War Fehler im Cockpit Absturz-Ursache?

Die Experten der Bundesstelle für Flugunfälle haben ihre Untersuchung zum Unfall im September 2015 beendet. Sie gehen nicht von einem technischen Versagen aus.

Langhennersdorf.

Die Bilder vom Unfallort sahen dramatisch aus. Mitten in dem Garten eines Wohnhauses war im September 2015 ein Segelflugzeug zerschellt. Der hintere Rumpf war mehrfach zerbrochen. Die Insassen - ein Fluglehrer und sein Schüler - kamen mit dem Schrecken davon. Sie konnten sich mit Fallschirmen in Sicherheit bringen. Knapp anderthalb Jahre nach dem Unfall liegt der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfallsicherung vor. Daraus ergibt sich: Das Unglück ist wohl auf menschliches Versagen zurückzuführen.

13 Seiten umfasst das Schriftstück, das die Bundesstelle im Internet veröffentlicht hat. Anhand der Aussagen von Fluglehrer und -schüler sowie mittels technischer Untersuchungen haben die Experten ein relativ klares Bild vom Unfallhergang bekommen.


Demnach startete das Segelflugzeug des Modells "Bocian" um 14.45Uhr vom Flugplatz Langhennersdorf. Nach 800 Metern wurde das Schleppseil ausgeklinkt. Nach kurzer Zeit machten sich Lehrer und Schüler daran, das Trudeln zu üben. Nach einer Umdrehung wollte der Schüler das Flugzeug stabilieren, was ihm aber nicht gelang. Das Flugzeug reagierte nicht - es trudelte weiter. Nach fünf bis sechs Umdrehungen habe der Lehrer dann in einer Höhe von 400 Metern das Kommando zum Aussteigen gegeben, legt der Bericht dar.

"Die vordere Kabinenhaube sei durch den Schüler abgeworfen worden, der Schüler habe die Gurte gelöst, und als er sich zum Aussteigen nach vorne beugte, begann die Trudelbewegung aufzuhören", wird der Fluglehrer darin zitiert. "Da sei es aber schon zu spät gewesen, den Ausstieg rückgängig zu machen."

Eine technische Ursache für den Unfall schließt die Bundesstelle nahezu aus. Sie sei "nicht wahrscheinlich": "Die Tatsache, dass am Unfalltag ein anderer Fluglehrer problemlos mit dem ,Bocian' bei zwei Übungen Trudelübungen durchgeführt hatte, spricht dafür, dass das Segelflugzeug technisch einwandfrei funktionierte."

Stattdessen gehen die Experten "mit hoher Wahrscheinlichkeit" davon aus, dass das Flugzeug-Ruder nicht richtig bedient wurde. Dies habe das unbeabsichtigte Nachdrehen zur Folge gehabt. Ob der Lehrer oder der Schüler dafür verantwortlich war, ist ungeklärt. Der Schüler gab laut Bericht an, dass der Lehrer allein das Seitenruder getreten habe. Der Lehrer sagte dagegen, dass der Schüler das Seitenruder nicht ausreichend betätigt habe und er den Ruderausschlag anschließend nochmals verstärkte.

Hinzu kommt wohl, dass auch der Fluglehrer einen weiteren Fehler machte. Er hatte nach seiner Aussage und laut Flugschüler das Segelflugzeug für die Trudelübung so ausgerichtet, dass es in der Luft eher zum Heck neigte. "Zu einem späteren Zeitpunkt der Untersuchung revidierte er seine ursprüngliche Aussage dahingehend, dass er sich nicht an diese Aussage erinnern könne", heißt es im Bericht.

Die Experten führten deswegen Praxistests durch. Anfang Oktober 2015 stellten sie in Ascherleben das Trudeln mit einer "Bocian" nach. Dabei stellten sie aber fest, dass die Ausrichtung allein nicht ausschlaggeben für das anhaltende Trudeln gewesen sein konnte. Sie gehen deswegen davon aus, dass die hecklastige Ausrichtung des Flugzeuges den Effekt noch verstärkte, der durch die ungeeignete Ruderführung entstanden war. Konsequenzen sind mit dem Bericht des Bundesamtes nicht verbunden. Ein Sprecher sagte, die Behörde sei nur dafür da, die Hintergründe eines Vorfalls aufzuarbeiten und nicht dafür, mit dem Finger auf eine Person zu zeigen.

Auch seitens des Fliegerclubs Langhennersdorf, der auch Mitglieder aus Frankenberg und Mittweida hat, gebe es derzeit keine Festlegungen etwa zur Unterrichtstätigkeit des Fluglehrers, erklärte Vereinsvorsitzender Marc Wallus: "Mehr möchte ich dazu nicht sagen; das hieße, über Dritte zu sprechen." Der Betroffene selbst lehnte eine Stellungnahme gegenüber der "Freien Presse" ab. (mit jan)

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