dem Erdmannsdorfer Freibad. Da sehen wir Bewegung: ein blau leuchtendes Etwas verschwindet im grünen Dunkel des dicht bewachsenen Ufers. Ich zücke die Kamera, doch er ist weg: Der Eisvogel. Bestimmt in seine Höhle, vermutet Christian Rößler. Er zeigt mir den Abschnitt der Zschopau, den er wie seine Westentasche kennt. Nicht vom Ufer aus, sondern vom Kanu, denn Rößler ist Vorsitzender des Flöhaer Kanusportvereins. Dort trainiert er 11- und 12-Jährige darin, möglichst schnell mit dem Rennsportboot auf dem Fluss unterwegs zu sein. Nach dem Training aber nimmt er sich Zeit - und an diesem Abend mich mit.

Mit der Zwickauer und der Freiberger Mulde durchqueren zwei große Flüsse Mittelsachsen, aber auch ihre Zuflüsse sind teilweise befahrbar. Die Flöhaer Kanuten haben dieser Tage trotz Niedrigwasser die Gelegenheit zum Paddeln, denn oberhalb des Stauklappenwehres im Flöhaer Ortsteil Plaue steht das Wasser. Am Bootssteg am Gelände des Vereins liegen zwei Kanufreizeitboote für uns bereit. Diese liegen stabiler im Wasser als die schmalen Rennboote, erklärt Rößler. Die leichten Kunststoffkanus sind schnell ins Wasser gehoben, und mit ein bisschen Hilfe ist auch der Einstieg kein Grund, ins Wasser zu fallen. Nass wird man eigentlich nur beim schnellen Paddeln - und das ist im Sommer eine willkommene Erfrischung, ebenso wie ein Bad in der Zschopau, das sich nicht weit vom Vereinsgelände zwei Leute gönnen. Am anderen Ufer stehen Angler, die aber kein Glück haben. "Zu warm", sagt einer von ihnen achselzuckend.

Eigentlich kann man vom Bootshaus aus eine fast 2,5 Kilometer lange Runde drehen: Flussabwärts bis kurz vors Wehr und flussaufwärts bis nach Erdmannsdorf und zurück. Christian Rößler fährt sie häufig, zum Ausgleich. Normalerweise wird dabei kaum gesprochen. "Dann geht es nur um das Kanu, die Bewegung und das Wasser vor dem Bug", sagt er. Oft, vor allem abends nach dem Training, wenn der Fluss wieder zur Ruhe kommt oder am Morgen, ist er dabei nicht allein: Mal steht ein Graureiher im flachen Wasser, mal fliegt der Milan über den Paddler. Greifvögel schätzen die Überflutungswiese nebenan, erklärt er. Nutrias sind die einzigen Säugetiere, die er regelmäßig ins Auge fasst. Vor kurzem hat er eine Blindschleiche beobachtet, die sich flink durchs Wasser schlängelte. Was wir zu sehen bekommen, lässt sich vorher nicht sagen: "Die Natur ist ja kein Zoo." Wildenten mit Jungen sind häufig da, berichtet er. Und so paddeln wir gemächlich flussaufwärts. Bald taucht die Augustusburg vor uns auf. Ab und zu stört Motorenlärm die Idylle, sonst hören wir nur das Zirpen der Grashüpfer und das Eintauchen der Paddel.

Es dauert nicht lang, da wird der Grund der Zschopau sichtbar. Zwischen den Steinen huschen kleinere Fische umher. Döbel und Rotflossen, vermutet Christian Rößler. Ab und zu sehen wir sie springen. Dann trennen nur noch wenige Zentimeter Boot und Steine, und wir beschließen, es für heute gut sein zu lassen. Zurück zum Bootshaus lassen wir uns treiben. Die Landschaft zieht vorbei. Die Wasseroberfläche wirkt jetzt wie ein Spiegel, und wir schwimmen auf den Wolken.

Flussabwärts wartet noch ein bisschen Geschichte: Das Backsteinfundament des alten Badehauses und das Wehr selbst, fast 100 Jahre alt. Seit 1580 wird der Fluss an dieser Stelle gestaut. Heute ist er lebendiger als vor der Wende, schätzt auch Rößler, seit 1962 Kanut. "Es gibt ja kaum noch Industrie, die Abwässer einleiten", sagt er. Dass der Eisvogel ein Indikator für gesunde Gewässer, ist, lese ich erst später beim Naturschutzbund. Während wir die Kanus an Land ziehen, parkt ein Wohnmobil auf der Wiese ein. "Immer mehr Camper kommen auf der Durchreise vorbei", erzählt Rößler. Wie schön es an der Zschopauaue ist: Es spricht sich langsam herum.

Checkliste für das Mini-Abenteuer auf dem Wasser - Kanufahren 

Wer kann Kanu fahren?

Nahezu jeder: Die Freizeitboote sind kippelsicher, Kentern ziemlich ausgeschlossen. Wer schon Boot gefahren ist, sollte kaum Probleme haben. Zudem gibt es Hinweise beim Ausleihen.

Was sollte man mitbringen?

Eigentlich nichts. Es gibt Schwimmwesten für Kinder und Nichtschwimmer. Wer schwimmen will, sollte Badesachen mitbringen. Es ist auch möglich, über Nacht zu bleiben: Auf dem Gelände ist Platz für zehn Wohnmobile und fünf Zelte, Dusche und Toilette sind vorhanden. Campingausrüstung muss mitgebracht werden.

Wie funktioniert das?

Die Ausleihe ist mittwochs bis freitags 14 bis 20 Uhr in der Vereinsgaststätte möglich, am Wochenende ab 11 Uhr.

Was kostet das?

Ein Ruderboot oder ein Kanufreizeitboot kosten acht Euro pro Stunde. Die Übernachtung mit Caravan (inklusive Dusche, Toilette, Strom) 20 Euro für zwei Personen. www.ksv-floeha.de

Gibt es weitere Kanuverleihe?

Ja, zum Beispiel das Abenteuercamp Lauenhain, zusätzlich geführte Touren beim Kayak-Service Waldenburg.

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