Mit Spannung wird die Nässe vertrieben

Seit mehr als 20 Jahren ist die Firma Drymat aus Niederwiesa Experte für das Trocknen von Mauern. Nun soll das Verfahren patentiert werden.

Niederwiesa.

Landwirte, Förster, Kleingärtner klagen über den zweiten trockenen Sommer in Folge. Manche Hausbesitzer freuen sich, da plötzlich die ständig feuchten Kellermauern zu trocknen scheinen. Doch der Schein trügt - das Mauerwerk bleibt feucht, da über Jahrzehnte "eingewanderte" Salze die Feuchtigkeit festhalten.

Feuchtigkeit in Wänden, insbesondere aufsteigende Feuchtigkeit, ist ein Problem in etwa 87 Prozent aller alten Wohngebäude, sagt Frank Lindner. Seine Firma Drymat in Niederwiesa vertreibt mit aktuell 14 Mitarbeitern seit mehr als 20 Jahren mit einem elektrophysikalischen Verfahren die Feuchtigkeit aus Gebäudemauern. Das System wird in Sachsen produziert und wurde auch hier entwickelt.

Die Firma Drymat Systeme ist inzwischen am Markt etabliert. Lindner muss kaum noch Überzeugungsarbeit leisten. Inzwischen geht es darum, weitere Neuheiten zu entwickeln. "Daran arbeiten wir aktuell mit wissenschaftlicher Unterstützung", sagt Frank Lindner. Zugleich stehe das Patentverfahren kurz vor dem Abschluss, sagt er.

Vorteile des Drymat-Systems, so Lindner, sind der geringe bauliche Aufwand sowie der wartungsfreie und preiswerte Betrieb der Anlage und die schnelle Trocknung, die sich fortlaufend beobachten lässt. Sichtbar ist nur ein kleines Kästchen, etwa so groß wie ein Stromzähler. Ins Mauerwerk wird eine zwei Millimeter schmale Nut gefräst, in der ein Kabel verlegt wird. Daran sind in regelmäßigen Abständen etwa 20 Zentimeter lange und sechs Millimeter dünne Anoden angeschlossen, die komplett im Mauerwerk verschwinden. Unterhalb des Fundaments werden die Kathoden in die Wand gebohrt. An diesen dank der anliegenden Spannung negativ geladenen Elektroden sammeln sich die positiv geladenen Salz-Ionen, die zuvor im Mauerwerk verteilt waren und wie Schwämme das Wasser angezogen haben. "Ein Gramm Salz kann bis zu 10 Milliliter Wasser aufnehmen und binden", sagt Lindner. Die Kathoden-Linie wirkt als horizontale Feuchtigkeitssperre - solange die Anlage in Betrieb ist, die Spannung also anliegt.

Die Abdichtungsebene liegt also unter dem Haus, was dazu führt, dass auch der Fuß- oder Kellerboden gegen aufsteigende Nässe geschützt sind. "Im Dauerbetrieb verbraucht die Anlage so viel Energie wie ein Klingeltrafo", sagt Frank Lindner. Das sind etwa drei bis sechs Watt, jährlich also wenige Kilowattstunden. Die jährlichen Energiekosten betragen Lindner zufolge etwa 10 Euro. Da alle Leitungen und Elektroden aus Edelmetall gefertigt sind, ist das System praktisch wartungsfrei.

Auch das Steuersystem ist alterungsgetestet. Drymat gewährt Lindner zufolge 20 Jahre Garantie darauf. Der Geschäftsführer verweist zudem auf den Spezialmörtel, mit dem die Anoden ummantelt werden und der den Trocknungseffekt verstärke.

Das seit gut 60 Jahren angewandte Verfahren funktioniere unabhängig vom Baustoff und von der Mauerstärke. Nach einem halben Jahr könne die Feuchtigkeit bereits um die Hälfte oder komplett reduziert sein. Aktuell arbeitet das Unternehmen aus Niederwiesa an mehreren Mehrfamilienhäusern in Mylau im Vogtland.

Zu den Referenzobjekten, die mit dem Drymat-Verfahren trockengelegt wurden, gehören städtische Wohnungsbaugesellschaften sowie international die Ermitage in Sankt Petersburg oder das Königsschloss Amalienborg in Kopenhagen. Das von Beginn an in Niederwiesa ansässige Unternehmen ist ISO-zertifiziert und präqualifiziert, sagt der Geschäftsführer stolz. Das heißt, das Verfahren ist für öffentliche Ausschreibungen zugelassen.

Zweimal wurde die von Frank Lindner gegründete und geführte Firma im Top-100-Innovationswettbewerb ausgezeichnet. Zuletzt landete Drymat im Vorjahr unter den Top-10-Firmen. Der Wettbewerb, dessen Gesicht der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist, bewertet mittelständische Unternehmen in ganz Deutschland nach ihrem Innovationsmanagement und dem Wachstumsklima. Neben Drymat Systeme gehört zum Beispiel die Volksbank Mittweida zu den Top-100-Unternehmen aus Mittelsachsen. Lindner sieht trotz trockener Sommer für die Zukunft weiteres Wachstumspotenzial für sein Unternehmen, sowohl in Deutschland als auch international.

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