Frankenberg sucht weltweit nach Ideen

Zum Umgang mit der "Kommandantenvilla" des einstigen KZ Sachsenburg lobt die Stadt einen internationalen Wettbewerb aus. Die Unterlagen dafür liegen ab 1. August aus.

Frankenberg.

Mit großer Mehrheit haben sich die Frankenberger Stadträte am Mittwochabend für die Auslobung eines internationalen Ideenwettbewerbs ausgesprochen. Ab 1. August und bis zum 31. Oktober dieses Jahres können demnach Architekten, Künstler und interdisziplinäre Teams ihre Entwürfe einreichen. Ziel des Wettbewerbs ist es, die baulichen Überreste der Kommandantenvilla des früheren KZ Sachsenburg bestmöglich zu sichern, umzugestalten und in die künftige Gedenkstätte zu integrieren.

Die einstige Fabrikantenvilla, die von 1933 bis 1937 ein Zentrum der NS-Gewalt vor Ort darstellte, sollte erst abgerissen werden, ist statisch nicht mehr zu halten. Da nun plötzlich der Erhalt der Ruine zumindest in Teilen möglich sein soll, hofft die Stadt auf Ideen, die das historische Gebäude und das Außengelände erlebbar machen. Laut Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) habe der Denkmalschutz festgelegt, von dem Haus zu bergen und zu erhalten, was möglich ist, und zwar "mindestens das Fundament".

Die Ausschreibung in deutscher und englischer Sprache nannte Firmenich eine "hoch spannende Aufgabe." Die Kosten des Wettbewerbs werden auf 40.000 Euro geschätzt. 36.000 Euro davon fördert die Stiftung Sächsische Gedenkstätten aus Steuergeldern. Die Ausschreibungsunterlagen umfassen 330 Seiten. Die Einsendungen sollen in der geplanten Interims-Gedenkstätte, dem Kommunikations- und Dokumentationszentrum in der 1. Etage des benachbarten Gasthofs "Fischerschänke", ausgestellt werden. Baustart für deren Ausbau ist der 20. Juli.

Mykola Borovyk, Historiker und wissenschaftlicher Projektmitarbeiter Frankenbergs, informierte den Stadtrat über den Stand der Qualifizierung des neuerlichen Antrags auf Bundesgedenkstättenförderung. Im Moment gehe es darum, die Gedenkstätte in jenen Gebäuden des einzigartigen Ensembles zu platzieren, die der Stadt gehören.

Die Hauptausstellung ist in der ehemaligen Kommandantur geplant. "Allerdings steht noch die restauratorische Untersuchung des Denkmals aus", so Borovyk. Auch Infrastruktur, barrierefreie Zugänge und Brandschutz sind noch zu planen. Da vieles vage ist, die Kosten nicht feststehen und man die Ideen des Wettbewerbs abwarten will, hat die Stadt entschieden, den Fördermittelantrag für die Gedenkstätte um ein Jahr zu verschieben.

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