Weggefährten gedenken eines Barden

Der bekannte Sänger, Musiker und Entertainer Matthias Brade aus Großschirma verstarb im Alter von 68 Jahren. Er hinterlässt eine große Lücke.

Großschirma.

Matthias Brade ist tot. Der weit über die Grenzen Mittelsachsens hinaus bekannte Musiker, Erzähler und Schauspieler, der in Großschirma wohnte, verstarb unerwartet am 9. August im Alter von 68Jahren. Die Trauerfeier findet laut einer Traueranzeige am 28.August um 11 Uhr auf dem Zentralfriedhof in Freiberg statt. Im Anschluss erfolgt die Erdbestattung auf dem Friedhof in Großschirma.

Die Nachricht vom plötzlichen Tod des Barden hat tiefe Betroffenheit ausgelöst. Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) sagte, dass Matthias Brade "als Mensch und Künstler" fehlen wird - "mir und sicher sehr vielen Freibergern". Krüger: "Als ,Stimme Ottos' wird er sicher nicht nur mir noch lange im Ohr klingen. Wir haben mit Matthias Brade einen wachen Geist und konstruktiven Kritiker verloren." Er habe Brade als Jugendlicher das erste Mal erlebt - und seitdem unzählige Male - oftmals als Vater August. "Leider ist der letzte Auftritt von ihm für unsere Stadt nun auch schon fast ein Jahr her - zur 7. Freiberger Nachtschicht", fuhr der OB fort.

Auch Großschirmas Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP) zeigte sich von der Nachricht sehr betroffen. "Meine Frau und ich hatten ein sehr gutes, freundschaftliches Verhältnis zu Matthias. Leider litt er in seinen letzten Jahren unter Parkinson", so Schreiter. "Er war ein kluger, scharfsinniger und zugleich überaus humorvoller Mensch. Dabei war seine Art von Humor stets mit einem großen Wissen um geschichtliche und politische Zusammenhänge und Hintergründe gepaart, hatte immer Niveau und war niemals von Plattheiten geprägt." Von Brade sei immer eine positive Ausstrahlung ausgegangen. "Er hat viele Festlichkeiten in unseren Orten, im großen wie im kleinen Kreis, durch seine Auftritte bereichert. Dieses Charisma ist nur wenigen Menschen gegeben", sagte Schreiter. Auch als Einwohner und Mitbürger habe Brade das Zusammenleben in Großschirma bereichert. "Wir werden sein Andenken in unseren Erinnerungen und Herzen bewahren", so Schreiter.

Zutiefst berührt über den Tod von Matthias Brade zeigte sich Patrizia Meyn, die Geschäftsführerin der Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde Schlossbetriebe. "Ich kannte Matthias Brade schon über 25 Jahre, da wir früher gemeinsam als Musikerkollegen auf der Bühne standen. Kurfürst August war seine Paraderolle, die er mit Leidenschaft und Hingabe gespielt hat",sagte die Schlosschefin. Sie schätze Brade als Mensch, Schauspieler und Musiker und sei "sehr dankbar, ihn über viele Jahre erlebt zu haben". Im Vorstand des Förderkreises Augustusburg/ Scharfenstein/Lichtenwalde habe er mit seinem Enthusiasmus und seinen Ideen die Vereinsarbeit geprägt.

Matthias Brade wurde 1950 in Wallroda bei Dresden geboren. In einem Gespräch mit der "Freien Presse" erinnerte er sich einmal: "Als Junge hatte ich stets die Gitarre meiner Mutter in der Hand - eine ganz einfache Wanderklampfe. Und im Lexikon las ich nach, wie man sie stimmt. Dann habe ich mir die ersten Akkorde rausgesucht - so ging es los."

Die Klavierausbildung in seiner Kinder- und Jugendzeit in Dresden auf der einen Seite, die Gitarre auf der anderen. Immer wieder spielte der Heranwachsende den Rock-'n'-Roll-Klassiker "Tutti frutti" von Little Richard - schließlich auch in seiner Schule. "Das war der Startschuss für unsere Schulband", erinnerte er sich. Bands bestimmten seine Freizeit, später auch neben seiner Lehre als Werkzeugmacher und darüber hinaus.

Als er von Dresden nach Freiberg zog - wegen seiner damaligen Frau -, arbeitete Brade im Brand-Erbisdorfer Press- und Schmiedewerk. Tätig als Ausbilder für Polytechnik, war es nebenher wieder die Musik, besser die Singegruppe "Solidarität", als deren Chef er musizierte. Zudem gehörte er der Freiberger Lyrikgruppe an und trat für das Kreiskabinett für Kulturarbeit als Sprecher auf.

In einem Talente-Ausscheid bei Heinz Quermann schaffte Brade es bis in die Endrunde. Er gewann zwar nicht, dennoch: "Das Gremium wollte mich fördern", erzählte Brade. Über die Konzert- und Gastspieldirektion erhielt er Auftrittstermine und tourte mit seiner Gitarre zu Soloauftritten durch die damalige DDR. Ein privates Gesangsstudium, eine Sprachausbildung bei Gerda Röder in Dresden und Solistenkurse für Chanson an der Dresdner Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" folgten. Ab 1985 war Brade als freischaffender Künstler unterwegs. Seine Programme bestritt er oft gemeinsam mit Berufskollegen.

Als Clown Matti wurde Brade einer ganzen Generation von Kindern bekannt. "Die Stunden mit Kindern haben am meisten Spaß gemacht", sagte er. Es sei ihm nie auf großes Künstler- oder Stargehabe angekommen. "Ich wollte dem Publikum in meiner Heimatregion immer eine Botschaft vermitteln, die es gern annimmt", brachte er es auf den Punkt. So plauderte er auf der Augustusburg im Gewand von Kurfürst Vater August gemeinsam mit Birgit Lehmann als Kurfürstin Mutter Anna über das Leben der Wettiner in der Mitte des 16. Jahrhunderts.

24 Jahre lang gestaltete der Musiker und Barde die Veranstaltungsreihe "Brades Musikcafé" in der Chemnitzer Stadthalle. Dabei interviewte er auch Heinz Florian Oertel und Heinz Quermann. Während Oertel ihm als Moderator ein fairer Gast war, der seine Fragen beantwortete, wollte Quermann auf der Bühne sein eigenes Ding machen. Das aber hatte Brade schon geahnt: "Ich wusste, Quermann liebt Pudding. Hinter der Bühne stand eine Schüssel davon parat. Als er redete, redete, redete und sich von mir nicht unterbrechen ließ, gab ich ein Zeichen. Der Pudding wurde gebracht, ich reichte ihn Quermann - er war sprachlos."

Eine bühnenreife Aktion startete Matthias Brade zur Rettung des Mittelsächsischen Theaters: Als Kurfürst Vater August verschafften er und die ebenfalls kostümierte Theatergeschäftsführerin Christine Klecker sich 2004 zur Grundsteinlegung im Schloss Freudenstein Zugang in den Hof. Dort überreichte er Sachsens damaligem Ministerpräsidenten Georg Milbradt die fast 30.000 Unterschriften für den Erhalt des Theaters. Milbradt hatte zuvor gesagt, dass Theaterbesucher ja auch nach Leipzig, Dresden und Berlin fahren können. Die Fördervereine Freiberg und Döbeln baten deshalb wochenlang vergeblich um einen Termin zur Listenübergabe in der Staatskanzlei. Brades und Kleckers Aktion hatte Erfolg: Das Theater in Freiberg/Döbeln gibt es heute noch.

Matthias Brade ist tot. Schlosschefin Meyn sagte gestern: "Er ist viel zu früh gegangen. Mein Mitgefühl ist bei seiner Familie." Und damit spricht sie wohl vielen Menschen aus der Seele.

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