Wo Jugend Politik macht - und wo nicht

Mitten in Sachsen: Die Idee, einen Jugendkreistag für Mittelsachsen zu gründen, verlief im Sande. Doch im Lokalen bringen sich immer mehr junge Leute politisch ein.

Freiberg/Flöha.

Die Pläne der Jugendlichen waren groß, als sie ihrem Parlament kurz vor der Kreisreform einen neuen Namen gaben: Aus dem Freiberger Jugendkreistag sollte der Jugendkreistag im Landkreis Mittelsachsen werden - ein Parlament, das die Interessen von jungen Leuten im neu gegründeten Verwaltungsgebiet vertreten sollte. 2006 ins Leben gerufen, hatte sich das Gremium in der Freiberger Region beispielsweise eingemischt, als es um Schulschließungen ging, den häufigen Unterrichtsausfall kritisiert und an Schulen gegen die Raucherzimmer der Lehrer gekämpft.

Doch der Kreisreform 2008 hielt das Projekt nicht Stand. Nur zwei Jahre nach seiner Gründung verlief es im Sande. Überraschend war das nicht für jeden. Schon damals hatte Stefan Zinkler, zu dieser Zeit Kreisbeigeordneter in Freiberg und Betreuer des Jugendparlaments im Altkreis, in der "Freien Presse" gewarnt, dass ein Jugendkreistag für ganz Mittelsachsen eine logistische Herausforderung werden würde. Denn bereits in der Freiberger Region war es aufwendig, die Sitzungen für die 51 Jugendlichen zu organisieren.

Ähnlich äußert sich heute Landkreissprecher André Kaiser. "Für Jugendliche ist die wohnortnahe Beteiligung praktikabler", sagt er. Nach wie vor liege es jedoch im Interesse der Kreisverwaltung, Jugendliche auch in die politischen Themen Mittelsachsens einzubeziehen. Kaiser verweist in diesem Zusammenhang auf den lokalen Aktionsplan "Toleranz ist ein Kinderspiel", dessen Ziel es unter anderem sei, Jugendliche an politischen Prozessen zu beteiligen. Der Begleitausschuss, bestehend aus Vertretern von Vereinen, Behörden und des Kreistags habe sich aber dafür ausgesprochen, entsprechende Projekte zunächst auf kommunaler Ebene zu unterstützen. Auch auf Kreisebene gibt es laut Kaiser mehrere Organisationen, in denen sich Kinder- und Jugendliche aktiv einbringen können, "von der Kreisjugendfeuerwehr über den Kreisschülerrat bis zur Kreissportjugend".

Bestrebungen, Kinder und Jugendliche auch in politische Prozesse einzubinden, gibt es hingegen im Lokalen (siehe nebenstehenden Beitrag). In Brand-Erbisdorf etwa existiert seit 2013 ein Jugendparlament, ein Jahr später wurde für die Jüngeren zusätzlich ein Junior-Parlament ins Leben gerufen. Erst in der vergangenen Woche wurden die Junior-Bürgermeisterin und ihre Stadträte neu gewählt. Sie wollen sich für Verkehrssicherheit und mehr Trampoline im Stadtgebiet einsetzen.

Die Stadt Freiberg war 1996 eine der ersten Städte im Osten, die ein Kinder- und Jugendparlament initiierte. Zu den größten Erfolgen des kurz "Kipa" genannten Gremiums zählt die Wasserspielanlage im Freiberger Albertpark, die diesen Sommer eröffnet wurde.


Jugend und Politik: Lust in Flöha, Frust in Geringswalde

Die Jugendstimme Flöha trifft

sich seit Sommer 2017 regelmäßig im Jugendzentrum "Ufo". Initiiert hat das Projekt Nicole Sacher (35) innerhalb ihres Sozialpädagogik-Studiums.

Unterstützung erfuhr es von Beginn an von Flöhas Oberbürgermeister Volker Holuscha (Linke), der sich mehr Mitsprache junger Menschen in der Stadtpolitik wünscht. Die 17 beteiligten Jugendlichen wurden in die Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes einbezogen. Die Wünsche der Jugendlichen: eine Skaterbahn und Möglichkeiten für legale Graffitis in Flöha.

In Geringswalde ist die Situation

eine andere. Hier hatte sich der Linken-Stadtrat Robert Sobolewski seit Jahren für ein Jugendparlament stark gemacht. Auf Anregung von Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos) wurde Ende 2017 schließlich ein

Jugendstammtisch eingeführt. Doch die Idee fällt auf keinen fruchtbaren Boden. Beim ersten Stammtisch war nur ein junges Mädchen vor Ort, beim zweiten Anlauf vor gut einer Woche blieb die Jugend dem Stammtisch gänzlich fern. Ob ein dritter Versuch gestartet werden soll, ließ Arnold

daraufhin offen. (mbe/lkb/grün)

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