Altmittweida steht vor der Gretchenfrage

In der kommunalen Kita wird es eng. Für das kommende Jahr gibt es schon mehr Anmeldungen als Plätze. Ob der vom Gemeinderat favorisierte Anbau eine Lösung ist, steht indes noch nicht fest.

Altmittweida.

Das Hin und Her um eine Erweiterung der Altmittweidaer Kindertagesstätte geht weiter. Der im April wiedergewählte Bürgermeister Jens-Uwe Miether (parteilos) und die Gemeinderäte wollen durch einen Anbau mehr Platz für die Kinder in Krippe und Kindergarten schaffen. In einer Debatte zur Ratssitzung am Montag ging es vor allem darum, wie das Vorhaben finanziert werden soll.

Er plane mit rund 500.000 Euro, sagte Miether. Benötigt werden nach seiner Darstellung mehrere zusätzliche Zimmer, unter anderem für Beschäftigungen und als Aufenthaltsraum für eine Gruppe sowie auch für zusätzliche Sanitär- und Garderobenanlagen. Um zügig loslegen zu können, könnte die Kommune Geld vorstrecken. "Ganz ohne Fördermittel zu bauen, wäre allerdings Frevel", so Miether. Die dafür nötige Kreditaufnahme stößt auch im Gemeinderat auf Widerstand. Der Landkreis könne immerhin bis zu 75 Prozent Zuschuss zur Schaffung von Plätzen im Bereich der Kindertagesstätten gewähren, erklärte der Ortschef. Sollte es von dieser Seite kein Geld für den Kita-Anbau geben, bleibe noch die Möglichkeit der Förderung innerhalb von Leader. Das EU-Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum könne ebenfalls Vorhaben unterstützen, die für die Menschen einen Mehrwert, etwa an Lebensqualität, bringen. Allerdings seien in diesem Programm nur 50 Prozent Zuschuss vorgesehen.

Obwohl eine Förderung aus keinem Programm sicher scheint, soll die Verwaltung nach dem Willen der Räte einen Fördermittelantrag erarbeiten und zuerst beim Landratsamt in Freiberg einreichen. Eine Lösung sei damit noch nicht in Sicht, doch die Zeit dränge, urteilte das Gremium. Als Pferdefuß bezeichneten es Kita-Leiterin Ramona Bauer, dass für die Einrichtung in den nächsten Monaten zwar mehr Kinder vorgemerkt sind, als nach der aktuellen Betriebserlaubnis Plätze vorhanden sind. Doch wenn die Behörde den Andrang als vorübergehenden Zustand werte, könne das vermutlich auch per Sondererlaubnis überbrückt werden, erklärte sie. Wie Miether bestätigte, rechnet der Landkreis mit dem Rückgang der Einwohner- und Geburtenzahlen. Die Kita in Altmittweida platzt jedoch aus allen Nähten. "Wir haben 99 Plätze, davon 26 in der Kinderkrippe und 73 im Kindergarten", verdeutlichte Bauer. Ab März 2019 sollen nach ihren Angaben 101 Mädchen und Jungen betreut werden. Entsprechende Voranmeldungen lägen bereits vor, sagte sie. In den darauffolgenden Monaten erwarte sie zudem einen weiteren Anstieg des Bedarfs. Dann könnte die Zahl der Kinder die jetzige Zahl der Plätze um etwa zehn übersteigen, so ihre Prognose. Aus Sicht der Räte ist es höchste Zeit, einer Verschlechterung der Betreuungsbedingungen entgegenzuwirken. Dafür sprach sich unter anderem Gemeinderat Ralph Steiner (CDU) aus. "Es ist für die Kinder, die Erzieher und die Eltern wichtig, dass es nicht nach unten geht", sagte er. Verbesserungen, auch wenn diese letztlich zu einem Anstieg der Kosten führen, sind aus seiner Sicht wünschenswert.

Gruppenstärken an der Grenze des Erlaubten sieht auch Miether als Problem. "Die Betriebserlaubnis gibt Gruppen mit 16 Kindern her. Wir wissen jedoch, dass es mit vier Kindern weniger schon viel Lärm und Durcheinander gibt." Personal, das die Kommune auch künftig nach Tarifvertrag bezahlen will, ist dafür laut Miether vorhanden. Mehrausgaben aufgrund steigender Gehälter seien im Haushalt bereits eingeplant, sagte er. Statt Kita-Gruppen noch zusätzlich aufzustocken, solle also angebaut werden. Der steigende Bedarf ergebe sich unter anderem durch Zuzüge und durch einen hohen Anteil von berufstätigen Eltern, die Kinder in der Krippe betreuen lassen. Auf diese besonderen Gegebenheiten im Ort solle im Fördermittelantrag hingewiesen werden, sagte Miether.

Platz für einen Anbau ist laut Bauer auf dem Kindergartengelände. Die Betreuung der Krippen- und Kindergarten- sowie der Hortkinder erfolge bereits in drei Gebäuden, erklärte sie. Derzeit werden vier Kindergarten-, zwei Krippen- und eine altersgemischte Gruppe betreut. Hinzu kommen drei Gruppen im Hort im Grundschulgebäude, in denen bis zum 78 Mädchen und Jungen aufgenommen werden können.

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