Ärger um schnelle Hilfe für Tiere

Obwohl es genug Tierärzte gibt und alle am Notfalldienst teilnehmen müssen, bleiben Lücken. Fachleute machen dafür auch die Halter verantwortlich.

Rochlitz.

Vielen Tierbesitzern scheint es selbstverständlich, dass im Notfall immer ein Veterinär- mediziner erreichbar ist. Die meisten Praxen sind nachts und an den Wochenenden für ihre Kunden durchgehend erreichbar. Manche Tierhalter berichten allerdings, dass sie lange telefonieren mussten und aufgefordert wurden, Nutztiere wie Kuh oder Schaf etwa bei Geburtskomplikationen ins Fahrzeug zu laden und zum Arzt oder in die Tierklinik zu bringen.

Die Teilnahme am Notdienst sei Berufspflicht, bestätigt Kathrin Haselbach, die Geschäftsführerin der Sächsischen Landestierärztekammer. Mit vier Gemeinschafts- und 54 Einzelpraxen ist der Landkreis nach ihren Angaben gut versorgt. Lediglich vier der Tierärzte, die über 65 Jahre alt sind, haben sich vom Notdienst befreien lassen."Es ist aber ratsam, dass sich jeder, sobald er sich Tiere zulegt, um einen eigenen Tierarzt kümmert", betont Landestierärztekammer-Präsident Uwe Hörügel. Dann sei im Ernstfall ein Ansprechpartner da. Ihm seien aus der Region keine Probleme des so betreuten Klientels bekannt.


Wie der Rochlitzer Tierarzt Sebastian Jentzsch erklärt, sind in seiner Praxis drei Veterinärmediziner rund um die Uhr bemüht, kranken Tieren schnellstmöglich zu helfen. Wochenendnotdienst biete die Praxis alle zwei Wochen an, dieser werde aus einem großen Einzugsgebiet genutzt. Unzufrieden ist Jentzsch damit, dass sich etliche Praxen im Umkreis nicht am Notdienstsystem über den eigenen Kundenkreis hinaus beteiligen.

Der Milkauer Tierarzt Thomas Klingenberger ist für die Besitzer seiner Patienten außerhalb der Sprechzeiten da, wenn sie an der Tür klingeln oder anrufen. "Ich habe die Praxis im Haus, und ich gehe ans Telefon", sagt er. Im Klinikbetrieb habe er über mehrere Jahre viele Notdienste geleistet. Sie sind nach Ansicht zahlreicher Tierärzte eine hohe Belastung und wenig lukrativ.

Die Probleme reichten von der Arbeitszeit bis hin zu Streit mit Tierbesitzern, die für Nachtarbeit keine Zuschläge bezahlen wollten oder über die Kosten für die Anfahrt schimpften, schildert Tierärztin Ute Neuber, die Praxen in Hainichen und Oederan betreibt. Sie rät Tierhaltern, sich genau zu informieren, wenn sie im Notfall nicht allein dastehen wollen. Wer beispielsweise tragende Tiere habe, sollte nicht denken, dass alles im Selbstlauf funktioniere, so Neuber.

Jeder sollte seine Ansprechpartner kennen und wissen, ob der Notdienst nur auf Klein- oder auch auf Großtiere eingerichtet ist. Zudem müsse auch beachtet werden, dass selbst im Notdienstsystem, an den sich wie im Altkreis Flöha nach einem festen Plan viele Praxen beteiligten, niemand als Lückenbüßer in andere Regionen gerufen werden wolle.

"Es gibt unaufschiebbare Fälle, aber kein Kollege kann stets einen Rund-um-die-Uhr-Dienst anbieten", erklärt eine andere Tierärztin. Oft hätten sich zudem Probleme bereits morgens angekündigt, zum Telefon werde aber erst abends gegriffen. Auf der Suche nach einem Helfer in der Not werde dann herumtelefoniert, berichtet der Mittweidaer Tierarzt Wolf-Albrecht Popp. Er ist in einer Gemeinschaftspraxis tätig, in der sich vier Veterinärmediziner in die Notdienste teilen. So könnten an 365 Tagen die 24-Stunden-Dienste abgesichert werden, sagt Popp.

Sie seien jedoch für die Klienten aus dem ohnehin großen Einzugsgebiet der Praxis, das sich bis an die Grenzen zum Chemnitzer Land und fast bis Rochlitz erstreckt, gedacht. "Weitere Strecken, etwa ins Erzgebirge, fahren wir nicht", so Popp. Auch wenn das am anderen Ende der Leitung schon für Enttäuschung gesorgt hat. Das sei nicht zu leisten. Natürlich tue ihm jeder Tierhalter leid, der um sein Tier bangen müsse. Andererseits gäbe es Haustierbesitzer, die kurz vor Mitternacht anriefen, weil Hund oder Katze Durchfall hätten. Dabei handele es sich jedoch nicht um Notfälle.

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