Amazon: Nachts könnte es lauter werden

Bevor der Konzern sein neues Verteilzentrum in Frankenberg in Betrieb nimmt, will er von Lärmgrenzen befreit werden. In der Frage müsste der Stadtrat dem Investor aber noch entgegen kommen.

Frankenberg.

Wer den Onlineversandhändler Amazon als Kunde kennt, kann sich vorstellen, was die Aufgabe eines Verteilzentrums der Firma ist. Hier werden Waren per Lkw angeliefert, in kleinere Einheiten verpackt und dann mit Kleintransportern wieder auf die Reise geschickt. So wird es auch bei dem geplanten Paket-Verteilzentrum in Frankenberg sein.

Nach Angaben der Stadtverwaltung wird damit gerechnet, dass 36 Lkw am Tag (6 bis 22 Uhr) und 70 in der Nacht Waren am Verteilzentrum anliefern. Diese würden durch 3099 Kleintransporter am Tag sowie 132 in der Nacht weiterverteilt. Was das für Anwohner des Standorts im Gewerbegebiet Dittersbach bedeutet, hat jetzt den Technischen Ausschuss des Stadtrates beschäftigt. Dessen Mitgliedern haben über einen Antrag der Firma beraten, die im Auftrag von Amazon den Neubau der Logistikhalle mit Büro- und Stellflächen plant. Ein Punkt betrifft den Lärm, welcher von dem Verteilzentrum künftig ausgeht. Hier will das Unternehmen sich von dem im Bebauungsplan festgelegten Grenzwert für Lärm in der Nacht befreien lassen, konkret soll er um bis zu acht Dezibel südlich und südöstlich des 5,5 Hektar großen Grundstücks von Amazon überschritten werden.

Wie Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) erklärte, wurde im Bebauungsplan für das Amazon-Grundstück ein Wert von 30 Dezibel festgelegt, die beantragte Erhöhung um 8 Dezibel würde zu dem Wert hinzukommen. Zum Vergleich: Etwa 70 Dezibel entspricht in etwa die Lautstärke eines Rasenmähers. Laut Bauamtsleiter Michael Thiel gilt in Gewerbegebieten nachts eine Lärmbeeinträchtigung von bis zu 50 Dezibel als zulässig. Welcher Lärmwert nun konkret für das Gebiet in Dittersbach nachts gilt, konnte im Ausschuss nicht geklärt werden. Das will die Verwaltung spätestens zur Stadtratssitzung am 11. Dezember nachreichen, bei der auch ein Vertreter von Amazon erwartet wird. Amtsleiter Thiel geht aber davon aus, dass der durch Verkehr wie von der nahen Autobahn erzeugte Lärmpegel schon jetzt nachts über den Werten liegt, die künftig vom Betrieb des Verteilzentrums ausgehen. Das Landratsamt als zuständige Baugenehmigungsbehörde habe in Aussicht gestellt, der beantragten Befreiung von den Lärmgrenzwerten zuzustimmen. Geprüft werde aber auch, mit welchen Maßnahmen die Nachtruhe von Anwohnern geschützt werden könne. Ein Beispiel wäre der Bau einer Lärmschutzwand.

Der Betrieb des Verteilzentrums, in dem knapp 300 Arbeitsplätze entstehen sollen, soll zum Weihnachtsgeschäft 2020 starten.

2Kommentare
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  • 1
    1
    MarcoKunze
    04.12.2019

    Das sind aber sicher Lkw pro Stunde. Kann mir doch keiner erzählen das Ware von 106 Sattelzügen mit über 3000! Transportern verteilt werden soll.

  • 3
    1
    MarcoKunze
    04.12.2019

    Fehlt nur noch die Umfahrung der Brettmühle und im weiteren Verlauf die Ostumfahrung Chemnitz. Dann steht einer Autobahn durchs Erzgebirge ja nichts mehr im Wege. Irgendwo müssen die LKW ja lang fahren. Mit so einem großen Kunde im Rücken lassen sich doch Anwohnerbedenken doch viel leichter wegwischen.



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