Bürger beschweren sich über Straßendreck

Aushub von der Baustelle der Erdgastrasse aus der Region Sayda soll wieder nach Hainichen gebracht werden. Ein Gespräch mit der Betreiberfirma der Lehmgrube hat noch Fragen offen gelassen.

Hainichen.

Auch in diesem Jahr wird die Ortsdurchfahrt Hainichen wieder von LKW befahren, die Erde aus der Region Sayda in die ehemalige Lehmgrube hinter dem Wohngebiet Gartenstadt bringen. Es handelt sich um Aushub, der vom Bau der Erdgastrasse Nord-Stream stammt. Bis zu 100 Transporte pro Tag hatten im November und Dezember 2019 für Ärger und Unverständnis bei Anwohnern und Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) gesorgt, weil die Straßen verschmutzt wurden und das erhöhte Verkehrsaufkommen eine Gefahr darstelle.

Das Stadtoberhaupt regte deshalb ein Gespräch mit Landkreisverwaltung, dem Landesamt für Straßenverkehr und der Lichtenberger Firma Bö-Fi Transporte, die die Lehmgrube in Hainichen betreibt, an. Vor seinen Stadträten zeigte sich Greysinger allerdings nur bedingt optimistisch, konnte aber zumindest einige Zugeständnisse und Initiativen der Firma benennen. So soll laut Bürgermeister bis Ende April 2020 die Zufahrt zur Lehmgrube schon komplett asphaltiert werden. Diese Straße solle 4,50 Meter breit werden, Ausweichstellen seien vorhanden. Das habe ihm Bö-Fi-Geschäftsführer Enrico Böhme zum Gespräch im Januar zugesichert. Ebenso erwäge das Unternehmen die Anschaffung einer Straßenkehrmaschine.

Gegenüber "Freie Presse" wollte Böhme diese Ankündigungen nicht bestätigen. "Wir können uns dazu zur Zeit nicht äußern", erklärte Böhme auf Nachfrage. Greysinger erklärte auch gegenüber dem Stadtrat, dass er das Unternehmen zum wiederholten Mal um mehr Transparenz gebeten habe. "Schon den Erwerb der Lehmgrube vor einigen Jahren habe ich erst Wochen nach dem Besitzerwechsel mitbekommen", so der Bürgermeister. "Auch bei den aktuellen Erdtransporten wurden zunächst Tatsachen geschaffen und erst dann, auf mehrfaches Nachfragen, Dinge eingeräumt. Ökologisch ist es für mich ein Unding, dass unbelastete Erde quer durch den Landkreis gefahren werden muss, weil sie nicht an Ort und Stelle belassen werden darf."

Im Dezember 2019 hatte Böhme "Freie Presse" maximal 100 Ladungen pro Tag bestätigt und sprach von "acht bis zehn Fahrzeugen pro Stunde." Für das Frühjahr 2020 stellte der Geschäftsführer damals noch "drei Wochen mit hohem Transportaufkommen" in Aussicht, ebenso die Asphaltierung der Zufahrt. Was den Zustand der Straßen angeht, so sah Böhme kein Problem.

"Rechtlich können wir gegen die Transporte nichts machen" erklärte nun auch Greysinger. "Straßen sind nun einmal dafür gebaut, dass auch die genutzt werden und eine Einschränkung nur für LKWs dieser sind gesetzlich einfach nicht möglich." Auch seien die Straßen nicht so eng, dass man hier per se von einer damit einhergehenden Gefahr sprechen könne.

Das Landratsamt teilt diese Auffassung. "Sondergenehmigungen sind hier nicht erforderlich", so Pressesprecher André Kaiser. "Wenn sich überdurchschnittliche Verschmutzungen ergeben und diese direkt den Transporten zuzuordnen sind, ist die Spedition für die Reinigung zuständig." Den Einsatz einer Kehrmaschine vor Weihnachten hatte die Firma Bö-Fi in Auftrag gegeben. Eine neuerliche Verschmutzung in der Vorwoche habe die Stadt laut Greysinger bei Bö-Fi angemahnt. "Es gab auch mehrere Beschwerden von Anwohnern", sagte Greysinger.


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