Brunnen in Greifendorf versiegen

In einigen Haushalten in dem Rossauer Ortsteil ist das Wasser knapp. Die Gemeinde will jedoch möglichst schnell Anschlüsse für alle Einwohner und hat auch eine Idee.

Rossau.

Bereits im August saßen etliche Greifendorfer auf dem Trockenen. Die Brunnen am Haus liefern nicht mehr zuverlässig Wasser oder sind ganz versiegt. "Acht Familien haben akuten Wassermangel. Sie müssten Wasser aus der Kaufhalle oder anderswoher holen, manche nutzten zum Waschen das ebenfalls knappe Wasser aus der Regentonne", schilderte Gemeinderat Gerold Richter (CDU) zur jüngsten Ratssitzung die Situation im Unterdorf des Rossauer Ortsteils.

Die Menschen seien frustriert, erklärte er. Auch weil sie den Eindruck hätten, die öffentliche Wasserwirtschaft habe kaum Interesse daran, für alle im Ort einen zeitgemäßen Trinkwasseranschluss zu schaffen. Über das Problem hat die Verwaltung laut Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) bereits mehrfach Gespräche mit dem Wasserzweckverband "Mittleres Erzgebirgsvorland" (ZWA) geführt. Immer sei darauf verwiesen worden, dass die Kosten zu hoch sind und es dafür keine Fördermittel gibt. Jeder Bürger habe jedoch Anspruch auf eine ordentliche Trinkwasserversorgung, so der Ortschef. Deshalb müssten kurz- und langfristige Lösungen gefunden werden, betonte er.

Zur Gemeinderatssitzung am Montagabend steht das Thema nun auf der Tagesordnung. Im Gremium soll vor allem die Trinkwassersituation der Straße Am Rubinberg erörtert und entschieden werden, ob sich die Gemeinde mit einem Zuschuss an den ZWA an der Trinkwassererschließung in Greifendorf beteiligen will.

Wie Gottwald erklärte, genügen auch mehrere Regenfälle nicht, um den während des extrem trockenen Sommers gesunkenen Grundwasserspiegel in kurzer Zeit wieder ausreichend steigen zu lassen. Die Wasserknappheit könnte also bis in den Winter hinein fortdauern, sagte er. Neben den hohen Baukosten für einen Trinkwasseranschluss bis zum letzten Haus im Ort sieht er jedoch auch noch andere Probleme. Seit dem Ausbau der Bundesstraße 169 klagen beispielsweise einige Grundstücksbesitzer generell über geringeren Wasserzulauf zu ihren Brunnen. Im Zuge der Baumaßnahme hat sich weiterhin herausgestellt, dass einzelne Brunnen offiziell gar nicht vorhanden sind. "Wahrscheinlich hatten einige ältere Leute gar nicht mitbekommen, dass die Brunnen eingetragen werden müssen", sagte Gottwald. Es drohen also Streitfälle.

Betroffene Greifendorfer vermuteten zudem, im ZWA sitze man die Probleme weniger Haushalte am äußersten Rand von Landkreis und Regierungsbezirk in diesem trockenen Sommer einfach aus, um danach weiterhin nichts zu tun, äußerte ein Gemeinderat. Dem widersprach der Technische Geschäftsleiter des ZWA, Ulrich Pötzsch. Wie er auf Nachfrage der "Freien Presse" erklärte, gebe es bereits eine "klare Ansage des Verbandes, dass in Greifendorf im Zeitraum 2019 bis 2021 etwas getan werden soll". In der aktuellen Situation würde zudem geprüft, welche Sofortmaßnahmen machbar sind. "Drei Grundstücke erhalten in den nächsten Woche einen Anschluss", so Pötzsch. In diesen Fällen seien bereits die zuvor nötigen Anträge gestellt und Verträge mit dem ZWA abgeschlossen worden. Bei einem weiteren Grundstück sei die Situation komplizierter, aber voraussichtlich könne eine Sonderlösung gefunden werden.

Nach Angaben des Kaufmännischen Geschäftsleiters Dirk Kunze gibt es seit Ende August eine Notversorgung. Die Hoffnungen einiger Greifendorfer, dass eine Leitungstrasse aus Naundorf kurzfristig Abhilfe schaffen könnte, scheint hingegen unrealistisch. "Wir haben diese Variante geprüft und wieder fallen lassen. Es wäre zu weit und zu aufwändig", sagte Kunze. Stattdessen solle das bestehende Leitungsnetz im Ort erweitert werden. Reichlich ein Kilometer Trinkwasserleitung müsse dafür noch gebaut werden. Klar sei aber auch, dass die unwirtschaftlichen Anschlüsse in Greifendorf auf das Budget des bereits verschuldeten ZWA drücken. Wenig Verständnis habe er zudem für jene, die keinen Anschluss wollten, als der ZWA dafür noch hätte Fördermittel bekommen können, nun aber "Hals über Kopf Arbeiten fordern".

Pötzsch vermutet, dass auch aktuell nicht in allen Fällen eine schnelle Einigung möglich ist. Denn für den Anschluss muss bezahlt werden. "Die Anschlusskosten liegen schnell bei 4000 Euro oder höher, das führt oft zu Debatten." Manche, die keinen Anschluss wollten, solange die Brunnen ausreichend Wasser lieferten, verlangten zudem nun blitzschnell und zu dem 2004 angebotenen Preis angeschlossen zu werden. "Denen müssen wir klar machen, dass sie 14 Jahre keinen Grundtarif bezahlt und sich also nicht solidarisch an den Gesamtkosten für Verbandsmaßnahmen beteiligt haben", erklärte Pötzsch.

Zu Hypothesen wie jener, dass der tiefe Einschnitt der B 169 den Grundwasserspiegel nachteilig verändert hat, kann der ZWA laut Pötzsch keine Aussagen treffen. Das sei eine Angelegenheit, die Brunnenbesitzer und den Bauherren betreffe, sagte er.

Der Gemeinderat tagt am Montag im Sitzungszimmer in der Gemeindeverwaltung Rossau, Hauptstraße 99. Beginn ist 19 Uhr.

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