Ein Orden für die Arbeit an einer Vision

Elisabeth Schwerin hat die höchste staatliche Auszeichnung in Sachsen erhalten. Für die Vereinschefin ist es ein Signal, am richtigen Platz zu sein.

Mittweida.

Die Verleihung des Verdienstordens des Freistaates hätte dem Leben von Elisabeth Schwerin eine neue Richtung geben können. Nachdem die Gründerin des soziokulturellen Zentrums "Müllerhof" in Mittweida die Auszeichnung in dieser Woche erhalten hat, wurden ihr gleich zwei Jobangebote unterbreitet.

Ihr ehrenamtliches Engagement auf sozialkulturellem und politischem Gebiet hat sich offensichtlich herum gesprochen. Auch ihre Rolle als Netzwerkerin wurde gewürdigt, die sozial benachteiligte Menschen und vor allem Frauen ermutigt, ihren Weg in die Gesellschaft zu finden und Ideen in die Welt zu bringen. Die 52-jährige Mutter von drei Kindern ist dabei selbst das beste Vorbild. "Wenn du eine Vision hast, bringe sie in die Welt", ist ihr Leitspruch. Und den hat sie als Chefin des Betreibervereins der gleichnamigen Begegnungsstätte "Müllerhof" realisiert. Als die gebürtige Waldheimerin nach dem Studium der Technischen Kybernetik und Automatisierungstechnik aus Berlin nach Mittweida kam war sie arbeitslos, aber getrieben von der Idee von der Vision, Menschen zu aktivieren, die vermeintlich keinen Platz in der Konkurrenzgesellschaft finden. Anfangs waren es Mutter-Kind-Kreise, später kamen kreative Kurse, Beratungen für unternehmerische Engagements, Theatergruppen und Projekte, wie jüngst die "Steh-auf-Geschichten" hinzu, die den in der Gesellschaft Abgehängten Mut machen sollen. "Vieles hat sich einfach ergeben. Aus einer Gruppe von Frauen kommen immer zehn Ideen", sagt Elisabeth Schwerin, die aber deshalb nicht als Feministin gelten will.

In den "Müllerhof" kommen auch Männer, die hier ihre Fähigkeiten ergründen und dabei gefördert werden. Hauptförderer ist der Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen und die Kommune. Ihr Verein zur Förderung von Fraueninitiativen hatte 1999 die Gelegenheit, den Dreiseithof auf dem Auensteig zu erwerben, 2002 wurde der Verein wie auch dessen Domizil in "Müllerhof" umbenannt und bis 2010 ökologisch restauriert. Mittlerweile zählt der Müllerhof pro Jahr rund 18.000 Besucher zu Veranstaltungen, Kursen, im Mieterzentrum oder der Seniorenarbeit. Elisabeth Schwerin ist auch in der Politik umtriebig, sitzt als parteilose Abgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag. Dies ist 2015 mit dem Helene-Weber-Preis gewürdigt worden. "Mit dem Preis hat sich mein Netzwerk erweitert, welches ich für den Verein und die Menschen nutze", so die Mittweidaerin. Und daran soll sich trotz anderer Offerten nichts ändern. "Ich habe mich entschieden, in Mittweida zu bleiben." Im nächsten Jahr besteht der Verein 25 Jahre, dann soll ein neuer Handlungsfaden für das Zentrum gesponnen werden.

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