Von Schönheit zu Glück und zurück

Sieben Jahre lang war Roland Herrig Pfarrer in Augustusburg. Dann zog er mit seiner Frau nach Teneriffa in ein Abenteuer.

Santa Cruz de Tenerife.

Aber sicher habe er sich verändert: "Ich bin sechs Jahre älter geworden, die Haare werden grauer", sagt Pfarrer Roland Herrig (52). Seit sechs Jahren lebt er mit seiner Frau Andrea auf der Kanaren-Insel Teneriffa. Zuvor war er sieben Jahre lang Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Petri in Augustusburg und damit für Augustusburg, Erdmannsdorf und Hohenfichte zuständig. Er sei auch etwas gelassener geworden, sagt Roland Herrig, und damit wohl auch fröhlicher und freundlicher. "Hier ticken die Uhren etwas langsamer als in Deutschland, ich kann nur hoffen, dass ich mich auch in Zukunft weniger stresse und stressen lasse", sagt er.

Anfang 2011 ist das Ehepaar nach Teneriffa umgezogen. Roland Herrig hat dort die Pfarrstelle in der deutschsprachigen evangelischen Kirchgemeinde Teneriffa Süd übernommen. Die Evangelische Kirche in der Provinz Santa Cruz de Tenerife umfasst die Inseln Teneriffa, La Palma, La Gomera und El Hierro und gliedert sich in einen Bereich Süd und einen Bereich Nord. In diesem Gebiet wohnen ständig circa 20.000 deutschsprachige Menschen. Während des Winterhalbjahres kommen im Schnitt etwa 100.000 Langzeit- und eine Million Kurzzeiturlauber hinzu. Roland und Andrea Herrig waren 2010 über eine Ausschreibung der Pfarrstelle gestolpert, hatten zunächst gezögert. Als die Stelle ein halbes Jahr später erneut ausgeschrieben war, bewarb sich Roland Herrig. "Es hat uns gereizt, etwas Neues anzufangen", hatte er damals gesagt. Die beiden Kinder waren erwachsen, Andrea Herrig hatte die Möglichkeit, sich von ihrem Lehrer-Job beurlauben zu lassen. Das Abenteuer konnte also beginnen. Die Herrigs freuten sich damals auf die Vielfalt der Biografien und eine Vielzahl von Lebensgeschichten.

Die Erwartungen wurden erfüllt, sagt Roland Herrig heute: "Wir haben Menschen kennengelernt, die der Gemeinde und untereinander herzlich verbunden sind und uns in ihre Gemeinschaft aufgenommen haben." Die Aufgaben sind vielfältig. Ein typischer Alltag: Vormittags Vorbereitungs-, Verwaltungs- und Organisationsarbeit. Es gibt keine angestellten Mitarbeiter, also wird alles selbst erledigt. Nachmittags Anwesenheit oder aktive Angebote im Haus der Begegnungen. "Dort ist Montag bis Freitag etwas los - Tanz, Chor, Literaturkreis, Bibelgespräche, Kaffeetreff", sagt der Pfarrer. Wichtig seien vor allem Begegnungen und Gespräche. Abends finden gelegentlich Sitzungen statt oder der Pfarrer absolviert Besuche. "Einmal in der Woche trifft sich der Gospelchor, den ich gegründet habe", sagt Herrig. Sonntags leitet er bis zu drei Gottesdienste, einmal im Monat setzt er samstags mit der Fähre nach La Gomera über, um dort einen Gottesdienst zu halten und Zeit mit den Gemeindemitgliedern zu verbringen. "Meine Frau übernimmt viele Aufgaben, die eigentlich meine wären", sagt Roland Herrig: Besuche, Gespräche, Geburtstagspost, Anrufe, Küche, Kuchenbacken. "Sie ist für mich die engste und wichtigste Mitarbeiterin. Ohne sie würde hier vieles nicht so gut laufen wie es läuft."

Eigentlich wäre Roland Herrigs Vertrag im kommenden Februar ausgelaufen. "Wir konnten noch bis Juli verlängern", sagt er. Gern wären die beiden noch länger geblieben. Aber die Beurlaubung von Andrea Herrig ist begrenzt. Roland Herrig wird also im kommenden Sommer nach einer neuen Stelle in Deutschland Ausschau halten. Das Ehepaar ist beruflich an Sachsen gebunden. "Das wird spannend, aber wir sind voller Gottvertrauen und bisher immer gut geführt worden.

"Wir sind unendlich dankbar für diese Zeit unter südlicher Sonne. Das hat uns, glaube ich, insgesamt gut getan", sagt Roland Herrig. Kürzlich schrieb er auf seiner Facebook-Seite: "Deutschland ist schön. Teneriffa macht glücklich." Vermisst haben die beiden die Nähe von Freunden und Verwandten. Über Facebook halten sie mit ihnen Kontakt. Roland Herrig schreibt regelmäßig einen Internet-Blog "Der Inselpfarrer". Im Urlaub hat das Ehepaar die Nachbarinseln erkundet, oft sind sie aber auch in Deutschland gewesen, um Freunde und Verwandte zu besuchen. "Wenn wir wieder in Deutschland sind, werden wir wohl regelmäßig nach Teneriffa reisen", sagt Roland Herrig. Es sind ja nur gut vier Flugstunden. Außerdem muss Roland Herrig noch sein Spanisch verbessern. Das ist nach gut fünf Jahren immer noch nicht richtig gut, klagt er, weil im Alltag eben leider zu oft Deutsch gesprochen werde.

http://inselpfarrer.blogspot.de/


Ein Vulkan im Meer

Teneriffa ist die größte der Kanarischen Inseln und gehört zu Spanien. Die Vulkan-Insel hat eine Fläche von 2034,38 Quadratkilometern und ist mit einer Million Einwohnern die bevölkerungsreichste Insel Spaniens.

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