Ein Vierteljahrhundert hat am "Freizeit-Franz" genagt

Damit das Spielemobil ohne Pannen durch die Orte rollen kann, wird es bei Regiobus ständig kontrolliert und gewartet. Doch vor allem die Außenhülle lässt unschwer erkennen, dass die Zeit reif ist für eine Neuanschaffung.

Mittweida.

Wolfram Uhlmann kennt den blauen "Freizeit-Franz", der seinen "Ruheplatz" auf dem Mittweidaer Regiobus-Gelände hat, in- und auswendig. Kein Wunder, denn irgendwie verbindet ihn mit dem Spielemobil des Mittweidaer Erucula-Vereins eine große Gemeinsamkeit - nämlich eine hohe Anzahl an Dienstjahren. Seit 2003 ist der heute 57-Jährige bereits Werkstattleiter. Mit der Lehre angefangen hat Wolfram Uhlmann aber schon 1976 beim Regiobus-Vorgänger, dem damaligen VEB Kraftverkehr.

Über den "Franz" weiß er nahezu alles. Denn der blaue Bus, der seit 2004 übers Land rollt und die Kinder erfreut, hat mittlerweile auch schon 24 Jahre auf dem Buckel und mehr als 712.000 Kilometer "auf der Uhr". Dass der in Ulm gebaute Setra 215 immer noch fährt, ist das Verdienst der Werkstattleute.

"Fast alles am Bus ist noch original - außer am selbsttragenden Gerippe. Da musste schon sehr viel durch eine Fremdfirma ersetzt werden", weiß Uhlmann. Und erst am Mittwoch war eine Reparatur an der Heizungsanlage notwendig. Damit der Spielebus, für dessen Ersatz die "Freie Presse" in der diesjährigen Aktion "Leser helfen" sammelt, stets sicher unterwegs ist, stehen einmal jährlich in der Regiobus-Werkstatt die Hauptuntersuchung und die Sicherheitsprüfung an. "Das ist ausreichend, weil dieser Bus als Sonderfahrzeug zugelassen ist und mit seinen rund 6000 Kilometern im Jahr nicht so große Strecken fährt wie unsere Busse", erklärt der Werkstattleiter. Für die Regiobusse gilt hingegen eine vierteljährliche Sicherheitsprüfung.

Der "Franz" - Baujahr 1992 - ist der älteste Bus auf dem Hof. Der zweitälteste in der Regiobus-Flotte wurde 1995 gebaut. Ein Jahr müsse dieser noch durchhalten, meint Uhlmann. Und auch am blauen Spielebus sei in den vergangenen Jahren schon etliches gewechselt worden: Bremsen, Öl sowieso, Verschleißteile. "Spätestens nach zehn Jahren ist es meistens auch mit den Reifen vorbei. Da helfen wir mit gebrauchten", so Uhlmann.

Besonders genagt hat der Zahn der Zeit jedoch an der Außenhaut. Da ist einiges durchrostet, vor allem im Heckbereich. Und auch an den Rissen vorn am Bus ist unschwer zu erkennen, dass der "Franz" nicht mehr der jüngste ist.

Damit der Verein Erucula möglichst bald einen neuen Spielebus anschaffen kann, hat die "Freie Presse" zu einer Spendenaktion aufgerufen. Bisher sind 1520 Euro eingegangen. Sollte der alte "Franz" dann von einem neuen "Franz" abgelöst werden, dann muss dem treuen Gefährt nicht gleich die Schrottpresse drohen. Denn auch er könnte wie alle bisher ausrangierten Regiobusse noch einmal eine neue Chance bekommen. "Es gibt Händler, die Busse nach Osteuropa verkaufen", weiß Uhlmann. Das sei lukrativer als die Verschrottung, denn die koste rund 2000 Euro. Was dem "Franz" einmal blüht, ist also noch nicht klar. Vielleicht hat er ja noch ein neues Leben vor sich - irgendwo jenseits der deutschen Grenze.

Spenden Auch Sie können das Leser-helfen-Projekt "Franz" der "Freien Presse" unterstützen:

Spendenkonto: Verein Leser helfen, Volksbank ChemnitzIBAN: DE 4787 0962 1402 2442 2440, BIC: GENODEF1CH1, Kennwort: "Franz"

www.freiepresse.de/leserhelfen

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