Wie der Dreißigjährige Krieg auch rund um Freiberg wütete

Vor 400 Jahren begann eine Fehde, die Tod und Verderben in die Dörfer der Region brachte. Daran erinnert der Kulturhof Kleinvoigtsberg. Ein Pfarrer aus Langhennersdorf trug das Geschehen einst zusammen.

Kleinvoigtsberg.

Am Ende waren auf dem Gebiet des heutigen Deutschland ganze Landstriche entvölkert. Gebietsweise, so schätzen Historiker heute, verloren zwei Drittel der Menschen in diesem Konflikt ihr Leben. Dahingerafft nicht nur bei den Kampfhandlungen, sondern vor allem auch von Hunger, Not und Seuchen. Der Dreißigjährige Krieg, eine Auseinandersetzung zwischen europäischen Großmächten und Herrscherhäusern um Religion, Macht und Vorherrschaft, stellte alles Vorherige in den Schatten. Und er machte, wie am Sonntag im Kulturhof Kleinvoigtsberg berichtet wird, auch um die Region um Freiberg keinen Bogen.

"Was damals los war, ist heute unvorstellbar", sagt Monika Hageni, eine Organisatorin und Mitwirkende der Veranstaltung unter dem Titel "Frauenschicksale - Menschenschicksale". Sie und ihr Mann, Pfarrer im Ruhestand Rainer Hageni, greifen dazu auf ein kleines Büchlein zurück, das einst der damalige Langhennersdorfer Pfarrer namens Königsdörffer 1879 veröffentlicht hat. "Verwüstung der Kirchfahrt Langhennersdorf im Dreißigjährigen Krieg", heißt das Buch. Rainer Hageni ist es noch aus seiner Zeit als Pfarrer in Langhennersdorf vertraut.

"Ich kenne das Pfarrarchiv sehr genau", sagt er. Was der damalige Pfarrer geleistet habe, sei eine "unwahrscheinliche Fleißarbeit", das Buch sei ein "Schatz" - vor allem vor dem Hintergrund, dass Seifersdorfer und Langhennersdorfer Gerichtsakten 1945 und 1946 im Kartoffeldämpferfeuer landeten.

Die Bewohner der Dörfer rund um Freiberg mussten besonders bluten, wenn die Stadt belagert wurde. 1632 - Sachsen lag damals mit Schweden im Krieg - waren es kaiserliche Truppen, die Freiberg belagerten. Nachdem Sachsen die Seiten gewechselt hatte, belagerten die Schweden gleich zweimal die Stadt, 1639 sowie 1642/1643, beide Male letztlich erfolglos. Aber für die Umland-Dörfer erwiesen sich die Belagerungen als Katastrophe. Ganze Ortschaften waren danach ausgelöscht. Königsdörffer schilderte, wie einer seiner Amtsvorgänger namens Marggraf vor heranrückenden Schweden nach Freiberg geflüchtet war. Dort fiel er der Pest zum Opfer. Er wurde in der alten Jakobikirche begraben. Eine seiner Töchter heiratete den nachfolgenden Langhennersdorfer Pfarrer. Doch auch der erlag nach einem Jahr der Pest. Auch berichtet Königsdörffer, wie die Söldner die Syphilis in die Dörfer brachten. Die Krankheit war im Tross mit seinen Prostituierten alltäglich. Wenn die Heere über die Dörfer herfielen, waren Vergewaltigungen an der Tagesordnung. So wurde die Krankheit verbreitet. "Die Leute starben jämmerlich über Jahrzehnte", sagt Rainer Hageni.

Aus dem Museum des Dreißigjährigen Krieges in Wittstock hat er die Geschichte einer Frau mitgebracht, die als 14-Jährige in Danzig einen sächsischen Feldhauptmann heiratete und fortan mit ihm über die Schlachtfelder Europas zog. Fünf ihrer sechs Kinder starben unterwegs, bevor sie selbst bei der Schlacht in Wittstock 1636 getötet wurde. Von da an dauerte es noch zwölf Jahre bis zum Westfälischen Frieden. Ein Frieden, der für Rainer Hageni einen neuerlichen Wendepunkt markierte. "Es gab keine Sieger", bilanziert Hageni. "Es war der erste Kompromiss-Frieden in der europäischen Geschichte.

Termin "Dreißigjähriger Krieg. Frauenschicksale - Menschenschicksale" heißt die Lesung am morgigen Sonntag 17 Uhr im Kulturhof Kleinvoigtsberg mit Waltraud Götze und Rainer und Monika Hageni sowie dem katholischen Pfarrer Wolfgang Gramer an der Orgel und am Klavier. Die vorgetragenen Texte können mitgenommen werden. Eintritt frei - Spenden erbeten.

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