Ein Kapitän übergibt das Steuer

Volker Uhlig hat 16 Jahre den Welterbeverein geleitet. Jetzt, da der Titel in der Montanregion Erzgebirge ist, will der Ex-Landrat das Amt niederlegen.

Freiberg.

Er war der erste mittelsächsische Landrat und hat mit seinen 32 Bürgermeistern und 3 Landräten den Welterbetitel ins Erzgebirge geholt: Volker Uhlig. Als Verwaltungschef des schwierigen, am grünen Tisch entstandenen Landkreis-Gebildes hat er mit der Erfahrung des Macher-Bürgermeisters aus dem Erzgebirge Fluten und Eis-Winter, havarierte Staudämme und Erdgasleitungen erlebt, regionale Verschiedenheiten und Eitelkeiten unter einen Hut gebracht. Mit dem Welterbetitel für das Erzgebirge krönt Volker Uhlig sein Lebenswerk. Die Aufnahme der Montanregion ist für ihn nicht nur die Würdigung eines 20-jährigen Weges der Antragsstellung, sondern ist Ausdruck des unglaublichen Wertes des großen Schatzes aus über 800-jähriger Bergbauhistorie.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag gibt Volker Uhlig bekannt, dass er den Vorsitz des Trägervereins der Welterbe-Bewerbung abgeben will. Ein Schritt zur rechten Zeit, keine Minute zu früh - doch auch nicht zu spät, das ist dem langjährigen Kommunalpolitiker wichtig: "Der Titel ist dem Erzgebirge sicher. Daraus etwas zu machen, dafür braucht es jetzt vor allem aktive Politiker, Kreistage, Verwaltungschefs, die die Arbeit fördern, Entscheidungen treffen und Geld in die Region holen können. Jetzt müssen die Landräte ran", sagt der Mann der klaren Worte. Und er beteuert, dass er nicht davonlaufe. Vielmehr sei Loslassen mitunter schwer. "Wer das Ruder nicht zum richtigen Zeitpunkt loslassen kann, sieht vielleicht nicht, dass längst niemand mehr mit im Boot sitzt." Und er wolle definitiv selbst entscheiden, wann er das Ruder abgibt, sagt Uhlig. 16 Jahre lang hat er den Förderverein geleitet. Allerhand Kraft und Nerven habe das gekostet, so der gebürtige Lichtenberger, der heute mit seiner Frau in Niederbobritzsch bei Freiberg lebt.


Im Welterbeverein war es seine Aufgabe, Vertreter von 32 Orten und drei Landkreise zusammenzuhalten. "Bürgermeister müssen Egoisten für ihre Städte und Gemeinden sein, sonst sind sie nicht gut. Doch wir haben diese Egoismen in globales Denken umgewandelt." Viele Puzzleteile, zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Alles für dieses eine Ziel, das Erzgebirge auf die Welterbeliste zu bekommen. Bis zuletzt, bis zur Entscheidung des Welterbekomitees in Baku, hat auch Uhlig gebangt: "Was passiert, wenn wir nach 16 Jahren durchrauschen? Welche Wirkung hat das?" Und als es im Juli dann hieß, das Erzgebirge werde Welterbestätte, da erlebte Uhlig auch dieses, wie er schmunzelnd erzählt: "Jetzt waren plötzlich alle Sieger, wir hatten nie Gegner bei unserer Bewerbung".

Nach 2015, als er die Geschäfte als Landrat an Matthias Damm übergeben hat, nimmt Volker Uhlig nun ein zweites Mal Abschied. Er formuliert ihn pragmatisch: "Man muss sich selbst zugestehen, dass es ein natürlicher Vorgang ist, dass der Arm immer kürzer wird." (grit)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...